Kultur und Klimawandel – Kultur- und Sozialwissenschaften

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Klimawandel – die Revolution im Alltag lässt auf sich warten

Logo Our Common FutureLogo „Our Common Future“Welche Probleme erwarten die Menschen in der Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigten sich auf dem Kongress „Our Common Future“ Anfang November 2010 mehr als 400 Wissenschaftler, Ökonomen, Politiker und Künstler aus aller Welt. Ziel war es, die wichtigsten Herausforderungen zu identifizieren, sie zu analysieren und Lösungswege aufzuzeigen. Ein Themenschwerpunkt: Wie lässt sich dem Klimawandel begegnen?

Der Klimawandel ist das „Ergebnis eines einschneidenden Kulturwandels, nämlich der industriellen Revolution und der Veränderungen in unserer modernen Gesellschaft“, sagt Franz Mauelshagen, der beim Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen den Forschungsschwerpunkt KlimaKultur koordiniert. Jetzt sei ein weiterer kultureller Wandel vonnöten. „Der Klimawandel lässt sich nur verhindern, wenn im Alltagsleben ein grundsätzliches Umdenken stattfindet“, sagt der Historiker.

Teilnehmer; Foto: Stefanie HallbergSich nur auf technologische Lösungen zu verlassen, greife zu kurz. Das meint auch Cornel Zwierlein, Juniorprofessor für Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Den Menschen in den Industrieländern die Folgen ihres Handelns bewusst zu machen, sei allerdings eine Sisyphosarbeit. „Eine Revolution im alltäglichen Handeln und Verbrauchsdenken findet nicht statt.“

Vorhandenes Wissen über den Klimawandel zu sammeln und es zivilen Akteuren weltweit zugänglich zu machen, war Ziel einer Gruppe junger Nachwuchswissenschaftler aus der Metropole Ruhr und dem Ausland, zu denen auch Zwierlein und Mauelshagen gehören. Ein Jahr lang hatten sie im Rahmen des Projekts „Global Young Faculty“ fachübergreifend zum Thema Klimawandel gearbeitet. Ihr Fazit: Nicht ein Mangel an Wissen, sondern Defizite in der Kommunikation, Akzeptanz und Umsetzung dieses Wissens sind das zentrale Problem.

Die Global Young Faculty ist eine Initiative der Stiftung Mercator. Von November 2009 an forschten rund 100 Nachwuchswissenschaftler der Metropole Ruhr gemeinsam mit internationalen Stipendiaten der Volkswagen-Stiftung in interdisziplinären Arbeitsgruppen zu fünf Themenschwerpunkten: Klimawandel und Energie, Zukunftstechnologien, wirtschaftliche Entwicklung und Strukturwandel, Weltgesundheit und Molekularmedizin, Menschenrechte und globale Werte. Der internationale Kongress „Our Common Future“ war Höhepunkt und Abschlussveranstaltung der Global Young Faculty. Er fand vom 2. bis 6. November 2010 in Hannover und Essen statt.

Wissenschaftler setzen auf Fantasie

Teilnehmer; Foto: David Ausserhofer; © Stiftung MercatorWie lassen sich die vielen Gesichter des Klimawandels sowie Strategien zu seiner Minimierung vermitteln, um das Bewusstsein der Menschen zu erhöhen und damit einen wirksamen Beitrag zum dringend notwendigen Kulturwandel zu leisten? Die Nachwuchswissenschaftler aus dem Ruhrgebiet setzten auf Fantasie und Kreativität. Gemeinsam mit den internationalen Fellows arbeiten sie an einer Reihe von Präsentationen, die als „Lectures on Climate Change“ über das Internet und andere Kanäle verbreitet werden können.

Diese Präsentationen sowie Forschungsergebnisse und Kurzfilme sollen bald in einem Google Earth Layer zu sehen sein. Im Rahmen des Projekts kommen Experten und Menschen zu Wort, die bereits handeln und zu Fragen wie diesen Stellung nehmen: Welche Folgen hat der Klimawandel auf die Natur in Brasilien? Wie genau funktioniert der Emissionshandel für CO2? Wie lässt sich fossile Energie effektiver nutzen? Gibt es einen Klimawandel im Ruhrgebiet?

Entwicklungsländer stehen vor völlig anderen Herausforderungen

Franz Mauelshagen; Foto: Simon Bierwald; © Stiftung MercatorAuf dem Kongress „Our Common Future“ hatte die Gruppe Gelegenheit, ihre Arbeitsergebnisse zu präsentieren und mit führenden Persönlichkeiten aus Forschung, Wissenschaft, Politik und Kultur zu diskutieren. Unter den Teilnehmern waren auch Wissenschaftler aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese stünden vor völlig anderen Herausforderungen als die Industrienationen, sagt Mauelshagen, da sie mehr die Folgen des Klimawandels zu spüren bekämen als ihn selbst zu verursachen.

Das Bestreben dieser Länder, am Fortschritt und Wohlstand teilzuhaben, könnte mit dem globalen Ziel, die Biosphäre zu erhalten, kollidieren. Ein Beispiel ist Kroatien. „Bleibt das Land auf dem derzeitigen Stand seiner Emissionen, würde es die Klimaziele 2050 erreichen“, sagt Mauelshagen. Aber Kroatien sei auf dem Weg, eine Industrienation zu werden. Bislang hätten Länder dieses Ziel nur erreicht, wenn mehr Energie, meist in Form fossiler Brennstoffe, verbraucht wurde. Ein anderes Beispiel ist Bangladesch, wo nur eine Minderheit Zugang zu Strom hat. „Das Land hat damit aber auch die Chance, sich unabhängig von fossilen Brennstoffen zu entwickeln, wenn dort direkt alternative Energien wie Solarenergie zur Stromgewinnung genutzt würden“, so Mauelshagen.

Prozesse kulturellen Wandels

Dheeraj Singh; Foto: Stefanie HallbergJede Kultur habe unterschiedliche Ansichten und Ansätze, mit Herausforderungen des Klimawandels umzugehen, meint der indische Agrarwissenschaftler Dheeraj Singh. In Bangladesh hat Dipal Chandra Barua mit seiner Initiative „Grameen Shakti“ bereits mehr als 200.000 kleine Solaranlagen für die Stromversorgung von zwei Millionen Bauern aufgebaut.

Der Ausbau des Hochwasserschutzes an europäischen Küsten, nachhaltiger Konsum oder Energiesparhäuser sind Beispiele aus Industrieländern. Für Mauleshagen ist sicher: „Der Klimawandel wird Auswirkungen auf die vom Mensch gestaltete Umwelt haben.“ Die notwendige Anpassung sei ein Prozess kulturellen Wandels.

Stefanie Hallberg
ist Diplom-Journalistin und arbeitet als freie Autorin, unter anderem für den Westdeutschen Rundfunk, in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
November 2010

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