Projektbeschreibung

copyright: ColourboxZur Vernetzung der Partnerschulen des Projekts „Schulen: Partner der Zukunft“ in der Region Subsahara-Afrika – sowohl untereinander, als auch mit deutschen Schulen und Schülern – werden in der Region fünf Theaterworkshops mit Schülern und deren Lehrern zu afrikanischen und deutschen Märchenmotiven und Mehrsprachigkeit abgehalten.

In Afrika werden über 1.500 verschiedene, untereinander zum Teil nicht verständliche Sprachen gesprochen – fast ein Drittel aller menschlichen Sprachen. Mehrsprachigkeit gehört somit zur kulturellen Identität der meisten afrikanischen Jugendlichen. Leider verengt sich diese Sprachenvielfalt im Schulalltag meist wieder auf eine Verkehrssprache. Außerdem gilt das Sprechen indigener Sprachen unter vielen Jugendlichen häufig als „uncool“.

Mit den Theaterworkshops des Projekts SPRACH-FLUSS wird nun zweierlei angestrebt:
Zum einen wird – beispielsweise durch serielle Spielaufgaben und durch Figurenarbeit, bei der man sich der besonderen ästhetischen Qualitäten der einzelnen gesprochenen Sprachen bedient – jede eingebrachte afrikanische oder europäische Sprache als Bereicherung in der gemeinsamen ästhetischen Praxis sichtbar.

copyright: ColourboxZum anderen werden die Grenzen der Sprachen im kommunikativen Miteinander aufgehoben. Die Theaterpraxis als Schule des „Sehens und des Hörens“ bietet ein ideales „Trainingsumfeld“ für die Aneignung von Kommunikationsstrategien über Sprachgrenzen hinweg. Im Schutz einer Figur oder des Theaterchores, in den „Als-ob-Situationen“ und in deutlich motivierten szenischen Improvisationen, die bewusst meist auf geringe Redemittel und zudem auf Aspekte des nonverbalen Ausdrucks setzen, gelingt die Verständigung in einer Fremdsprache stets viel besser.

copyright: ColourboxDieses lustvolle Ausprobieren von Kommunikationsprozessen mit darstellenden Ausdrucksmitteln über Sprach- und Landesgrenzen hinweg regt die Kreativität aber auch den Austausch unter den Jugendlichen über ihre jeweiligen Lebensumstände, Befindlichkeiten und Vorlieben an. Schließlich begegnen sich in Hildesheim Jugendliche aus den Workshops in Afrika und Deutschland. Da dann alle Teilnehmer etwas Deutsch sprechen und zudem über einen gemeinsamen Fundus von Theaterübungen und -techniken verfügen, können die Jugendlichen miteinander ins Spiel gebracht werden.

Die Lehrer erleben diese Theaterarbeit in ihren unterschiedlichen Phasen als Multiplikatoren und haben die Möglichkeit, sich mit ihren deutschen Kollegen über Theater als Unterrichtsprinzip und über mehrsprachige Klassensituationen auszutauschen. Die Arbeit in den Workshops wird mit einer Videokamera begleitet. Die so entstehende Dokumentation wird anschließend an die Schulen der Region zurückgespielt und hier vorgestellt.

Man kann auf die Ergebnisse dieser interkontinentalen und mehrsprachigen ästhetischen Praxis gespannt sein!

Projektpartner:
copyright: Universität Hildesheim PASCH
Serielle Spielaufgaben:
Verschiedenen Darsteller oder Gruppen von Darstellern wiederholen nacheinander die gleiche Handlung – in verschiedenen Sprachen oder mit verschiedenen Haltungen. Bei einer Dornröschenaufführung beispielsweise beklagen sich zunächst fünf verschiedene Königspaare in unterschiedlichen Sprachen über mangelnden Nachwuchs. Anschließend kündigen sechs Reporter in ihren diversen Sprachen freudig die Geburt des Kindes an.
Der Effekt ist ähnlich wie zum Beispiel bei den seriellen Siebdrucken von Warhol: Der Rezipient kennt den Inhalt des Bildes (oder meint ihn zu kennen) und scannt nun/vergleicht mit geschärften Sinnen die Oberflächen, sucht also nach Unterschieden, nach Details, die eine Fassung von der anderen unterscheidbar machen.
So – oder so ähnlich soll auch durch das serielle Spielen die Begegnung mit anderen, fremden Sprachen vollzogen werden. Die Darsteller bleiben nicht am Verstehen oder Nichtverstehen von Inhalten hängen, denn der ist durch das nonverbale Spiel und die Versionen in bekannten Sprachen längst klar, sondern können sich vielmehr offen, den vielen anderen, sinnlichen Qualitäten von Sprache zuwenden – dem was sich uns mitteilt, was sich uns kommuniziert.
Theaterworkshops
Mitte 2008 bis September 2009
Johannesburg, Südafrika
Tel. +27 11 4423232
Mail Symbol lsr@johannesburg.goethe.org

Mehrsprachigkeit – Sprachen ohne Grenzen

Goethe-Institut
Welche Wirkung hat Mehrsprachigkeit auf das politische, soziale, geistige und kulturelle Leben? Welchen Wert für Wirtschaft und Wissenschaft?

„Schulen: Partner der Zukunft“

Diese Initiative will bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für das zeitgenössische Deutschland wecken.