„Schrei für dein Recht“ – sich stark machen für die Menschenrechte

Menschenrechte sind Marc Ludwigs Thema. Seit er 14 ist, engagiert sich der heute 24-jährige Berliner für die Einhaltung dieser Rechte und entwickelt Strategien, wie Jugendliche gezielt motiviert werden können, sich für die Menschenrechtsarbeit stark zu machen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was bedeutet das für dich?
Für mich bedeutet es, dass man in dem, was man ist, was man ausdrückt und was man macht, nicht eingeschränkt, nicht unter Druck gesetzt und auch nicht gewaltsam kritisiert werden darf. Es bedeutet aber auch, dass man sich an Regeln des Zusammenlebens halten muss, denn Menschenrechte sind ja nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.
Du engagierst dich seit zehn Jahren für die Menschenrechte und für Partizipationsmöglichkeiten von Jugendlichen in diesem Bereich. Du warst bei zahlreichen Organisationen wie Amnesty International, der Aktion Weißes Friedensband oder der Kindernothilfe tätig und initiierst mittlerweile eigene Projekte. Was genau war der Auslöser für dein soziales Engagement?
In der siebten Klasse haben wir im Unterricht das Thema Menschenrechte behandelt. Als Beispiel-Organisation wurde uns Amnesty International vorgestellt. Wir waren zu Gast im Berliner Amnesty-Büro und durften dort an einer Petition mitschreiben, die sich für Jugendliche in Burma einsetzt. Die Jugendlichen hatten dort für eine bessere Schulbildung protestiert und sind deshalb verhaftet worden. Ich hatte mich vorher noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt, wusste eigentlich nichts über die Menschenrechte oder die Rechte von Kindern und Jugendlichen. In Deutschland ist es ja sehr normal, dass man die Grundrechte, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung oder die Versammlungsfreiheit hat, was in anderen Ländern überhaupt nicht der Fall ist. Ich war entsetzt darüber, dass es Orte auf der Welt gibt, in denen die Menschenrechte so mit Füßen getreten werden. Was mich damals einfach gepackt hat, war zu sehen, dass man als Jugendlicher die Möglichkeit hat, für die Einhaltung der Menschenrechte zu kämpfen und andere Jugendliche für die Menschenrechtsarbeit zu sensibilisieren.
Das von dir initiierte Projekt „Schrei für dein Recht“, eine Kampagne von jungen Menschen für junge Menschen trägt genau diesem Gedanken Rechnung. Wie bist du auf die Idee gekommen?
Durch die langjährige Arbeit bei Amnesty International mit Schüler- und Jugendgruppen ist mir aufgefallen, dass die klare Ausrichtung zur Information junger Menschen über die Menschenrechte und eine eindeutige Ansprache in dem Bereich der visuellen Medien fehlen. Ich empfand das immer als eine der Herausforderungen in Deutschland – es gibt einfach kaum gebündelte Informationen zum Thema Jugendbeteiligung. Für mich war es immer wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man sich als Jugendlicher engagieren kann. Ich finde auch, dass dieser Themenbereich in Schulen viel mehr kommuniziert werden müsste. Man spricht zwar in Geschichte über Menschenrechte und über Meinungsäußerung im Allgemeinen, aber ich glaube – und deswegen habe ich auch für den Ethikunterricht gestimmt – solche Themen mit in den Unterricht zu nehmen, wäre ein guter Schritt, Jugendlichen bewusst zu machen, dass sie ihr Umfeld aktiv mitgestalten können.
Wie hast du es geschafft, dein Projekt „Schrei für dein Recht“ zu realisieren?
Die Idee war es ja, einen Fernseh- und Kinospot zu drehen, der Jugendliche motiviert, für die Menschenrechte aktiv zu werden. Gleichzeitig sollte der Spot auf eine Internetplattform verweisen, die über Organisationen informiert, für die Jugendliche sich engagieren können. Ich habe damals einfach ein Konzept geschrieben und übers Internet einen Berliner Regisseur gefunden, der umsonst mitgemacht hat. Wir haben dann gemeinsam das Drehbuch geschrieben und über ein offenes Casting junge Schauspieler gesucht.
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Dadurch, dass ich sowas zum ersten Mal gemacht habe, stand ich natürlich immer wieder vor einer Mauer und musste sehen, wie ich drum herum komme. Man muss sich bewusst sein, dass man sehr viele schlaflose Nächte verbringt und auch sehr viel Papierkram zu erledigen hat. Dass es letztendlich jedoch machbar ist, in Eigeninitiative ein solches Projekt zu realisieren, war für mich eine sehr prägende Erfahrung und ein starkes Erfolgserlebnis.
Am intensivsten war die Erfahrung, dass die Leute, die mitgemacht haben – die Schauspieler, aber auch die Firmen und Helfer im Hintergrund, die uns unterstützt haben – es als etwas ganz Besonderes erlebt haben, ihrem Engagement für Menschenrechte auf diese Weise ein Gesicht zu geben. Ich denke schon, – also bei mir ist es auf jeden Fall so – dass es Menschen sehr prägt, wenn sie mit ihren eigenen Fähigkeiten zum Gelingen eines sozialen Projektes beitragen können.
An welchem Projekt arbeitest du gerade?
Mein aktuelles Projekt heißt socialfilms.eu. Gemeinsam mit einem Team initiiere ich den Aufbau eines Netzwerks von Filmstudenten aus Deutschland und Europa. Ziel ist es, Filme und Medienproduktionen zu sozialen Themen umzusetzen. In Projekten und Kooperationen mit NGOs, Stiftungen, Universitäten und Bildungseinrichtungen sollen Filme zu Themen wie Menschenrechte und Lösungen von Gewalt, Armut und Hunger realisiert werden. Ich fungiere dabei sozusagen als Schnittstelle zwischen Studenten und Organisationen, initiiere Kooperationen und biete meine inhaltliche, konzeptionelle und organisatorische Unterstützung an.
Mir ist es vor allem wichtig, dass die Studenten ihre eigenen Themen einbauen, dass sie Inhalte realisieren, die in ihrer Lebenswelt vorkommen und die sie berühren. Für mich ist dieses Element des persönlichen Bezugs elementar. Ich denke, dass die jungen Filmemacher – und das gilt meiner Meinung nach für alle, die sich sozial engagieren wollen – dadurch erkennen, dass sie mit ihren persönlichen Fähigkeiten, egal welche es sind, soziale Projekte initiieren und realisieren können.
ist Kulturvermittlerin und freie Journalistin in Düsseldorf.
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September 2009
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