Veranstaltungskalender

Ein Volksfeind

Ibsen für Empörte? Welche Chance die Wahrheit in einer durchökonomisierten Gesellschaft

Theater
06., 08. und 09.10.2013
Saal Martín Coronado Teatro General San Martín.
Karten ausschließlich über die Festivalkasse:
http://buenosaires.gob.ar/festivales
© Arno Declair
© Arno Declair
Thomas Ostermeier und die Schaubühne am Lehniner Platz präsentieren Ibsens gesellschaftskritisches Drama im Rahmen des IX Festival Internacional de Buenos Aires. Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts, des Auswärtigen Amts und Allianz Argentina.

Aufführungen: Sonntag, den 6. Oktober 2013 um 19.30 Uhr, Dienstag, den 8.10 um 20 Uhr und Mittwoch, den 9.10 um 20 Uhr.

Als der Badearzt Thomas Stockmann entdeckt, dass das Heilwasser seines Heimatorts vergiftet ist, will er im Interesse der Allgemeinheit die Öffentlichkeit aufklären. Helfen soll ihm die Presse (die Journalisten Hovstadt und Billing sowie der Verleger Aslaksen), die ihm zunächst Unterstützung zusagt. Stockmann fordert seinen Bruder Peter, Stadtrat des Badeortes, auf, die nötigen Maßnahmen vorzunehmen. Dieser weist ihn jedoch eindringlich auf die Folgen hin: Hohe Kosten und Imageschädigung für den Kurort – die wirtschaftliche Entwicklung sei damit auf Jahre gefährdet. Ein Gegengutachten soll beweisen, dass sich Stockmann bei seinen Untersuchungen geirrt hat. Und plötzlich beginnen auch die Unterstützer zu schwanken, wobei weniger die Zweifel an Stockmanns Untersuchung oder die Angst um Folgen für die Gesellschaft eine Rolle spielen. Man befürchtet vielmehr die Gefährdung der eigenen Karriere und Finanzierung der Zeitung (Ausbleiben der Anzeigenschaltung durch Konzerne). Auf einer Volksversammlung spricht Stockmann und will die Bürger auf seine Seite zwingen. Dabei geht es ihm nicht mehr um das vergiftete Wasser, er prangert die Gesellschaft und ihre Politiker als Ganzes an. Der selbsternannte Wohltäter Stockmann wird zum Volksfeind, seine Familie ausgegrenzt, seine Frau und er verlieren ihre Anstellungen.

In Thomas Ostermeiers Inszenierung bewegt sich Ibsens Drama auf einem schmalen Grat: Stockmann, der zu Beginn als Aufklärer auftritt und dem das Wohlergehen der Bevölkerung das wichtigste Anliegen scheint, entwickelt sich durch zunehmenden Widerstand zum Fanatiker. In seiner Rede auf der Volksversammlung stellt er die Frage: Kann eine Mehrheit (in Stockmanns Worten: die Dummen) die richtigen Entscheidungen treffen? Oder soll nicht besser eine wissende Minderheit darüber entscheiden, was gut für eine Gesellschaft ist. Er fordert die Auslöschung der verlogenen/verseuchten Gesellschaft.

Im Mittelpunkt des Stückes stehen die Begriffe der Demokratie, des Wohlergehens der Bevölkerung und der Öffentlichkeit. Es ermöglicht eine Neubefragung gesellschaftlicher Werte und man fragt sich zudem, welche Chance die Wahrheit in einer durchökonomisierten Gesellschaft hat. Das Stück stellt einen Kontext dar, in dem sich Lateinamerika widerspiegeln kann: nicht um sich dort wiederzufinden, vielmehr um über die Aktualität des Öffentlichkeitsbegriffs in den teilweise sehr komplexen und in Frage gestellten Demokratien des Kontinents zu reflektieren.

Trailer https://www.dropbox.com/s/2hkvczhfn1rq36a/Volksfeind_Klein.mp4

http://www.schaubuehne.de/

    Immer aktuell informiert

    Abonnieren Sie unseren Veranstaltungs-
    kalender per RSS-Feed!

    RSS-Feed: Veranstaltungen des Goethe-Instituts Buenos Aires
    http://rss.goethe.de/?lang=de&land=ar&ins=bue&typ=v

    GOETHEPASS

    Das Goethe-Institut Buenos Aires bietet einen Goethepass für seine Sprachkursteilnehmer.