Klima und Kultur – Künste

Grüne Suchmaschine – Ecosia schützt den Regenwald

Die Suchmaschine Ecosia; © ecosia.org


Einen Großteil ihrer Einnahmen spenden die Betreiber der Suchmaschine Ecosia an ein Aufforstungsprojekt in Brasilien. Eine gute Idee – die aber auch kritisiert wird. Shannon Smith, Mitglied des Ecosia-Gründungsteams, im Interview.

Frau Smith, Ende 2009 startete Ecosia.org. Damals war der Suchmaschinengigant Google schon mehr als zehn Jahre online. Wie kamen Sie darauf, bei dieser Konkurrenz eine eigene Suchmaschine zu gründen?

Vielleicht muss man zuerst sagen, dass wir anders arbeiten als Google. Wir durchsuchen das Internet nicht selbst. Die Ergebnisse, die bei uns angezeigt werden, stammen von unseren Kooperationspartnern Yahoo und Bing.

Aber trotzdem unterscheiden Sie sich von solchen konventionellen Suchmaschinen.

Ja, denn die Einnahmen unserer Website fließen zu einem großen Anteil in Umweltprojekte. Die Idee dazu hatte unser Geschäftsführer Christian Kroll auf einer Weltreise. Er machte gerade in Nepal Station und gründete dort seine erste Suchmaschine. Mit dem Geld wollte er damals gemeinnützige Projekte in der Hauptstadt Katmandu unterstützen.

Ecosia wurde in Nepal gegründet?

Nein. Die Suchmaschine, die er dort startete, gibt es nicht mehr. Die Arbeit in Katmandu war schwierig. Dort fiel ständig der Strom aus. In Argentinien, einer weiteren Station auf der Weltreise, hat er dann eine zweite Suchmaschine gegründet – auch noch nicht Ecosia. Sie basierte auf der Google-Suche. Allerdings stieg Google nach wenigen Tagen aus.

Mit welcher Begründung?

Der Vorwurf war, dass die Seite das Suchergebnis durch gefälschte Klicks verzerre – unsere Nutzer also Werbung nur anklickten, um die Spendensumme nach oben zu treiben. Dazu muss man aber sagen, dass es eine Software gibt, die solche Nutzer herausfiltern kann. Eine richtige Begründung gab es von Google also nicht. Nachdem Christian dann von seiner Weltreise zurückgekommen war, gründete er Ecosia mit Firmensitz in Berlin. Wenig später stieg ich ein.

Wie verdienen Sie Geld?

So wie alle anderen Suchmaschinen auch: durch Werbung. Zwischen den Suchergebnissen sind Anzeigen platziert. Klicken Nutzer darauf, bekommen Yahoo und Bing Geld. Ein Teil davon wird an uns ausgezahlt. Außerdem bieten wir noch spezielle Links an, sogenannte EcoLinks. Diese führen zu Verkaufsseiten. Wenn ein Nutzer über uns auf eine solche Seite kommt und dort etwas bestellt, bekommen wir eine Provision.

„Alle 28 Sekunden ein Baum“

Und wie wird das Geld dann weiter verteilt?

20 Prozent der Erlöse bleiben bei Ecosia. Der Rest fließt momentan an das Plant A Billion Trees-Programm unseres Partners The Nature Conservancy. Im April 2014 waren das zum Beispiel 110.000 Euro. Ziel des Projekts ist die Aufforstung des Atlantischen Regenwalds in Brasilien. Mit dem Beitrag von Ecosia kann dort derzeit statistisch alle 28 Sekunden ein Baum gepflanzt werden.

Aber ist die Rechnung denn so einfach? Kritiker werfen Ecosia Betrug vor und sagen, dass Sie unter dem Deckmantel des Umweltschutzes Geld verdienen.

Die Rechnung mit dem Bäumen stimmt und das Geld kommt auch bei den Projekten an. Wir müssen aber daran arbeiten, das Programm in Brasilien noch erlebbarer zu machen, also den Nutzern zu zeigen, was dort genau getan wird. Ansonsten bemühen wir uns um größtmögliche Transparenz. Wir weisen zum Beispiel jeden Monat die Spendensummen genau aus und begleiten das Projekt seit kurzem auf unserem Blog.

„Die Server laufen mit grüner Energie“

Die Kritiker gehen noch weiter und sagen, der Ansatz von Ecosia sei falsch. Suchmaschinen könnten gar nicht umweltfreundlich sein. Die Server, über die die Suchen laufen, verbrauchen extrem viel Strom. Dadurch werde Kohlendioxid ausgestoßen, was wiederum umweltschädlich sei.

Das ist uns bewusst und deswegen versuchen wir, zumindest die von uns verursachten Emissionen zu kompensieren. Die Server, auf denen unsere Website läuft, werden ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben. Außerdem unterstützen wir Projekte, die den Ausstoß von Kohlendioxid weltweit verringern.

Und damit gleichen Sie die durch die Suche verursachten Emissionen vollständig aus?

Das wissen wir leider nicht genau. Das Problem ist, dass unsere Partner Yahoo und Bing nicht sagen, wie viel Kohlendioxid bei einem Suchvorgang produziert wird. Wir können deswegen nur hoffen, dass unsere Zertifikate und die Bäume, die durch uns in Brasilien gepflanzt werden, reichen.

Könnte denn Ecosia auf lange Sicht auch ohne Partner arbeiten?

Das ist unser Ziel. Nur kostet es viel Geld, einen eigenen Algorithmus zu entwickeln. Die Ressourcen haben wir gerade nicht. Wir geben ja 80 Prozent der Erlöse ab. Aber wir werden schrittweise versuchen, unabhängiger zu werden.
Julius Lukas
führte das Interview. Er ist freier Journalist in Halle (Saale).

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
November 2014

Haben Sie Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
internet-redaktion@goethe.de
Links zum Thema

Future Perfect

Das Goethe-Institut und die Stiftung Futurzwei sammeln Geschichten für morgen – schon heute, von überall.

EnergieWendeKunst


KünsterInnen machen bei EnergieWendeKunst ihre Ideen zum Klimawandel ästhetisch erfahrbar. Der Katalog erscheint im November 2015.

Global Ideas

GLOBAL IDEAS zeigt Menschen und Projekte, die gegen die globale Klimaerwärmung mobil machen. Reportagen aus allen Teilen der Welt.

Gletschermusik

Wie klingt es, wenn Gletscher schmelzen? Ein Kunstprojekt und ein offener Wettbewerb für Multimediakünstler aus Zentralasien zum Problem der fortschreitenden Gletscherschmelze