CityScapes – Tales from the Invisible City

März: „Sex in meiner Stadt – Wie prüde sind wir? Was traust du dich?“

CityScapes Blog - February Viet Hung Nguyen„Sex in meiner Stadt – Wie prüde sind wir? Was traust du dich?“ – mit diesem delikaten Thema beschäftigten sich die CityScapes blogger in diesem Monat.

Wie treffen sich Leute in meinem Alter, wie flirten sie und lassen sich aufeinander ein? Was sind die Regeln für dieses Spiel? Welche Rollen spielen sie? Und was meinen unsere Familien, Religionen und Traditionen dazu? Welche Rolle spielen hier die Medien in meiner Stadt?

CityScapes March Faz Kamaruddin Nähern wir uns diesem durchaus delikaten Thema in Malaysia. Faz Kamaruddin beschreibt eine entspannte Runde von Freundinnen, die sich in zwangloser Atmosphäre über ihr Liebesleben unterhalten. Doch die vermeintlich unkomplizierte und amüsante Konversation gerät schon bald in andere Gefilde: Eine der Freundinnen zeigt sich besorgt, dass jemand sie an die Religionsbehörde verraten könnte. Daraufhin berichtet Faz über eine Begebenheit, die sich vor kurzer Zeit in Kuala Lumpur abgespielt hat: Kurz vor dem Valentinstag warnten die Medien vor "unmoralischem Verhalten" und an dem Tag selbst wurden über 100 Muslime festgenommen, weil sie mit "einer Person des anderen Geschlechts, der oder die nicht der Ehepartner ist" zusammen waren. Zum Ende ihres Textes fordert Faz, dass "eine bessere Möglichkeit als religiöse Razzien gefunden werden muss, wenn Menschen zu einem 'sündenfreien Leben' bewegt werden sollen". Ihr Aufruf führt zu einer ganzen Reihe von Kommentaren und letztlich dazu, dass Faz and Thian Leong Lim in einem speziellen Beitrag der lokalen Radiostation BMF 89.9 über Sexualität in der Gesellschaft und das CityScapes Projekt sprechen. Das umfangreiche Radiointerview steht an dieser Stelle zum Download bereit.

CityScapes March To Van Nga To Van Nga in Saigon geht das Thema auf eine andere Weise an. Seit Beginn des Projekts im Januar 2011 ist Nga dafür bekannt, dass sie als Einzige unter den CityScapes-Bloggern Gedichte schreibt. Im März setzt sie sich dabei nicht nur mit Sexualität, sondern auch mit Themen wie Migration und Identität in einer globalisierten Welt auseinander. Diese Tatsache wird dadurch zusätzlich interessant, dass Nga nicht in ihrer Muttersprache sondern in Englisch schreibt. Der Einsatz der Zweitsprache verleiht ihrem Gedicht "Mixed Couples" zusätzlich einen selbstreferentiellen Charakter. Sie eröffnet mit den Zeilen "Century of Asia / People flock here with ambitious or lonely hearts / To places they call home", stellt einige Protagonisten und Attribute vor und schließt mit "Mixed couples / Ambitious hearts and minds / Reaching for a beautiful life / And the place you never been to". In Ngas Poesie findet sich nicht nur Schönheit und Individualität, sondern auch "mystery filled in the clumpsy (sic) language".

CityScapes March Agan Harahap Agan Harahap nimmt uns mit in Jakartas Rotlichtviertel Taman Lawang, das nicht zuletzt für seine hohe Kriminaltätsrate bekannt ist. Agan gibt mit seinen Schwarzweiß-Fotografien einen Einblick in das Leben von indonesischen Transvestiten, die ihren Körper gegen Geld an bieten. Der dunklen Umgebung und den Umständen zum Trotz findet man in den Augen der Prostituierten nicht nur ein tragisches Element, sondern auch Stolz. Neben Kummer und Unsicherheit erkennt man als Betrachter auch eine gesunde Dosis Spaß, Trotz und Selbstbewusstsein in ihrem Blick. Die Bilderserie wurde als Teil einer Ausstellung im Goethe-Haus Jakarta gezeigt, bei der die Einstellung von Fotografen zum (weiblichen) Körper im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Tendenzen thematisiert wurde.

CityScapes March Liam Morgan Liam Morgan in Bangkok führt uns weg von der Straße und nimmt uns mit vor den Bildschirm. Er berichtet über die Welt der Online-Flirts und der Dating-Webseiten unter thailändischen Jugendlichen. Nachdem eine Freundin ihm Zugang zu ihrem Account gegeben hatte, konnte Liam sich einen Überblick über die entsprechenden Internetangebote verschaffen. So hatte er die Möglichkeit, mehr über die "Online-Liebes-Optionen" einer 24-jährigen Thailänderin herauszufinden. In einer Reihe von Screenshots lässt er den Betrachter an diesen Optionen teilhaben. Was auf den ersten Blick lustig und erscheint, vermittelt schnell den Eindruck einer unpersönlichen, künstlichen und letztlich unwirklichen Online-Identität.

CityScapes March Skye Tan Skye Tan aus Singapur stellt einen Videoclip vor, der auf Kurz-Interviews mit willkürlich ausgewählten Passanten und mit einer Gruppe von Studenten basiert. Er hatte sie aufgefordert, in einem Wort zu beschreiben, was Menschen in Singapur mit dem Wort Sex verbinden. Während einige der Teilnehmer positive Begriffe wie mind-blowing, fun oder awesome benutzen, wählen andere conservative, boring, secret oder taboo. Interessanterweise sagen nur relativ wenige Teilnehmer, dass Sex in Singapur mit Love assoziiert wird. Im zweiten Teil des Videos fragt Skye "Mögen sie die Vorstellung eines One-Night-Stands?". Die Antworten schneidet und editiert er geschickt in zwei amüsante Lager: Diejenigen, die "Ja" antworten, werden denjenigen, die "Nein" Antworten, gegenüber gestellt. Der Clip ist dabei nicht nur unterhaltsam und lustig, sondern er ermöglicht auch einen tiefen Einblick in die facettenreichen Ansichten über Sexualität in dieser speziellen Stadt.

CityScapes March Jennifer Lush Wie Jennifer Lush in einem Kommentar zu ihrem ebenfalls in Sydney ansässigen Blogger-Genossen Jens Schröder statuiert, war es für sie "keine leichte Aufgabe, Menschen zu finden, die bereit sind, sich zu öffnen und über ihr Sexualleben oder auch nur über das Thema im Allgemeinen zu sprechen." Und diese Herausforderung spiegelt sich in ihrem Hörspiel: Tatsächliche Informationen über das Sexualleben der australischen Interviewteilnehmer sind schwer in einem Meer von Kichern, Lachen und Witzen auszumachen. Ein männlicher Teilnehmer sagt rundheraus, "Sex und Drogen sind genial", während eine weibliche Stimme erklärt, was ein sogenannter "Seestern im Bett" ist, nämlich jemand, der "ohne jegliche Begeisterung den sexuellen Akt über sich ergehen lässt". Es ist interessant zu sehen, wie leicht das Gespräch von privaten in allgemeinere Gefilde – und damit vermutlich sicherere – abdriftet. Während die Hintergrundmusik von Edvard Grieg sich in ihren eigenen Höhepunkt steigert, folgert die männliche Stimme: "Das Fazit ist, wir leben in einer prüden Stadt", und die weibliche Stimme gibt ihm auf die typisch australische Art Recht: "Mehr oder weniger, Yeah".

STATEMENT

Diese sechs Beispiele können zwar eine grobe Vorstellung davon geben, was im CityScapes Blog vor sich geht, doch alle andere Einträge sind genauso gut – es lohnt sich also auf jeden Fall, den Blog als Ganzes zu erkunden!

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