Mehrsprachigkeit und Künste

Sprachen durch das Objektiv gesehen – Medienpreis zu Vielsprachigkeit

Der Wettbewerb Language through Lenses beim Prix Europa Festival in Berlin und Potsdam  Foto: Matjaz Boncina © iStockphotoDer Wettbewerb „Languages through Lenses“ beim Prix Europa Festival in Berlin und Potsdam  Foto: Matjaz Boncina © iStockphotoUnter dem Titel „Languages through Lenses“ wurde anlässlich des Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation 2009 der erste Medienpreis für Videos junger Filmemacher über Vielsprachigkeit in Europa vergeben.

Aus 122 Bewerbungen von Studenten an Kunsthochschulen aus 18 Ländern der Europäischen Union, Norwegen und der Türkei wurde die Umsetzung von 15 ausgewählten Filmprojekten mit jeweils 5.000 Euro gefördert. Die Filme von einer oder drei Minuten Länge zeigen das Potenzial der 23 Amtssprachen und zahlreichen weiteren Regional-, Minderheiten- und Migrantensprachen Europas. Ziel des von der „Europäischen Liga der Institutionen der Künste“ (ELIA) und der Europäischen Kommission für Mehrsprachigkeit durchgeführten Wettbewerbs Languages through Lenses ist es, junge europäische Zuschauer für die Vorteile der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas zu sensibilisieren.

Innovation und Kreativität durch Mehrsprachigkeit

Preisträgerin Katarzyna Miron aus Polen  Foto: Norbert Kesten © Shamrock Photos BerlinVom 17. bis 24. Oktober 2009 wurden die ausgewählten Filme von Studierenden an Kunsthochschulen in Österreich, Estland, Finnland, Frankreich, Ungarn, Lettland, den Niederlanden, Portugal, Slowenien, Schweden, der Türkei und Großbritannien beim Prix Europa Festival in Berlin und Potsdam gezeigt. Nachdem der Wettbewerb im vergangenen Jahr bereits im Rahmenprogramm gelaufen war, wurde Languages through Lenses 2009 erstmals als eine von acht Kategorien des Prix Europa Festivals durchgeführt, er richtet sich speziell an den Nachwuchs der Medienbranche. Unter dem Markenzeichen „Made in Europa“ wurden beim Prix Europa bereits zum 23. Mal Produktionen aus den Bereichen Fernsehen, Radio und „Emerging Media“ präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Brave Botschaft, kreative Umsetzung

Wie sähe die Welt aus, wenn alle Tiere die gleiche Sprache sprächen? Inwieweit ähneln sich Kindersprache und Lautmalerei? Wie gehen alte Menschen mit der sprachlichen Vielfalt der EU um? Was heißt eigentlich „Käse“ auf litauisch? Was können wir aus der Kommunikation von Krabbelkindern lernen? Ist Liebe wirklich die universelle Sprache und warum fehlen beim ersten Date auf der Erasmusparty dann doch die richtigen Worte? Und welche Konsequenzen können fehlende Fremdsprachkenntnisse haben – wenn sie uns nicht gleich in den Tod treiben?

Gewinner des Prix  Europa 2009  Foto: Norbert Kesten © Shamrock Photos BerlinGezeigt wird in allen Videos, dass Mehrsprachigkeit jeden einzelnen und die Gemeinschaft stärkt und dass jede einzelne Sprache mit ihren Eigenheiten eine Faszination ausübt, die weit über die reine Verständigung hinausgeht. Diese – in der Wettbewerbsausschreibung ausdrücklich gewünschte – Botschaft wirkt auf den Zuschauer spätestens nach dem dritten Film etwas brav und ermüdend. Umso erfrischender sind dafür die verschiedenen Blickwinkel, aus denen sich die Regisseure der 43 veröffentlichen Kurzfilme aus den Jahren 2008 und 2009 dem Thema fröhlich oder sarkastisch, verträumt oder musikalisch, realistisch oder abstrakt nähern.

Gewinnerfilme „Hybridus Linguaflorum“ und „Worldomino“

Laudator Harald Hartung mit der Siegerin  Foto: Norbert Kesten © Shamrock Photos BerlinIm einminütigem Film Hybridus Linguaflorum, der zum Jurypreis gekrönt wurde, vergleicht die finnische Studentin Katarzyna Miron Sprachen mit lebenden Organismen, die sich ständig entwickeln. Neue Worte werden kreiert und verschiedene Sprachen beeinflussen und prägen sich gegenseitig. „Es ist ein sehr gut erzählter Film, der die Vielfalt der Sprachen in symbiotischer Harmonie beschreibt. Ein poetisches Märchen mit Symbolen aus der Blumenwelt, von hoher künstlerischer Qualität und fortgeschrittener Professionalität“, begründet die Jury, warum sie sich unter Berücksichtigung der Bewertungskriterien „künstlerische Vision“, „Bezug zum Thema“ und „Vermittlung des Themas“ für Hybridus Linguaflorum entschieden hat. Der Publikumspreis wurde über ein Public Voting im Internet ermittelt und ging an das dreiminütige Video Worldomino von dem Istanbuler Oğuzhan Kaya. Hier wird jede Sprache der Welt durch einen Buchstaben auf einem Dominostein repräsentiert. Beim Zusammenfallen formen die Steine eine Europakarte und schließlich eine ganze Weltkarte.

Janna Degener
hat Linguistik, Ethnologie und Neuere deutsche Literatur studiert und arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
November 2009

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