Sprache und Beruf

Entscheidend ist das Tätigkeitsprofil – Fremdsprachen am Arbeitsplatz

Die Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen hat in der Arbeitswelt weiter zugenommen.  Foto: dimmu © 123RFDie Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen hat in der Arbeitswelt weiter zugenommen.  Foto: dimmu © 123RFFremdsprachenkenntnisse, so heißt es, sind in der heutigen Arbeitswelt unverzichtbar und ein Muss im Lebenslauf. Studien zeigen dagegen: Gute Fremdsprachenkenntnisse spielen zwar eine immer wichtigere Rolle, doch es gibt große Unterschiede.

Jeder sechste Erwerbstätige in Deutschland braucht an seinem Arbeitsplatz Fachkenntnisse in einer Fremdsprache, jeder dritte kommt mit Grundkenntnissen aus. Und Englisch ist nach wie vor die in der Erwerbstätigkeit am häufigsten abgeforderte Fremdsprache. Zu diesen Ergebnissen kam eine repräsentative Erwerbstätigenbefragung, die 2006 vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführt wurde.

Englisch immer noch Fremdsprache Nummer Eins

Je höher das allgemeine Anforderungsprofil eines Arbeitsplatzes ist, desto wichtiger sind auch Fremdsprachenkompetenzen.  Foto: edma © 123RFSieben Jahre zuvor hatten nur zehn Prozent der Erwerbstätigen angegeben, dass sie Fremdsprachenkenntnisse benötigen, die über Grundkenntnisse hinausgehen. Die Zahlen für 2012 werden gerade erst ausgewertet. Anja Hall vom BIBB ist aber überzeugt, dass die Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen weiter zugenommen hat: „Die Berufswelt wird zum einen immer internationaler. Zum anderen steigt die Nachfrage an hochqualifizierten Arbeitskräften. Und je höher das allgemeine Anforderungsprofil eines Arbeitsplatzes ist, desto wichtiger sind auch Fremdsprachenkompetenzen.“ Von denjenigen Befragten, die für ihren Job keinen Abschluss benötigen, brauchen nur drei Prozent Fachkenntnisse in einer Fremdsprache, während diejenigen mit einem akademischen Beruf zu 40 Prozent darauf angewiesen sind. Besonders wichtig sind Fachkenntnisse in Fremdsprachen laut der Studie von BIBB und BAuA zudem in kaufmännischen Berufen und in Hotel- und Gaststättenberufen.

Bei 93 Prozent der Erwerbstätigen, die am Arbeitsplatz eine Fremdsprache brauchen, handelt es sich um Englisch. Andere Sprachen werden vor allem in akademisch geprägten Berufen, aber auch in Gesundheits- und Pflegeberufen, in sozialen Berufen, sowie in Hotel- und Gaststättenberufen relativ häufig gebraucht: Von jedem dritten Erwerbstätigen wird Französisch genutzt, seltener kommen auch Russisch, Türkisch, Spanisch, Polnisch sowie andere Sprachen zum Zug.

Fremdsprachen nicht so wichtig wie Fachkenntnisse oder Sozialkompetenzen

Gerade Akademiker sind im Job sehr häufig auf Fremdsprachenkenntnisse angewiesen.  Foto: wavebreakmediamicro © 123RFDie bundesweite repräsentative Hochschulabsolventenbefragung des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) bestätigt, dass gerade Akademiker im Job sehr häufig auf Fremdsprachenkenntnisse angewiesen sind: „Rund die Hälfte aller Universitäts- und Fachhochschul-Absolventen gibt in unseren Befragungen an, dass Fremdsprachenkenntnisse in ihrem beruflichen Alltag wichtig oder sehr wichtig sind. Dieses Ergebnis ist über die Jahre hinweg relativ konstant geblieben“, sagt Kolja Briedis vom HIS-HF. Andere Kompetenzen wie Fachkenntnisse, wirtschaftliche Methoden, Sozialkompetenzen oder die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, werden, so Briedis, allerdings von deutlich mehr Befragten (70 bis 90 Prozent) als wichtig erachtet.

In Bezug auf die Fremdsprachenkenntnisse gäbe es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Fachrichtungen: „Für fast drei von vier Ingenieurwissenschaftlern und für fast 90 Prozent der Naturwissenschaftler spielen Fremdsprachenkenntnisse eine wichtige Rolle. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Wirtschaft heute international vernetzt ist. Und viele Naturwissenschaftler verbringen ihre ersten Berufsjahre mit der Promotionsphase, wo sie internationale Literatur lesen und internationale Tagungen besuchen.“ Relativ unwichtig seien Fremdsprachenkenntnisse dagegen im Lehramt und in der Pädagogik, im Bereich Sozialwesen, in der Psychologie und auch in der Medizin.

Dialekt statt Fremdsprache

Für fast 90 Prozent der Naturwissenschaftler spielen Fremdsprachenkenntnisse eine wichtige Rolle.  Foto: wavebreakmediamicro © 123RFWelche Fremdsprachenkenntnisse gebraucht werden und wie gut diese Kenntnisse sein müssen, hängt also einerseits vom allgemeinen Anforderungsprofil und andererseits von der Branche und vom Aktionsradius des Unternehmens ab. „In der Exportabteilung eines deutschen Mittelständlers, der mit China, Südamerika und den USA zu tun hat, werden Sie natürlich mit Sicherheit Fremdsprachenkenntnisse brauchen. In der Kleinstadtfiliale einer Drogeriekette brauchen Sie dagegen vielleicht eher ein Verständnis örtlichen Dialekts“, sagt auch Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Der Arbeitgeber entscheide je nach zu besetzendem Tätigkeitsprofil, welche Rolle Fremdsprachenkenntnisse neben den zahlreichen anderen Anforderungen in der Stellenausschreibung und bei der Auswahl eines Bewerbers spielen.

Rechtliche Rahmenbedingungen muss er dabei laut Raabe nicht beachten, allerdings würden manchmal zur Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse Fremdsprachenkenntnisse vorausgesetzt: „Wenn jemand sich mit einem ausländischen Ausbildungsabschluss auf bestimmte Segmente im Gesundheitswesen bewerben möchte, muss er für die fachliche Anerkennung Deutschkenntnisse vorweisen. Bei Ärzten werden hier Kenntnisse auf B2-Niveau erwartet, bei Krankenpflegern Kenntnisse auf B1- oder B2-Niveau.“

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

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Januar 2013

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