Exportschlager Dachbegrünung: aus dem Land der Dichter und Denker auf die Dächer der Welt
Die Idee, Dächer zu begrünen, ist weder neu und auch nicht traditionell deutsch. Doch deutsche Forschung und Gestaltung haben in Sachen Dachbegrünung definitiv seit 50 Jahren die Nase vorn.
Aus dem 6. Jahrhundert datieren die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon – als eines der sieben Weltwunder gerühmt und immer gern zitiert. Auch im antiken Athen und in Rom wurden auf den traditionellen Flachdächern Dachgärten angelegt und intensiv genutzt. In Island und Norwegen werden Dächer seit Jahrhunderten begrünt – hier nutzt man die isolierende Wirkung von Gras- und Torfsoden.
Cornelia Hahn-Oberlander schrieb 2007 auf die Frage nach der internationalen Bedeutung deutscher Forschung und Gestaltung in Sachen Dachbegrünung: „Deutschland hat definitiv seit 50 Jahren die Nase vorn.“ Die kanadische Landschaftsarchitektin schätzt die deutschen Forschungsergebnisse sehr, ebenso die Richtlinienarbeit und das Normwesen. „Ich wünschte, wir hätten diese Art ‚Gesetze‘ für unsere Gemeinden in Kanada.“
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„Die Dachgrün-Richtlinie der FLL ist in englischer, niederländischer und ungarischer Sprache veröffentlicht, aus den USA kommen regelmäßige Anfragen“, berichtet Jürgen Rohrbach Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), Bonn. Und er fügt an: „In China und Japan gibt kursieren bereits unautorisierte Übersetzungen.“
Stadtökologie
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Düsseldorf |
„Der deutsche Standard in der Bau- und Vegetationstechnik für Dachbegrünungen ist seit Jahren international führend“, erklärt auch Bernd W. Krupka, Landschaftsarchitekt BDLA, Sachverständiger für Dachbegrünung. „Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit wissenschaftlicher Institute und verschiedener Systemhersteller.“ Die Erkenntnisse wurden kontinuierlich in das gültige Regelwerk der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie eingearbeitet. Dieses Regelwerk, so Krupka, sei in vielen Ländern ein Vorbild für nationale technische Richtlinien. Gefragt ist da besonders das Qualitätsmanagement, weil es auf dem empfindlichen Baugrund Flachdach eben nicht so einfach sei, die Begrünungen sicher und dauerhaft zu realisieren.
In Deutschland liegen die historischen Wurzeln „moderner Gründächer“, erklärt Prof. Dr. Manfred Köhler, Landschaftsarchitekt BDLA, Fachgebiet Landschaftsökologie, Hochschule Neubrandenburg, und verweist auf die Ökobewegung seit den 1970er-Jahren. Seither hat man vielfältige Erfahrungen mit extensiven Gründächern sammeln können, die unter anderem durch öffentliche Förderprogramme ermöglicht wurden.
„Wir untersuchen innovative Gebäudekonzepte auf ihre Potenziale zum Umwelt- und Ressourcenschutz und zur Reduzierung von Betriebskosten. Besonders Dach- und Fassadenbegrünungen verbessern die innerstädtische Umwelt und werten Gebäude ökologisch und ästhetisch auf“, bestätigt Marco Schmidt von der TU Berlin. „Instrumente wie der Biotopflächenfaktor wurden kürzlich auch bei unseren Kooperationspartnern in Seattle, USA, und Seoul, Korea, eingeführt. Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen beim Nachweis der ökologischen Vorzüge von Dachbegrünungen und zur Implementierung in die Baupraxis sind auch international zu einer Erfolgsgeschichte geworden.“ Für Landschaftsarchitekten bleibt es eine kreative wie technische Herausforderung, das einzelne Gründach in seiner Wirkung zu optimieren. Will man Isolierung erreichen, sieht die Detaillösung sicher anders aus, als wenn durch Modellierung der Oberfläche beispielsweise für Tiere und Pflanzen attraktive Bedingungen entstehen sollen.
Gründächer sind sexy
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Dachbegrünung |
In den Boomtowns Asiens greift man die Ideen ebenfalls begeistert auf. Singapur ist Vorreiter – in der Stadt gibt es, neben Dachgärten, nun auch Versuche zu Extensivdächern. Thailand, Australien – viele Aktivitäten laufen jetzt erst an, man versucht, die Ergebnisse für die jeweiligen geografischen und klimatischen Verhältnisse zu adaptieren. Köhler berichtet von einer Universität in Uganda, der ersten auf dem afrikanischen Kontinent, die sich mit Dachbegrünung beschäftige.
Nicht nur Forschungsergebnisse, auch Verfahren und Produkte aus Deutschland genießen weltweit einen sehr guten Ruf, erklärt Dr. Gunter Mann, Präsident der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) und Marketingleiter der Optigrün international AG. „Viele deutsche Planer, die im Ausland tätig sind, werben für die Sache mit der Empfehlung deutscher Systeme und mit Referenzobjekten seit Mitte der Siebzigerjahre.“
Das Know-how in technischen und ökologischen Fragen hinsichtlich der Dachbegrünung kommt also derzeit noch klar aus Deutschland, doch gilt das auch für die Gestaltung? Gute grüne Dächer sind eine Teamleistung, das meint auch Landschaftsarchitekt BDLA Matthias Lill von Lill + Sparla in Köln. Entsprechende Projekte, zumeist Versicherungen, Ministerien, Rundfunkanstalten und Konzernzentralen oder Schulen, finden sich auf der Referenzliste aller namhaften deutschen Landschaftsarchitekturbüros.
(Landschaftsarchitektin AKNW), Jahrgang 1956, ist freiberuflich tätige Fachjournalistin und Autorin für Landschaftsarchitektur und Stadtbaukultur.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2007
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Links zum Thema
- Fotografie und Landschaftsarchitektur – eine Ausstellung des Goethe-Instituts Montréal


- Plattform zur Dachbegrünung

- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL)

- Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e. V. (FBB)

- WORLD GREEN ROOF

- Gründach Forschungszentrum an der Hochschule Neubrandenburg

- Institut für Physik der Humboldt-Universität zu Berlin



















