Umweltmanagement in deutschen Banken und Versicherungen
Der Umweltgipfel 1992 hat die gesamte Wirtschaft aufgerufen, nachhaltig, umweltgerecht und sozial verträglich, zu handeln. Man könnte meinen, dass der Dienstleistungsbereich mit seinen Banken, Sparkassen und Versicherungen im Vergleich zu der Industrie weniger an Umweltzerstörungen beteiligt ist. Dabei wird der hohe Energie- und Papierverbrauch der Finanzdienstleister unterschätzt. Aber nicht nur diese direkten Umweltauswirkungen vor Ort spielen eine ökologische Rolle, wichtiger sind die Finanzierungs- und Investmententscheidungen, die oft weltweit gravierende Auswirkungen haben.
Unter dem Stichwort Umweltmanagement wollen die Finanzdienstleister ihre Geschäfte ökologisch verträglich gestalten. Es gibt zwei standardisierte Umweltmanagement-Systeme für Banken und Versicherungen: die EG-Öko-Audit-Verordnung Nr. 761/2001 und die Norm ISO-14001. Beide Systeme verlangen genaue Zahlenangaben über die ökologischen Auswirkungen ihrer Aktivitäten. Erfasst werden sowohl die Betriebsökologie, der Ressourcenverbrauch von Energie, Wasser und Papier, als auch die Produktökologie, die Konsequenzen aller Geschäfte für die Umwelt. Das Bilanzieren unter Umweltaspekten hat für die Finanzdienstleister konkrete Vorteile, denn sie sind direkt von den Kosten betroffen, die Naturkatastrophen, aber auch Störfälle in der Industrie sowie die Altlasten in beliehenen Immobilien verursachen. Allein 1995 beliefen sich die Versicherungsschäden durch Umweltkatastrophen auf 180 Milliarden US-Dollar. Das war drei Mal so viel wie im Jahr davor. Die Umweltrisiken der Kunden wirken sich unmittelbar auf das Risiko der Banken und Versicherer aus. Es lohnt sich also, bereits im Vorfeld neben der ökonomischen auch die ökologische Seite zu prüfen.
Versicherungen investieren in umweltverträgliche Anlagen
Immer mehr Versicherungen entdecken den Trend Ökologie als Markt. So bietet die Oeco-Capital-Lebensversicherungs-AG Kapital-, Renten- und Zusatzversicherungen an, wobei sie sich verpflichtet, bei den Kapitalanlagen in umweltverträgliche Institutionen zu investieren. Branchen wie Rüstungs-, Atom-, Automobil-, Rohstoff-, Tabak- und Alkoholindustrie schließt sie aus. Ein anderes Beispiel ist die Rheinland-Versicherungs-AG, die den Beitrag für die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung reduziert, wenn der Autofahrer eine BahnCard besitzt, mit der er Rabatte auf Bahnfahrten erhält. Dabei spart die Versicherung, da Bahnfahrer seltener ihr Auto benutzen und somit weniger Gelegenheiten haben, einen Unfall zu verursachen. Die Autofahrer profitieren von der niedrigeren Versicherungsprämie.
Alternative Investmentfonds sind noch Nischenprodukte
Die meisten deutschen Finanzdienstleister bekennen sich zu der Verantwortung für eine nachhaltige, umweltgerechte Entwicklung. Sie gründeten 1994 den Verein für Umweltmanagement in Banken, Sparkassen und Versicherungen e.V. (VfU), um ein Forum für den Meinungs- und Informationsaustausch zu schaffen. Angesichts des enormen Einflusses der Finanzbranche auf die Wirtschaft wäre es jedoch wünschenswert, wenn Banken die Projektfinanzierungen noch konsequenter auf ihre Umweltauswirkungen hin überprüfen würden und Umweltaspekte bei Investmententscheidungen systematischer berücksichtigten, meint die unabhängige Rating-Agentur Oekom Research AG. Sie liefert Informationen über das ökologische und soziale Handeln von Unternehmen und stellt fest, dass trotz des Bekennens zum Umweltmanagement alternative Investmentfonds noch immer Nischenprodukte sind. So würden gezielte Investitionen in den Umweltschutz von Banken meistens nur dann durch günstige Konditionen unterstützt, wenn hierzu staatliche Förderprogramme existierten. Damit böten sie wenige Anreize für Unternehmen, nachhaltige Geschäftspraktiken durchzusetzen.
Die Broschüre "Green Finance. Umweltmanagement in Banken, Sparkassen und Versicherungen" kann kostenlos bestellt werden beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit |
Christine Guist
Chistine Guist ist Ethnologin, Buchautorin und freie Journalistin. Sie arbeitete u.a. beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).
online-redaktion@goethe.de











