Ein pakistanischer Kurator in Deutschland

Umer Butt ist Begründer und Leiter der Dubaier Galerie GREY NOISE. Im Rahmen der Art Dubai 2013 wurde die Galerie mit dem John Jones Art on Paper Award ausgezeichnet. Das Goethe-Institut Golf-Region kooperierte 2012 mit Grey Noise und unterstützte die Ausstellung “House of Cards” mit Arbeiten ausgewählter Berliner Künstler.
Im Frühjahr 2013 wurde Umer Butt ausgewählt, um am Internationalen Besucherprogramm “Temporary Gallery – Galleries in North Rhine-Westphalia” teilzunehmen, das vom des NRW-Kultursekretariat ausgeschrieben worden war. Mit dem Goethe-Institut sprach er nach seiner Reise über seine Eindrücke.
Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von der Einladung erfahren haben?
Ich habe die E-Mail des NRW- Kultursekretariats während der Art Dubai 2013 erhalten. Ich musste sie mehrmals lesen bis ich verstanden habe, dass es sich um eine offizielle Einladung und eine fantastische Gelegenheit handelt. Ich fühlte mich aufgeregt und geehrt, dass ich für dieses interessante Programm ausgewählt wurde. Und es hat sich wirklich gelohnt!
Sie haben eine spezielle Beziehung zur deutschen Kunstszene. Wann hat diese Beziehung begonnen und wann sind Sie zum ersten Mal in Kontakt mit deutschen Künstlern gekommen?
Das war im Juni 2009. Ich fuhr nach Berlin. Ich hatte so viel über diese Stadt gehört und darüber, dass sie als „Brutstätte“ für Künstler und Studios gilt. Oft hört man Kollegen sagen „Ich komme gerade von einem Studiobesuch bei einem Künstler in Berlin“. Als ich in Tegel landete, habe ich mich sofort zu Hause gefühlt. Die Größe der Stadt, die Ausstrahlung der Menschen… alles hat gleich Klick gemacht.
Dann habe ich mich mehr mit der deutschen Kunstszene beschäftigt. Kathrin Becker vom Neuen Berliner Kunstverein stellte mir den jungen deutschen Kurator Viktor Neumann vor. Ich habe ihn getroffen und wusste bereits nach zehn Minuten, dass er eine Ausstellung in meiner Galerie kuratieren würde. Er schickte mir Portfolios von interessanten Berliner Künstlern, aus denen wir drei deutsche und einen italienischen Künstler ausgewählt haben.
In Nordrhein-Westfalen haben Sie die Art Cologne sowie verschiedene Galerien besucht. Was waren die Höhepunkte der Reise?
Das vom NRW-Kultursekretariat organisierte Programm war brillant. Mein persönliches Highlight aber war Aachen: die gut kuratierte Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) und die exquisite Sammlung des Ludwig Forums. Die Sammlungen der Museen zeitgenössischer Kunst in Köln und Düsseldorf haben mir zusätzlich einen Eindruck von der langen Geschichte des Kunsthandels in der Region vermittelt.
Ich bin nach dem Besucherprogramm noch in Deutschland geblieben, um die Art Cologne zu besuchen. Diese Messe, die eine der ersten Kunstmessen war, ist eine wahre Institution. Bis heute wird hier die Tradition des Kunsthandels mit moderner und zeitgenössischer Kunst groß geschrieben.
Werden die Erfahrungen in Deutschland Ihre künftige Galeriearbeit beeinflussen?
Ja, ich habe bereits Änderungen im Bereich der Archivierung in meiner Galerie eingeführt, angeregt durch die Möglichkeiten, die ich bei kommerziellen Kunsträumen in Düsseldorf und Köln gesehen habe. Wir sind eine junge Galerie und ich bin offen, was positive Änderungen betrifft. Die deutschen Standards in Arbeit und Organisation sind im EU-Vergleich für mich die empfehlenswertesten. Ich würde mein Galerieprogramm gerne nach Deutschland ausweiten, sobald wir in Dubai richtig Fuß gefasst haben und dort etabliert sind.
Interview mit Umer Butt von Maya Röder
Juni 2013
Juni 2013




