Paris 2015

Place To B – Ein Treffpunkt für Kunst und Medien während der Klimakonferenz

Pflanzen-Fresko im Place To B | Foto: Marine Leduc

Während der 21. UN-Klimakonferenz will Place To B im Herzen von Paris die Weichen neu stellen: Durch die Zusammenarbeit von Journalisten, Künstlern und Experten aus aller Welt soll eine neue Klima-Botschaft entstehen.

„Es ist ein Nest, in das jeder ein Ei legen kann“, so Rob Hopkins über Place To B. Der Begründer der Transition-Towns-Bewegung könnte die temporäre Werkstatt zweihundert Meter vom Gare du Nord nicht besser beschreiben. Für zwei Wochen haben sich die Jugendherberge St Christopher’s Inns und die Bar Belushi’s in eine Unterkunft, einen Coworking Space sowie Konferenz- und Konzertsäle für hunderte Journalisten, Träumer, NGO-Vertreter und Künstler verwandelt, die zur 21. UN-Klimakonferenz (Conference of the parties) gekommen sind, besonders von Seiten der Zivilgesellschaft.

Die Idee für einen solchen Ort kam der Journalistin und Bloggerin Anne-Sophie Novel nach ihren Erfahrungen bei der 15. UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen. Dort war sie auf ein Netzwerk von Bloggern und Aktivisten mitten in der Innenstadt gestoßen: „Es herrschte eine lockere Atmosphäre, wir haben uns darüber ausgetauscht, was passierte. Als Journalistin fiel mir auf, wie schwer es ist, Botschaften und Lösungen weiterzugeben. Es ist ein heikles Thema, das die Leute abschreckt.“

Die Klimadiskussion beleben

Mit Place To B entstehen neue Perspektiven auf die Bedeutung des Klimawandels, neue Möglichkeiten, die Bevölkerung zu sensibilisieren und zu zeigen, wie jeder auf seine Weise in seinem Umfeld etwas bewirken kann. „Jeder soll sehen, dass nicht nur Männer in Anzug und Krawatte an der Klimakonferenz teilnehmen. Die Kreativen werden aktiv“, erklärt Natacha Bigan, eine Grafikerin aus dem Team von Place To B. Sie arbeitete mehrere Jahre für eine Agentur und machte sich dann selbstständig, um sich auf Projekte im Bereich Ökologie und Artenschutz zu konzentrieren. „Künstler spielen eine wichtige Rolle, da sie das Thema mit originellen Mitteln eben anders aufbereiten“, fügt sie hinzu.

Zu diesem Anlass wurden die Räumlichkeiten ganz neu gestaltet, mit einem riesigen Pflanzen-Fresko und Holztafeln an den Wänden. Dort können sich die Bewohner austauschen, Plakate aufhängen, etwas zeichnen, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Mit jedem Tag füllen sich die verschiedenen Säle mit weiteren Postern, Skizzen und anderen bunten Aushängen.

In einem der Räume neben der Bar befindet sich die Creative Factory. Alle zwei Tage beschäftigen sich Künstler, Journalisten und Experten mit einem Thema im Zusammenhang mit dem Klimawandel und entwickeln Projekte und künstlerische Darstellungen. Die Creative Factory wurde von der Organisation Forever Swarm speziell für Place To B entworfen.

„Die Leute haben es satt, immer Eisbären und Blätter zu sehen, wenn es ums Klima geht. Damit erreicht man niemanden, der noch nicht ‚überzeugt‘ ist“, erklärt der australisch-britische Musiker David Holyoake, der die Initiative zusammen mit Chris Aldhous gründete. „Man muss andere Wege finden, um die Leute an das Thema heranzuführen, und das geht am besten, indem man ihnen die Folgen des Klimawandels für ihren Alltag zeigt.“

Die Rolle der Kunst neu definieren

Für David kann das Problem der Kommunikation über den Klimawandel nicht ohne Kunst und Kultur gelöst werden: „Was ist heute der große Traum? Es gibt keinen. Wir müssen ihn erschaffen. Für eine bessere Zukunft sind bessere Träume nötig. Wir brauchen die Künstler, um diese große neue Vision der Welt zu konstruieren. Hier haben die Leute Gelegenheit, gemeinsam zu arbeiten und zu träumen.“

In der Creative Factory kann jeder seine Kreativität und seine Fähigkeiten für ein Gemeinschaftsprojekt einsetzen. Daraus entstehen verschiedene Initiativen wie Kampagnen, mobile Apps oder Kunstaktionen, die verbreitet werden können.

Für Scott Shigeoka, einen Teilnehmer der Creative Factory, hätte es nicht besser laufen können: „Ich wollte zur Klimakonferenz kommen und mich an einem Kunstprojekt beteiligen. Dieser Ort ist perfekt für mich.“ Der hawaiianische Schriftsteller betont die Verschiedenheit der Teilnehmer: „Hier gibt es nicht nur eine neue Generation, sondern Leute jeden Alters, aus diversen Ländern, mit unterschiedlichen Geschichten und Lebenswegen. Das ist einzigartig.“

Wie kann ich mich als Künstler einbringen? Diese Frage stellte sich David, bevor er Forever Swarm gründete. Keine leichte Aufgabe. Und Natacha erinnert: „Es ist immer schwer für einen Künstler, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und dabei seinen Überzeugungen treu zu bleiben.“ Doch ihre Karriere beweist, dass es nicht unmöglich ist: „Die Kunden kontaktieren mich, weil ich – im Gegensatz zu großen Kommunikationsagenturen, die auch für Konzerne arbeiten – nur Umweltprojekte übernehme, und vor allem, weil ich mich mit dem Thema auskenne.“

Und danach?

Genau das will Place To B beweisen: Die Zukunft liegt in einer anderen Vision der Welt, der Wirtschaft, der Bildung und der Kunst. Die Teilnehmer sind voller Energie und Motivation für das Kommende, für eine Zukunft, die nicht katastrophal ist, sondern optimistisch und vor allem möglich.

Das Abenteuer ist am 12. Dezember 2015 nicht zu Ende. David hat vor, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, um bestimmte Projekte umzusetzen, die in der Creative Factory angestoßen wurden. Anne-Sophie Novel hingegen denkt an eine Fortsetzung von Place To B: „Wir werden Ideen sammeln, überlegen, wie eine Fortsetzung bei weiteren Klimakonferenzen aussehen kann, und ob wir eine größere Gemeinschaft gründen und zu ihr gehören wollen. Denn das hier ist wie ein Zuhause, wie ein Nest.“ Ein Nest, das man nicht mehr verlassen will.

Marine Leduc
studierte Europäischen Journalismus (Master) an der Universität Sorbonne-Nouvelle – Paris 3 und arbeitet als freie Journalistin in Frankreich.

Übersetzung: Marion Herbert
Copyright: Goethe-Institut Frankreich
Dezember 2015

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