Ilija Trojanow

Einige vorläufige Überlegungen zur literarischen Formung der Antarktis

© Kristan Hutchison, Lizenz: Creative CommonsEs begann mit einem Traum. Oder eher einem Alptraum. Ein Mann steht neben einem Gletscher, der nicht mehr existiert. Der Mann ist Glaziologe. Er hat vor kurzem das Objekt seiner Wissenschaft und Leidenschaft verloren. Der Mann kann damit nicht umgehen. Er sucht Erlösung an jenem Ort, wo das Eis noch nicht verletzt ist, in der Antarktis. Er heuert auf Kreuzfahrtschiffen an, als Lektor, als Fachmann, als Expeditionsleiter, als Führer. So sehr ihn die Unberührtheit der Antarktis beseelt, so sehr bekümmert sie ihn, denn er weiß, wie ihr geschehen wird, wenn der Mensch sich ihrer bemächtigt. Diese Vorstellung kann er eines Tages nicht mehr ertragen. Er muss verhindern, dass die Menschen weiter in die Antarktis eindringen.

Es ist einfach, eine Idee zu haben. Es ist nicht so schwer, sie mit den Realitäten abzugleichen, sie mit Plausibilität und Glaubwürdigkeit einzufärben. Größere Schwierigkeiten tauchen auf, wenn man sie umzusetzen beginnt. Beim Schreiben verfertigen sich nicht nur die Gedanken, es reifen auch die Probleme. Wie schreibt man über die Antarktis, einem Ort, den man nur im Vorbeigehen besuchen kann? Wie schreibt man frei von Vorbildern? Wie schreibt man über die letzte Terra Nulius, einem Land, das zu keinem Staat gehört und von niemandem bewohnt wird? Mehr ...
Thingvellir Nationalpark, Island. Foto: Charlotte Collins © Goethe-Institut

Ist der Klimawandel ein Thema für die Literatur?
Über mein Buch EisTau

Obwohl der Klimawandel eines der dringendsten Probleme der Gegenwart ist, gibt es nur wenige literarische Auseinandersetzungen mit diesem Thema. Eine Ausnahme bildet Ilija Trojanows Roman EisTau. Im folgenden Text erläutert der Autor, warum er sich dieses Themas angenommen hat. Von Ilija TrojanowMehr ...

Biografie

© Peter-Andreas Hassiepen
Ilija Trojanow (*1965 in Sofia/ Bulgarien) ist deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Verleger bulgarischer Abstammung. Zwischen 1971 und 1984 lebte er in Deutschland, Kenia und Nairobi, von 1984 bis 1989 studierte er Jura und Ethnologie in München. 1998 übersiedelte er nach Mumbai, von 2003 bis 2007 lebte er in Kapstadt. In den 1990er Jahren verfasste Trojanow Sachbücher und Reiseführer über Afrika. 1996 erschien sein erster Roman Die Welt ist groß und Rettung lauert überall. Für Der Weltensammler erhielt er 2006 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2009 veröffentlichte er mit Juli Zeh Angriff auf die Freiheit zum Thema Überwachungsstaat. Ilija Trojanow hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u. a. den Mainzer Stadtschreiberpreis 2007 und den Würth-Preis für Europäische Literatur 2010.