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Umweltthemen vermitteln lernen: die Internationale Universität

Aktion der Sommeruniversität in Deutschland; © Internationale UniversitätAktion der Sommeruniversität in Deutschland; © Internationale UniversitätDie Internationale Universität schult Akteure aus den Bereichen Umwelt und Medien in audiovisuellen Kommunikationstechniken. Denn Themen wie Umwelt oder Nachhaltigkeit lassen sich nur schwer vermitteln. Bislang haben die Weiterbildungsseminare in Chile und Deutschland stattgefunden, weitere Standorte sollen aber erschlossen werden. Brasilien macht den Anfang.

Eigentlich wollte Kilian Rüfer in die Werbung gehen. Doch richtig glücklich war er mit dieser Entscheidung nicht: „Den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und zweckfreie Arbeiten erledigen, damit fühlte ich mich nicht wohl“, sagt der heute 30-Jährige.

Also schrieb sich Rüfer 2005 nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien noch für ein Bachelor-Studium ein, und zwar für Arboristik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Göttingen. Im Studium geht es um den Schutz von Bäumen in Städten, später machte er noch einen Master im Bereich Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien. So bekam er schnell das Rüstzeug für seinen späteren Beruf.

Teilnehmer der Sommeruniversität in Deutschland; © Internationale UniversitätSchon bald verknüpfte Rüfer sein Medienwissen mit den Inhalten des Faches. Seine Bachelorarbeit schrieb er über Corporate Identity – Ein Profil für den Studiengang Arboristik und dessen Absolventen. Außerdem fing er schon im Studium an, freiberuflich zu arbeiten. Seit vielen Jahren unterstützt er Verbände, Agenturen und Unternehmen aus dem Umweltbereich bei der Kommunikation ihrer Themen, unter anderem die Energieagentur Region Göttingen. Inzwischen kann er davon leben.

Umweltthemen: schwer vermittelbar

Dabei unterstützt hat Rüfer auch ein Seminar der Internationalen Universität. Ins Leben gerufen wurde sie 2004 vom Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung in Berlin und einer chilenischen NGO in Kooperation mit zahlreichen anderen Trägern. Ziel ist, die Teilnehmer in audiovisuellen Kommunikationstechniken zu schulen, damit sie global relevante Umweltthemen über das Internet oder Kurzfilme verbreiten können. Denn das ist noch immer schwierig.

Aktion der Sommeruniversität in Deutschland; © Internationale UniversitätDass sich Umweltthemen nur schwer vermitteln lassen, spürt auch Kilian Rüfer immer wieder: „Über den Klimawandel zum Beispiel machen sich zwar viele Menschen Gedanken. Aber im Prinzip ist er unsichtbar – und welche Konsequenzen drohen, lassen sich heute nur schwer greifen.“ Außerdem müsse man mit vielen Vorurteilen aufräumen und über komplexe Zusammenhänge informieren: „Da muss man schon gut überlegen: Mit welchen Informationen kann es gelingen, dass das Thema den Menschen stärker ins Bewusstsein rückt?"

Teilnehmer erarbeiten eigene Medienkampagnen

Bei Rüfer ging es um Themen wie Energie und den Schutz der Erde, als er 2010 an der Internationalen Sommeruniversität in Mecklenburg-Vorpommern teilnahm. Zusammen mit dem freiberuflichen Filmemacher Ephraim Broschkowski entwickelte sein Team Ideen für Kurzfilme, die sie später auch umsetzten. Für einen Film zum Thema Die Erde hat Fieber übernahm er zusammen mit einer anderen Teilnehmerin die Rolle des Produzenten. Der Film stellt die Frage, ob wir eine Lösung für den Klimawandel finden – oder ob wir diese Frage unseren Kindern überlassen wollen.

Im Film heilen Kinder die Erde auf ihre Weise: Sie simulieren Krankheiten, sammeln die Pillen und Tropfen, die sie von ihren Eltern bekommen – und cremen am Ende einen Baum mit einem Erkältungsbalsam ein. „Den Film zu machen, war die wertvollste Erfahrung des ganzen Seminars", sagt Kilian Rüfer: „vor allem, weil wir so wenig Zeit für die Umsetzung hatten“.

„Die Erde hat Fieber“ – Internationale Sommeruniversität Mecklenburg, 2010

Neue Angebote entstehen

Die Erfahrungen aus den Weiterbildungsseminaren in Deutschland und Chile sollen jetzt noch auf weitere Standorte übertragen werden. Seit 2011 findet die erste Internationale Sommeruniversität in Brasilien statt. Sie richtet sich an Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Disziplinen: an Journalisten, Mitarbeiter von NGOs, der Wirtschaft oder staatlichen Institutionen. Wie überall wird eine zweiwöchige Präsenzphase umrandet von zwei E-Learning-Phasen.

Michael Greif; © privatUm die Umsetzung in Brasilien kümmert sich in Kooperation mit dem Kolleg die deutsche NGO Ecomove International, die sich schon lange im Bereich der Umweltbildung engagiert; seit einigen Jahren hat sie auch einen Schwerpunkt in Brasilien: „Die Idee, das Konzept noch auf weitere Länder zu übertragen, gibt es schon länger", sagt Ecomove-Mitgeschäftsführer Michael Greif, „immer angepasst an die Themen, die gerade in dem Land von Bedeutung sind“.

Während der E-Learning-Phase beschäftigten sich die Teilnehmer zum Beispiel mit Fragen der Zukunft: Wie könnte Brasilien im Jahr 2050 aussehen? Und was müsste heute getan werden, um dieses Ziel zu erreichen? „In Kleingruppen schreiben die Teilnehmer dazu zum Beispiel einen Text und veröffentlichen ihn in einem Blog“, erklärt Greif. So sollen neue Plattformen entstehen, die Menschen über die dringenden Probleme der Gegenwart informieren. In Brasilien ist das zum Beispiel die Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet, aber auch die zunehmende Kritik an einem sich in Brasilien durchsetzenden westlichen Konsumstil.

„Up de bank“ – Internationalen Sommeruniversität Mecklenburg, 2010

Automatisch entstehen neue Netzwerke

Während der zweiwöchigen Präsenzphase im Goethe-Institut in São Paulo bekommen die Teilnehmer dann zunächst weiteren inhaltlichen Input: Was bedeutet Nachhaltigkeit? Was passiert beim Klimawandel? In der zweiten Woche werden eigene Konzepte umgesetzt: „Immer geht es um die Frage, wie sich ein Thema kommunizieren lässt und wen genau man ansprechen möchte“, erklärt Michael Greif. Der Fokus liegt dabei auf Kurzfilmen und Internetkampagnen.

Aktion der Sommeruniversität in Deutschland; © Internationale Universität

Und noch etwas anderes passiert bei den Sommeruniversitäten: Am Ende entstehen neue Netzwerke, bei denen die Akteure vom Wissen der anderen profitieren können. Im Fall von Kilian Rüfer ist sogar ein Alumni-Netzwerk entstanden, das sich gemeinsam in der Öffentlichkeit präsentiert: „So gelingt es leichter, neue Projekte zu initiieren.“

Die Internationale Universität versteht sich als audiovisuelle Kommunikationsschule. Die Seminare wurden zunächst in Chile angeboten, seit drei Jahren auch in Deutschland. Seit 2011 findet die Internationale Sommeruniversität in Brasilien statt. Themenschwerpunkte sind Klimawandel, Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz. Angesprochen werden sollen Personen aus den Bereichen Umwelt, Film und Medien – zum Beispiel Mitarbeiter von NGOs, der Wirtschaft oder staatlichen Institutionen der jeweiligen Länder. Das Seminar dauert insgesamt fünf Monate. Eine zweiwöchige Präsenzphase wird umrandet von zwei E-Learning-Phasen, in denen die Teilnehmer inhaltlich vorbereitet werden und neue Kommunikationsplattformen testen.
Britta Mersch
arbeitet als freie Bildungsjournalistin, Dozentin und Moderatorin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Januar 2012

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