Wissen

SEMINAR. BIBLIOTHEKEN IN HAFTANSTALTEN

Mittwoch, 19 und 26 Mai, 02. Juni
Unidad Penitenciaria de Bower
Mehr Information unter:
bibl@cordoba.goethe.org
www.goethe.de/cordoba
Tel: ++54-351-5350535

Der Vorlauf

2009 lud das Goethe-Institut Córdoba im Rahmen der II. Tage “Gefängnis-Bibliotheken. Erfahrungen und Möglichkeiten in Haftanstalten”, Herrn Gehard Peschers, Bibliotheksleiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster und Mitglied des Vorstandes der Gefängnis-Bibliotheken Rheinland-Pfalz, ein. Herr Peschers geniesst internationale Anerkennung als Fachexeperte für den Aufbau von Gefängsnis-Bibliotheken. Die von ihm geleitete Bibliothek wurde 2007 zur “Bibliothek des Jahres” ernannt und von der Jury als “vorbildliche Einrichtung bibliothekarischer Sozialarbeit” und als “kreativer Impuls für weitere Gefängnis-Bibliotheken” gewürdigt.

Der Besuch von Herrn Peschers gab Anstoss zur Bildung einer inter-institutionellen Arbeitsgruppe, die an der Entwicklung von Bibliotheken in Haftanstalten arbeitet; die Bibliothek des Goethe-Institutes Córdoba nimmt daran von Anfang an teil. Desweiteren sind beteiligt die Nationale Universität Córdoba (vermittelt durch das Programm Universität im Gefängnis sowie die Schule für Bibliothekswesen), das Kultusministerium der Provinz (vermittelt durch die Landeslehrerbibliothek und das Kultusministerium für Kinder und Jugendliche), das Justizministerium der Provinz (vermittelt durch die Bildungsabteilung der Haftanstalten Córdoba) sowie andere interessierte Institutionen.

Das Projekt

In der Provinz Córdoba gibt es 16 Schulungstätten im Bereich der Justizvollzugsanstalt. Dort arbeiten Dozenten der JVA, Dozenten des Bildungsministeriums, Dozenten aus dem Schul- und Universitätsbereich, sowie verschiedene NROs; insgesamt zählen etwa 300 Fachleute aller Jahrgangsstufen (Grundschule, Haupt- und Oberschule sowie Universität) zum Lehrkörper.

Das Thema Ausbildung in Gefangenschaft hat verschiedene Seiten, die in der tagtäglichen Ausübung bewertet und aktualisiert werden müssen. So bedarf es etwa einer Schulung zur Förderung von Lektüre, versteht man Lektüre als grundlegendes Mittel sowohl für Bildung als auch für den Prozess der Entkriminalisierung.

Die Anregung zur Lektüre in Gefangenschaft gestaltet sich allerdings als schwierig für Bibliothekare in Haftanstalten, daher rührt die Notwendigkeit einer fachgerechten Fortbildung für Dozenten, die in den verschiedenen Gefängnissen der Provinz Córdoba arbeiten.

Im Verlauf dieses Jahres (2010) organisiert das Goethe-Institut Córdoba, gemeinsam mit der Landeslehrerbibliothek und der Bildungsabteilung der Haftanstalten Córdoba eine Lehrerfortbildung zur “Förderung von Lektüre in Haftanstalten”.

Ziele dieser Fortbildung:

- Aufwertung der Förderung von Lektüre als grundlegendes Mittel sowohl für Bildung als auch für den Prozess der Entkriminalisierung.

- Ausarbeitung von Projekten zur Förderung von Lektüre anhand von konkreten Strategien, die aus dem Alltag im Gefängnis abgeleitet werden.

Kursprogramm:

- Dreimal wöchentlich Unterrichtseinheiten von jeweils 4 Stunden.

- Eine vierte Sitzung pro Woche bietet Raum zur Auswertung

- Insgesamt werden 20 Stunden mit Anwesenheitspflicht und weitere 20 Stunden via mail angeboten.

- Die Kursteilnehmer halten wöchentlich Referate.

- Die Kursleiter werden die vorgestellten Referate bewerten und über die Dauer des Kurses die Teilnehmer via mail begleiten.

- Die Teilnehmer erhalten vom Landesverband für Lehrerfortbildung ein ofizielles Zeugnis über 40 Stunden.

Programminhalte:

- Bücher und der Zugang zum Wort

- Wofür ist Lesen nützlich?

- Lektüre in der Gefangenschaft

- Der Dozent als Vermittler

- Kriterien zur Auswahl des Lesematerials

- Möglichkeiten der Materialsuche: die Bibliothek

- Förderung von Lektüre

- Strategien zur Förderung von Lektüre

- Spezifische Projekte zur Förderung von Lektüre je nach Dozent und Anstalt

Arbeitsweise:

- Betrachtung und Diskussion über die jeweiligen Vorgehensweisen

- Vorstellung des theoretischen Materials

- Praktische Verarbeitung des theoretischen Materials

- Wanderbibliothek: den Kursteilnehmern steht eine Wanderbibliothek zur Verfügung, deren ausgewählte Literatur auch zu Unterrichtszwecken des Kurses verwendet wird.

Zur Auswertung des Kurses stellen die Teilnehmer jeweils ihr spezifisches Projekt zur Förderung Lektüre vor bzw. zur Debatte.

Der erste Kurs beginnt am 12. Mai in der Haftanstalt Bower. Die folgenden Kurstage finden am 19. Und 26. Mai statt, die Sitzung zur Auswertung ist am 9. Juni. Im Verlauf des ersten Kurses wird festgelegt, wann und in welcher Haftanstalt der zweite Kurs stattfindet.

Um die weitere Durchführung dieser Fortbildung in allen Haftanstalten der Provinz Córdoba, sowie ihre zeitliche Verlängerung (es haben sich bereits zahlreiche Dozenten angemeldet) wird sich die Landeslehrerbibliothek im nächsten Jahr innerhalb ihres Jahresprogramms für Fortbildungen kümmern, sowie auf Nachfrage jedweder der Haftanstalten der gesamten Provinz.

Als konkretes Anliegen bei der Realisierung derartiger Projekte hat das Goethe-Institut Córdoba zweierlei Ziele: Zum einen soll die massgebliche Sachdienlichkeit der Bibliotekarsarbeit im Gefängnisbereich herausgestrichen und bewusst gemacht werden. Zum anderen soll das Buch als unabdingbares Komunikationsmittel im Lehrbereich sowie als Hilfsmittel fúr zwischenmenschliche Beziehungen wieder aufgewertet werden, insbesondere in diesem Bereich erschwerter Umstände.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN steht unter dem Artikel 19:

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Der freie Zugang zu Information ist wesentlich für Freiheit, Gleichheit, Frieden und weltweite Verständigung. In diesem Sinne heisst es in der Satzung des Internationale Verbands der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA):

· Geistige Freiheit ist das Recht eines jeden auf eigene Meinung und deren Äusserung sowie der freie Zugang zu Information, sie ist die Grundlage der Demokratie und das Fundament bibliothekarischer Arbeit.

· Freien Zugang zu Information zu ermöglichen, gleich welchen Mediums und unabhängig von ihrer geographischen Lage, ist die Hauptaufgabe bibliothekarischer und dokumentarischer Arbeit.

· Der freie Zugang zum Internet, den Bibliotheken und Informationszentren anbieten, verhilft Menschen, Gemeinschaften und Organisationen zu Freiheit, wirtschaftlichem Wohlergehen und Entwicklung.

· Alle Hindernisse zu freiem Umlauf von Information sollten beseitigt werden, insbesonders diejenigen, die Ungleichheit, Armut und Enttäuschung hervorbringen.


 

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