Wirtschaft in Deutschland

Ethisches Banking – nur ein bisschen Exotik für die Finanzwelt?

Cover-Ausschnitt des Buches „Good Banks“; © Orange PressDer Main-Tower in Frankfurt am Main, Stefan-XP, GNU-FDL, CC BY-SA 3.0Ethik als Entscheidungskriterium für Bankgeschäfte? Funktioniert das überhaupt? Mit zunehmendem Erfolg verkaufen konventionelle Banken ethische Geldanlagen oder setzen grundsätzlich auf andere Geschäftsmodelle. Die Kunden sollen entsprechend ihrer Überzeugung investieren und Geld anlegen können.

Wissen Sie, welche Geschäfte Ihre Hausbank so tätigt? Wer diese Fragen verneinen muss, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn die meisten Sparer wissen nicht, was die Bank mit ihrem Geld anstellt oder an wen sie ihr Geld als Darlehen weiterreicht und schon gar nicht, was der dann damit macht. Und viele Banken haben gar kein Interesse daran, hier Transparenz zu schaffen. Dabei verfügen die privaten Anleger über viel Macht. Denn die Geldinstitute sind von Haus aus vor allem an den Gewinnspannen interessiert, die sie durch die Differenz zwischen gezahlten und einzutreibenden Zinsen erwirtschaften. Ökologische, soziale oder andere ethische Kriterien spielen für eine konventionelle Bank deshalb eine bestenfalls nachgeordnete Rolle.

Trailer zu dem Film „Let’s make money“ von Erwin Wagenhofer

Doch die Finanzkrise hat das Ansehen der Banken ramponiert. Fragwürdige Geschäftsideen wie die sogenannten Todeswetten der Deutschen Bank trugen dazu bei, dass das Image des Bankers in Umfragen ganz weit unten rangierte. Die Todeswetten waren Fonds, mit denen Anleger auf die Restlebenszeit von 500 ausgewählten Personen wetten konnten. Je früher die Menschen starben, desto höher der Gewinn für die Anleger. Die Aufregung war groß, die Deutsche Bank bot Anlegern letztlich den Rückkauf ihrer Anteile an und schloss den Fonds. Einige Anleger beriefen sich darauf, dass sie gar nicht wussten, was sie da kauften. Dass diese Intransparenz von so mancher konventionellen Bank bewusst in Kauf genommen wird, davon ist Caspar Dohmen überzeugt: „Die Beratung beschränkt sich gewöhnlich auf die Aspekte Sicherheit, Liquidität und Risiko“, sagt der Journalist und Buchautor und fordert auch vom Anleger, sich mehr Gedanken zu machen. „Viel wäre gewonnen, wenn jeder Kunde seinen Berater beim nächsten Geldgeschäft einmal nach den konkreten Folgen seiner Anlagen fragt und nicht locker lassen würde.“

Investition nach „gut“ und „schlecht“

Doch gerade der Vertrauensverlust in die normalen Banken hat auch dazu beigetragen, dass andere Finanzinstitute großen Zuspruch erhalten. Noch gibt es in Deutschland nicht viele Banken, die ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell praktizieren. In Deutschland sind derzeit vier größere Kreditinstitute am Markt vertreten, die ihre Anlagen nach sozialen, ökologischen und gleichzeitig ökonomisch sinnvollen Kriterien aussuchen. Die älteste von ihnen ist die Bochumer „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ (GLS), die bereits 1974 gegründet wurde; daneben die Ethikbank, die aus einer Volksbank hervorgegangen ist, die Umweltbank in Nürnberg sowie die niederländische Triodos Bank. Darüber hinaus gibt es noch christlich geprägte Banken, etwa die Steyler Bank. Allen ist gemein, dass sie nach Positiv- und Negativkriterien investieren. Bei der Umweltbank stehen zum Beispiel erneuerbare Energien oder der Handel mit regionalen Produkten auf der Positivliste, bei der GLS darüber hinaus noch entwicklungspolitische und sozial engagierte Projekte. Ausschlusskriterien sind bei allen Banken beispielsweise Investments in Waffenproduktion, Unternehmen, die Kinderarbeit nutzen, oder der Umgang mit Atomenergie.

Der Vorstandssprecher der GLS, Thomas Jorberg, erklärt den Begriff „Ethisches Investment“

Studien zufolge sind diese Kriterien dem Anleger enorm wichtig; allerdings ist das Informationsdefizit für konventionelle Anlagen mindestens ebenso groß. Daher verwundert es nicht, dass die Zahl der Kunden bei den ethischen Banken nur langsam, dafür aber stetig wächst. Hier könne der Anleger in einem größeren Ausmaß selbst beeinflussen, was mit seinem Geld geschehe, meint Caspar Dohmen. Mindestens aber könne er nachvollziehen, welche Projekte und Unternehmen er mit seinem Geld mitfinanziere: „So informieren einige dieser Banken beispielsweise ihre Kunden detailliert über alle Unternehmenskredite – oder sie ermöglichen dem Kunden zu wählen, was mit dem Geld auf seinem Girokonto geschieht.“

Ohne Zinsen für sozial sinnvolle Projekte

Cover des Buches „Good Bank“; © Orange Press Dazu gehört zum Beispiel auch, dass der Bankkunde die Möglichkeit hat, ganz oder teilweise auf Zinsen zu verzichten. Von diesem Geld werden dann weitere Projekte im Bankgeschäft finanziert. Ein weiterer Pluspunkt: Die meisten ethischen Banken in Deutschland sind genossenschaftlich organisiert. Damit sind die Einlagen ihrer Kunden unbegrenzt beim Sicherungsfonds des Genossenschaftsverbundes geschützt – ebenso wie bei jeder normalen Volks- und Raiffeisenbank.

Da es keine zentrale Prüfstelle für ethische oder ökologische Anlagen gibt, bleibt es letztlich dem Anleger überlassen, sich zu informieren. Gleiches dürfte für den mittelfristigen Erfolg des ethischen Bankmodells generell gelten: Wie überall auf dem Markt entscheidet die Nachfrage über das Produkt. Aber die Tatsache, dass inzwischen auch konventionelle Banken die Ethik-Nische für sich entdecken, spricht dafür, dass künftig mehr Menschen ihre Geldgeschäfte zu einer ethischen Bank verlagern könnten.

Buchtipps:
Caspar Dohmen, Good Bank. Das Modell der GLS Bank, Orange Press 2011, ISBN 978-3936086546;

Caspar Dohmen, Let's make MONEY. Was macht die Bank mit unserem Geld?, 4. Auflage, Orange Press 2009, ISBN 978-3936086416.

Constanze Hacke
arbeitet als selbstständige Steuer- und Wirtschaftsjournalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juni 2012

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
internet-redaktion@goethe.de

Links zum Thema

Rückeroberung des Öffentlichen

Foto: kallejipp; Quelle: Photocase
Wie physisch oder digital ist der öffentliche Raum? Eine Konferenz zur Rolle der Kultur in diesem Spannungsfeld am 22. und 23. April in Berlin.

Humboldt

Kulturzeitschrift für den Dialog mit Latein-
amerika und der Iberischen Halbinsel.
Humboldt ist auch als E-Paper online.

Interkulturpreis 2013: Wirtschaftswissenschaften

Auch 2013 schreibt das Goethe-Institut wieder seinen Interkulturpreis aus, diesmal für die Wirtschaftswissenschaften. Bewerben Sie sich jetzt!

Twitter

Aktuelles aus Kultur und Gesellschaft in Deutschland