Jugend in Zukunft – heute das Morgen denken
Ein Kühlschrank, der selbst merkt, wenn die Milch leer ist und natürlich auch Nachschub besorgt; eine Multifunktions- jacke, an der der MP3-Player direkt angeschlossen und das Handy aufgeladen wird: Visionen von Jugendlichen, entwickelt im Rahmen der bundesweiten Innovationsinitiative Jugend denkt Zukunft. Die Just more, so der Name der Multifunktionsjacke, bezieht ihre Energie ausschließlich aus der Bewegungsenergie des Trägers.
| Jugend in Zukunft | |
Junge Stimmen zum Thema Zukunft WMA-Datei, 3:47 Min. |
Kein Science Fiction-Roman
Aber wie wird sie aussehen, die Zukunft für junge Menschen in Deutschland? Die Vorstellungen der Jugendlichen ähneln keinem Science Fiction-Roman. So meint zum Beispiel eine junge Berlinerin, dass das Familienleben eher wieder traditioneller wird – allerdings ohne das althergebrachte Rollenverständnis. Und den Arbeitsalltag stellen sie sich kopflastiger vor.
Ihre eigene Zukunft schätzen junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren recht zuversichtlich ein, wie die letzte Shell Jugendstudie feststellte. In Ost- und Westdeutschland blicken etwas mehr als die Hälfte optimistisch auf die nächsten Jahre, und nur weniger als zehn Prozent haben eine eher düstere Vorstellung von ihrer persönlichen Zukunft.
Zukunft selbst gestalten
Mit Zukunftsfragen beschäftigt sich auch die Zukunftsforschung. Doch so wie die Befragung des Orakels von Delphi schon eine eigene Interpretation der Antwort verlangte, geben auch moderne Zukunftsforscher keine Vorhersagen.
Sie bilden mögliche Entwicklungen der Zukunft ab und vergegenwärtigen mögliche Szenarien. Der Blick in die Glaskugel ist dabei weniger hilfreich als der Blick in die Vergangenheit und auf die Gegenwart. Die so entstandenen Zukunftsbilder helfen uns handlungsfähig zu sein. Wir können uns rechtzeitig anpassen, Entwicklungen vorantreiben oder auch provozieren. Ist Zukunft also machbar? Davon ist Prof. Dr. Rolf Kreibich, Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin, überzeugt. Und er meint, der Einzelne sei das wichtigste Element in dem ganzen Konzept: "Wenn der Einzelne nämlich nicht handelt, dann passiert nichts. - Und wir sollten uns abgewöhnen, zu denken, alles kommt von oben, von der Politik und der großen Wirtschaft." Denn jeder entscheidet selbst, wo er einkauft, welches Auto er fährt und vieles mehr.
Lebenslanges Lernen
Ein großer Teil der Jugendlichen in Deutschland sieht hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft allerdings wenig Handlungsspielraum. Ausbildungs- und berufsbezogene Ängste dominieren bei ihnen. Ihre beruflichen Möglichkeiten
schätzen sie eher pessimistisch ein, ergab eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung im Juli 2005. 45% der Befragten zweifelten daran, nach ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz zu finden, der ihren Wünschen entspricht. Also trübe Aussichten für Deutschlands Jugend? Prof. Dr. Rolf Kreibich sieht das differenzierter: Jugendliche, die über Sprachkenntnisse verfügen, die eine gute Fachausbildung haben und vielleicht noch soziale Kompetenzen besitzen, haben mit Sicherheit gute Jobaussichten. Für weniger gut ausgebildete Jugendliche sieht die Zukunft allerdings nicht sehr rosig aus. Durch bessere Ausbildung und permanente Qualifizierung kann diese Zweiteilung jedoch überwunden werden, meint der Zukunftsforscher. Also ist Lernen für die Zukunft angesagt.
Brigitte Hagedorn
arbeitet als freie Hörfunkjournalistin in Berlin.
arbeitet als freie Hörfunkjournalistin in Berlin.
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Januar 2006

















