Claudia Casarino
Aktionen im Projekt
Als die Spanier im 16. Jahrhundert nach Paraguay kamen, boten ihnen die Guaraní-Indios ihre Töchter an, um Feindseligkeiten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das Land galt über Jahrhunderte als „Paradies des Propheten Mohammed“*, denn Polygamie war an der Tagesordnung.Als dann 1864-1870 neunzig Prozent der männlichen Bevölkerung dem Tripel-Allianz-Krieg gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay zum Opfer fiel, mussten die paraguayischen Frauen die Geschäfte des verwüsteten Landes praktisch allein führen, wodurch ihnen eine im Vergleich zu den Nachbarstaaten überdurchschnittlich große Selbständigkeit zuwuchs.
Claudia Casarinos Hommage an diese Amazonen besteht aus drei kunstvoll ineinander verschlungenen Gewändern. Sind sie Tochter, Mutter und Ehefrau zugedacht oder den Witwen?
Kurzbiographie
Claudia Casarino (Asuncion, 1974). Sie hat an der Kunsthochschule der Universidad Nacional de Asunción studiert und an verschiedenen Seminaren der School of Visual Arts in New York und des London Printworks Trust teilgenommen. Ihre künstlerische Arbeit setzt sich hauptsächlich mit den Themen Identität und Gender auseinander und sie benutzt dabei ihren eigenen Körper als Darstellungsfläche. Dabei greift sie stets auf die Sprache der Kleidung zurück. Ihre künstlerischen Arbeiten manifestieren sich in Form von Installationen und Fotografie. Sie stellt seit 1998 aus und nahm vier mal an der Biennale des MERCOSUR teil, der Biennale von Habana, von Tijuana, von Busan und von Cuenca, sowie an verschiedenen Ausstellungen in Galerien, Museen und Kulturzentren in Asuncion, Buenos Aires, Bogota, Madrid, Barcelona, Mailand und London. *Vgl. Potthast, Barbara: "Paradies Mohammeds" oder "Land der Frauen"? Zur Rolle der Frau und der Familie in der paraguayischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert,(Lateinamerikanische Forschungen Bd. 21), Köln/ Wien /Weimar 1994.






