Bel3arabi: Theaterstücke aus Deutschland


Neun Übersetzungen deutscher Theaterstücke eröffnen einem arabischsprachigen Publikum zeitgenössische Werke für Jugendliche und Erwachsene.
Deutsche Theaterkunst auf arabischen Bühnen: Dieses Ziel fördern die
Aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten die Stücke Themen wie Identität und Identitätsfindung, familiären Zusammenhalt und familiäre Krise, Gesellschaft und Individuum, Arbeit und Freizeit, Fremdheit und Vertrautheit. Sie erschließen damit nicht nur ein Stück moderner deutscher Theaterkultur für einen Kreis arabischsprachiger Rezipienten, sondern eröffnen im Sinne des Kulturdialogs auch ein Fenster in deutsche Denk- und Lebenswelten:
In Sibylle Bergs Stück „Hauptsache Arbeit“ kämpft die Belegschaft einer großen Firma im Angesicht der Rationalisierung untereinander um die kostbaren verbleibenden Arbeitsplätze. Die vier Freunde in Ewald Palmetshofers „Hamlet ist tot. Keine Schwerkraft“ setzten sich mit dem Auseinander, was das Leben von ihren ursprünglichen Freundschaften und Beziehungen übriggelassen hat. Und auch Nis-Momme Stockmanns Protagonist in dem Stück „Der Mann, der die Welt ass“ hat es nicht leicht mit einem Schicksal, das von seinem erfolgreichen Leben nur die konfliktgeladenen Beziehungen zum dementen Vater und dem kranken Bruder übriglassen.
Familienbeziehungen sind es oft auch, die die Akteure der Jugendstücke in Atem halten. In Katja Hensels Stück „Ich (15) Stress“ bekommt es eine Jugendliche beim Versuch, sich die Erlaubnis für einen Konzertbesuch zu sichern, mit unterschiedlichen Elternkonstellationen zu tun. So spielt sie sich nach und nach durch die gesamte Bandbreite gesellschaftlicher Umgangsformen. Jörg Menke-Peitzmeyer thematisiert dagegen in seinem Werk „Ich bin ein guter Vater“ eine Vater-Sohn-Beziehung, die unter den Ansprüchen des Alltags auf ein Minimum zusammengeschmolzen ist. Und in dem Stück „Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ desselben Autors ist es die Protagonistin Chrissi, die sich von ihren Kontakten abkapselt und stattdessen nur noch im Rausch ihrer Fußball-Fangemeinde lebt. Erkaltet ist auch die Vater-Sohn-Beziehung in Anne Habermehls Theaterstück „Letztes Territorium“, dessen Akteure jedoch aus ihrer Erstarrung gerissen werden, als sich der illegale Einwanderer Mehdi in ihr Leben schiebt.
Im Kontrast zu all diesen realistischen Schauplätzen begeben sich die Stücke „Vampiru“ (Katja Hensel) und „Die besseren Wälder“ (Martin Baltscheid) auf beinahe phantastisches Territorium. „Vampiru“ erzählt von vier Jugendlichen auf dem Weg zum Schloss des Grafen Dracula, die im rumänisch-bulgarischen Grenzland hängenbleiben und dabei ihre eigenen Grenzerfahrungen machen. In „Die besseren Wälder“ ist es dagegen nicht die Szenerie, die im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaft anmutet, es sind die Personen: Allen voran der Protagonist, als junger Wolf von Schafseltern adoptiert und als Grenzgänger zwischen den Spezies auf der Suche nach seiner Identität.
Die Übersetzungen sind in Bänden zu je drei Stücken über das
© Goethe-Institut Alexandria
Mai 2012







