Umwelt in Deutschland – Panorama

Globus der Naturgefahren – Versicherungen rüsten sich für den Klimawandel

Screenshot „Weltkarte der Naturgefahren“; © Munich ReScreenshot „Weltkarte der Naturgefahren“; © Munich ReDie Angst vor Naturkatastrophen infolge des Klimawandels treibt den Versicherungen scharenweise neue Kunden zu. Dass die Anbieter von Policen zur Regulierung von Unwetterschäden dabei nichts dem Zufall überlassen, beweist eindrucksvoll der neue multimediale Globus der Naturgefahren der Münchner Rückversicherung.

Am Beispiel der Versicherungsbranche zeigt sich, dass es durchaus auch wirtschaftliche Profiteure einer globalen Klimakatastrophe geben kann. Ob Murenabgänge, Überschwemmungen, Stürme oder Brände – es gibt so gut wie keine Gefahr, für die sie nicht einen passenden Haftungsvertrag anbieten würde.

Doch Versicherungen sind keine Wohlfahrtseinrichtungen. Je höher das Risiko, desto höher die Beiträge. So die Funktionslogik einer Branche, die mit Absicherungen gegen die Unwägbarkeiten des Daseins Milliardengewinne macht. Um einem möglichen Ruin durch eine Massenabgeltung von Großschadensereignissen vorzubeugen, pflegen sich vor allem Erstversicherungsunternehmen ihrerseits rückzuversichern. Der weltweit größte Anbieter in diesem Segment ist mit rund 5000 Kunden in 160 Ländern die Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft, kurz: Münchner Rück beziehungsweise Munich Re Group. Dass dieses Unternehmen trotz der rapide gestiegenen Naturgefahren ihre Gewinne steigert, zeugt von einem erstklassigen Risikomanagement.

Nützliches Nachschlagewerk

Hurrikan Katrina 2005; © Munich ReEinen beeindruckenden Beweis dafür liefert der Globus der Naturgefahren (Globe of Natural Hazards), eine Weiterentwicklung der seit 1978 aufgelegten Weltkarte, den die Münchner Rück jüngst erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Der Inhalt dieser aufwändig produzierten, zweisprachigen interaktiven Software auf DVD soll Wirtschaftsunternehmen jeglicher Art eine nie gekannte detaillierte Risikoanalyse ermöglichen.

Mit der Erdkugel aus der Satellitenperspektive im Zentrum erinnert der Begrüßungsbildschirm ebenso an Google Earth, wie Navigation und Handling des Programms. So erlaubt etwa eine Suchfunktion, Städte und größere Orte überall auf der Welt direkt anzufliegen. Über das Themen-Panel lassen sich eine Vielzahl von Gefahren- und Klimakarten über das gewählte Ziel aufrufen. Ein Hazard-Pointer sorgt für eine punktgenaue Darstellung lokaler Naturgefahren. Im dazugehörigen Katastrophenkatalog sind sämtliche Schadensereignisse der vergangenen Jahrhunderte erfasst. Ihre Bilanzen lassen sich per Mausklick auf entsprechende Symbole auf der Landkarte abrufen.

Die Software erweist sich über weite Strecken zudem als nützliches lexikalisches Nachschlagewerk. Es liefert umfangreiche Informationen zu besonders auffälligen Klimaphänomenen wie El Niño oder La Niña, zu sämtlichen Megastädten der Welt oder zu den gebräuchlichsten Skalen und Maßeinheiten von Naturerscheinungen wie Winden oder Beben. Links führen in den Bereich Geowissen, das sich einzelnen Naturgefahren und Klimaeffekten wie Erdbeben, Vulkanen, Tsunamis, tropischen Stürmen, Winterstürmen, Unwettern und Regionalen Stürmen, Überschwemmungen, Sturmfluten, Wellen und Eisbergen oder so genannten Massenbewegungen widmet. Ergänzt und veranschaulicht werden die größtenteils leicht verständlichen Texte durch zahlreiche Fotos, Videos und Animationen sowie ein Glossar, das die verwendeten Fachbegriffe erläutert.

Objektives Bild der Gefährdung

Köln nach dem Wintersturm Kyrill 2007; © Munich ReAn wen sich die Software in erster Linie richtet, wird bei den Erläuterungen zu den Naturgefahren deutlich, die sich in der Präsentation am Vorbild der in der IT üblichen FAQs (Frequently Asked Questions) orientiert: „Wie sind Erdbeben versicherbar?“, „Welches Schadenpotenzial haben Vulkanausbrüche?“, „Welches Phänomen tritt oft bei der Versicherung gegen Überschwemmungen auf?“, „Sind Setzungen (Subsidence) ein relevantes Thema für die Versicherung?“

Am Beispiel der „Erdbeben“ lesen sich die Antworten etwa folgendermaßen: „Für die Versicherungswirtschaft erweist sich die mögliche Schadenakkumulierung, die die Gefahr des wirtschaftlichen Ruins einschließt, in Gebieten hoher Werte- und Versicherungsdichte bei gleichzeitig hoher Gefährdung als zentrales Problem. Umso wichtiger ist es, ein objektives Bild der Gefährdung zu gewinnen. Nur auf dieser Grundlage können die richtigen Vorsorgemaßnahmen eingeleitet werden.“ Dazu muss man wissen, dass Erdbebenversicherungen in der Regel als Zusatz zu Brandversicherungen oder als Bestandteil so genannter „Extended Coverage Policen“ angeboten werden. Voraussetzung für ihre Versicherbarkeit sind beträchtliche „Selbstbehalte“. Das sind finanzielle Selbstbeteiligungen, die die Versicherten im Schadensfall aus eigener Tasche bezahlen müssen.

„Risiko und Chance zugleich“

Hurrikan Ike 2008; © Munich ReAlles in allem ist der Globus der Naturgefahren ein weiterer innovativer Baustein des umfangreichen Serviceangebots, das Georisikoforscher im Auftrag der Münchner Rück als Instrumente für externes Risikomanagement erarbeitet haben. Dazu gehören unter anderem auch: der NatCat Service2, die weltweit umfangreichste Datenbank für Naturkatastrophen, die seit 1974 Jahr für Jahr mehr als 700 Elementarschadensereignisse dokumentiert und analysiert, die Online-Plattform NATHAN, die nach Ländern geordnet umfassende Informationen zu aktuellen Naturgefahren und historischen Katastrophen bereithält, darunter eine Datenbank mit 800.000 Orten, Städten und urbanen Ballungsräumen sowie der GlobalLocationFinder, ein so genannter Geokodierungsservice zur adressgenauen Verortung von Einzelrisiken.

Und schließlich gibt es da noch den CatLossEstimation Service, der beispielsweise nach einem Unwetter in weniger als 48 Stunden den Schaden bilanziert und eine Prognose der zu erwartenden finanziellen Belastungen für die Portfolios der Erstversicherer abgibt. Information ist in der Versicherungswirtschaft alles. Denn wie heißt es so schön im Kapitel Versicherung und Klimawandel?: „Die globale Erwärmung ist für die Versicherungen Risiko und Chance zugleich. (…) Auf die Versicherungswirtschaft kommen steigende Schadenbelastungen zu. Gleichzeitig ist aber mit einem höheren Absicherungsbedarf zu rechnen.“

Roland Detsch
arbeitet als Freier Redakteur, Journalist und Autor in Landshut und München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2009

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