Große Herausforderung, noch größere Chance

Im Mai 2013 besuchten die ersten emiratischen Studenten der neugeschaffenen Deutsch-Emiratischen Hochschule für Logistik an den Higher Colleges of Technology - Abu Dhabi Men's College im Rahmen einer einwöchigen Studienreise ihre drei deutschen Partneruniversitäten.
Die Idee zur Schaffung der Deutsch-Emiratischen Hochschule für Logistik geht bereits auf den Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jahr 2010 zurück. Während ihres Besuchs in Abu Dhabi unterzeichneten Prof. Laszlo Ungvari, Präsident der Technischen Hochschule Wildau, und SH Scheich Nahyan Bin Mubarak Al Nahyan, damals Minister für Höhere Bildung und Forschung, eine gemeinsame Absichtserklärung zur Schaffung dieser deutsch-emiratischen Hochschule. Von deutscher Seite wird die Universität von der Deutschen Botschaft der VAE, dem Deutschen Akademischen Auslandsdienst und der Deutschen Außenhandelskammer unterstützt.
Im September 2012 konnten schließlich die ersten Studenten ihr Studium an der Hochschule, welche am Higher Colleges of Technology - Abu Dhabi Men's College angesiedelt ist, aufnehmen. Teil des Programms sind neben Kursen in Abu Dhabi aud ein sechsmonatiges praktisches Training in emiratischen und internationalen Firmen sowie ein Auslandssemester an einer der drei deutschen Partneruniversitäten: die Technische Hochschule Wildau, die Jade Hochschule und hier insbesondere die Abteilung für Nautik in Elsfleth sowie die Hochschule Bremen.
Faisal Alhamoudi, der bereits einen Abschluss als Bauingenieur hat und für die Abu Dhabi Sewage Service Company arbeitet, ist davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung war, sich für das deutsch-emiratische Programm für Logistik einzuschreiben. „Logistik wird in der Zukunft des Emirats Abu Dhabi als regionale Drehscheibe eine wichtige Rolle spielen. Und da ich einer der ersten Studenten in den VAE bin, die sich in dieses Programm eingeschrieben haben, werde ich nach meinem Abschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.“
Für Mohammed Hamed Al Faisali war die Entscheidung für den Studiengang am Anfang nicht so klar. Der Studienberater am Higher Colleges of Technology schlug ihm dieses Programm in Logistik vor. Und Mohammed, der für die Abu Dhabi Ship Building Company arbeitet, hat seine Entscheidung dafür bislang nicht bereut. „Mein Ziel ist es, mich im Bereich des maritimen Managements fortzubilden, und dieses Programm ist dafür eine sehr gute Möglichkeit. Logistik ist ein wichtiger Baustein für die Vision des Emirats Abu Dhabi für 2030 und ich kann nur jedem, der sich für diesen Bereich interessiert, empfehlen, sich für dieses Programm einzuschreiben.“
Nachdem die ersten zwölf emiratischen Studenten bereits zwei Semester am Abu Dhabi Campus absolviert hatten, machten sie sich zu einem einwöchigem Orientierungsbesuch nach Deutschland auf, um das Studium dort und das deutsche Studentenleben zu erkunden. Vadim Malyshev, der das Projekt der Deutsch-Emiratischen Hochschule für Logistik leitet, erklärt, warum dieser Besuch der deutschen Partneruniversitäten für das Programm so wichtig war: „Wir wollten unseren Studenten die Möglichkeit geben, alle drei deutschen Partneruniversitäten zu besuchen und die verschiedenen Studienfelder kennenzulernen, für die sie sich spezialisieren können. Während ihres Aufenthaltes konnten sie einen besseren Einblick in die Ausstattungen der Universitäten bekommen, deutsche Studenten und Professoren kennenlernen und auch, wie das Fach in Deutschland unterrichtet wird.“ Und Mohammed Blaik, Koordinator für Marketing, Medien & Alumni am Abu Dhabi Men’s College, der die Studenten bei ihrer Reise begleitete, betont: „Die Reise war auch eine Motivationsreise, die die Studenten mit der deutschen Kultur und der deutschen Sprache in Berührung bringen sollte. Darüberhinaus sollten sie auch die Orte kennenlernen, wo sie ein Jahr lang studieren und leben werden: die Hochschulen in Wildau, Bremen oder Jade. Die Studenten des Abu Dhabi Men’s College nahmen dort gemeinsam mit deutschen Studenten am Unterricht teil. Eine wirklich großartige Erfahrung für sie.“
Aber die emiratischen Studenten hatten nicht nur die Möglichkeit Vorlesungen zu besuchen, sondern konnten zudem auch in verschiedenen Exkursionen ihr Studienfach weiter vertiefen. „Wir hatten zum Beispiel die Möglichkeit, alle Stufen zu sehen, die notwendig sind, um Milch von den Bauern bis in den Supermarkt zu transportieren“, erklärt Faisal. Und Mohammed ergänzt: „Und wir haben das Nordseeterminal in Bremerhafen besucht, wo wir sehen konnten, wie der Hafen als solcher funktioniert und wie das Transshipment in einen so großen Hafen organisiert ist.“
Für Faisal und Mohammed war es ihr erster Deutschlandaufenthalt, den sie beide sehr genossen haben. Dies auch auf Grund verschiedener Freizeitaktivitäten, die sie mit Studenten der Partneruniversitäten zusammengebracht haben und sie mit dem deutschen Studentenleben bekannt machten. An der Jade Hochschule nahmen sie an einem Fußballspiel teil und organisieren ein Grillfest zusammen. „Wir sind alle zusammen für das Grillfest einkaufen gegangen und haben dann die Rechnung geteilt“, betont der Emirati Mohammed, für den diese Idee sehr ungewöhnlich ist.
Für beide Studenten stellt es einen großen Vorteil des Programms dar, dass sie sowohl in den Vereinigten Arabischen Emiraten als auch in Deutschland Erfahrungen sammeln. Studenten, die das vierjährige Bachelorprogramm abschließen, erhalten ein Doppeldiplom und werden somit sowohl in den Vereinigten Arabischen Emiraten als auch in Deutschland als Bachelor of Engineering in Logistik anerkannt. Aber Mohammed erklärt auch, dass es für manche Studenten schwierig ist, für ein ganzes Semester die Emirate verlassen zu müssen, um das Programm abzuschließen. „Viele von uns sind schon verheiratet und haben Familie. Andere werden das Programm nicht abschließen können, weil ihr Arbeitgeber sie nicht für ein ganzes Semester von der Arbeit freistellen wird.“ Dennoch freut er sich auf sein Austauschsemenster, das er voraussichtlich an der Jade Hochschule absolvieren wird.
Und Faisal ergänzt, „Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir viel Deutsch lernen, bevor wir nach Deutschland gehen. Die Vorlesungen werden auf Deutsch sein und auch im Alltag ist es nicht einfach, klar zu kommen, ohne die Sprache zu sprechen.“ Die Universität hat bereits auf diesen Bedarf reagiert und wird ab September 2013 Deutsch als Teil des Studienprogramms einführen. Und während Mohammed und Faisal dann anfangen, Deutsch zu pauken, öffnet die Deutsch-Emiratische Hochschule für Logistik ihre Pforten für eine neue Gruppe von Studierenden.
Juli 2013




