Alter ist keine Hürde für Professionalität!
Sprout Media by Kids

Liebe Frau Goldmann, können Sie uns kurz erzählen, wie Sprout entstanden ist und wie es sich entwickelt hat? Sprout begann 2007 als Pilotprojekt an der Grundschule meiner Tochter. Ich übernahm die Leitung für die Siebenjährigen, um zu sehen, wie sie auf die technischen Aspekte der Medienproduktion reagierten und welche Art von Geschichten sie erzählten. Ich war verblüfft, wie schnell und leicht sie die Technik akzeptierten und wie kreativ sie an das Geschichtenerzählen herangingen.
Sprout Media by Kids wurde 2008 entwickelt; 2009 starteten wir unsere ersten Programme an fünf Schulen, unterstützt vom Bundanon Trust. Das Programm richtete sich speziell an indigene Kinder und war enorm erfolgreich. Wir wurden eingeladen, das Programm auszudehnen, und boten es 2010 an weiteren Schulen an. Außerdem führten wir Ferienprogramme ein und bieten mittlerweile ein ganzes Spektrum an Kursen, die auf die Interessen und Bedürfnisse verschiedener Schulen und gesellschaftlicher Gruppen abgestimmt werden können. Zudem haben wir ein ständiges Angebot an Kursen für verschiedene Nutzer und bieten neben der geschäftlichen Seite auch ein gemeinnütziges Programm für benachteiligte Jugendliche an.
Was möchten Sie mit Sprout Media by Kids erreichen? Unser Ziel ist es, Kindern die Werkzeuge zu geben, mit denen sie ihre eigenen Geschichten erzählen, ihre eigenen Welten gestalten können. Sie haben keine Angst vor Technik und benutzen sie mit Leichtigkeit, um ihre Gefühle und Ideen auszudrücken. Für Kinder, die womöglich im Lesen und Schreiben nicht so gut sind, ist es ideal, wenn sie in einem Medium glänzen können, das eindringlich kommuniziert und begeistert aufgenommen wird. Das ist lehrreich, baut ihre Fähigkeiten aus und macht Spaß. Wir möchten Spaß an der Sache haben und dabei neue Geschichten und neue Arten des Erzählens entdecken.
In dem Maße, wie die Teilnehmenden ihre Fertigkeiten entwickeln, bieten wir ihnen die Möglichkeit, fortgeschrittenere und spezialisiertere Kurse zu belegen. Ein unbeabsichtigtes Ergebnis der von uns geleiteten Programme ist, dass jeder Kurs in einem wunderschönen Porträt der Gemeinschaften resultiert, in denen diese Kinder leben, weil Dokumentarfilme die Menschen und Orte einfangen, mit denen sie im Alltag interagieren.
„Alter ist keine Hürde für Professionalität!“
Konnten Sie bereits einige junge Talente entdecken?Mehrere Kurzfilme wurden auf Festivals eingeladen und begeistert aufgenommen. Alle sind auf unserem YouTube-Kanal zu finden und werden von vielen Leuten gesehen. Es sind Geschichten, die von Kindern für Kinder gemacht wurden, daher können Kinder sie am besten beurteilen. Wir haben einige sehr talentierte junge Geschichtenerzähler entdeckt und sehen jetzt langsam, dass sie wiederkommen, um fortlaufende Workshops zu besuchen. Das Alter ist kein Hindernis für Professionalität, daher bringen wir ihnen von Anfang an professionelle Verfahren bei.
Wie kann man sich das technisch vorstellen? Wir stellen die Kameras, Stative und alles zur Verfügung, was die Kinder zur Filmbearbeitung benötigen. Wir benutzen Mac-basierte Programme, und da nicht viele Schulen Macs haben, ist es für uns einfacher, die Ausrüstung bereitzustellen. Die Kameras sind technisch sehr einfach, und wenn die Kinder ihre eigene haben oder mit Handys oder Digitalkameras filmen möchten, machen wir das auch möglich. Zum Bearbeiten nehmen wir IMovie, das sehr einfach zu benutzen ist, und die Kinder filmen und schneiden normalerweise an einem Tag. Aber für bessere Endergebnisse ermutigen wir sie auch, Ideen zu entwickeln, einen ganzen Tag lang zu filmen und Zeit für das Schneiden aufzuwenden.
Wir halten das Verhältnis von Lehrern zu Schülern bei ungefähr 1 Lehrer auf maximal 5 Kinder, sodass Klassen mit 15 oder 16 Kindern 3 Lehrer benötigen. Wir brauchen außerdem mindestens drei komplette Ausrüstungen, aber mehr sind besser. Es sind immer Kinder dabei, die lieber mit der Kamera arbeiten, während andere lieber schneiden.
Sprout Media by Kids unterscheidet sich von anderen dadurch, dass die Kinder alles selbst bedienen und auch die Ideen entwickeln. Wir leiten sie an, fordern sie heraus und unterstützen sie, aber die Arbeit ist ihre eigene.
Sprout Media by Kids im Klassenzimmer
Inwiefern lässt sich das Projekt in den Schul-Alltag einbinden? Alle unsere Kurse können in den Schulen als Teil des Lehrplans stattfinden. Wir haben schon im Englisch- und Kunstunterricht und einem Technikkurs gearbeitet. Das Programm lässt sich auch auf Sprachunterricht und jeden anderen Aspekt des Lehrplans anwenden, da die Schüler so auf unterhaltsame und kreative Art ihre Arbeit präsentieren können.
Ein- oder dreitägige oder einwöchige Intensivkurse haben wir ebenso im Angebot wie Kurse, die ein Semester oder ein Jahr dauern, je nach Engagement der Schulen und Lehrer. Wir sind absolut flexibel.
Uns ist es am liebsten, wenn wir die Lehrer miteinbeziehen können, und bieten daher auch Lehrertraining an, sodass sie die Sprout-Kurse nach unserer Abreise selbstständig unterrichten können. Wir bieten zudem Hilfe bei Problemen sowie Onlineunterstützung an und können bei Bedarf für einen Tag spezialisiertes Training auf fortgeschrittenerer Ebene durchführen. Sprout befähigt nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer zum Umgang mit modernen Medien.
Was sind Ihre Ideen für die Zukunft von Sprout Media by Kids?
Wir hätten eines Tages gerne unsere eigene Basis, um einen festen Veranstaltungsort für Kurse nach der Schule sowie Ferienprogramme anbieten zu können. Unsere neue Website ist derzeit im Aufbau und soll dazu dienen, unsere Gemeinschaft aufzubauen, Arbeiten hochzuladen und unsere Beziehung zu Schülern und Lehrern nach Kursende aufrechtzuerhalten. Wir planen, über die Website Festivals, Filmvorführungen und Wettbewerbe zu organisieren. Wir hoffen, Sprout als Franchise in andere Bundesstaaten und später auch in andere Länder bringen zu können. Zudem gibt es eine begleitende Fernsehsendung, die sich aus dem Website-Portal entwickeln soll.
Gibt es neben Ihrem Projekt noch andere Film- oder Medienprogramme für Kinder in Australien? Es gibt zahlreiche Ferienaktivitäten für Kinder, aber nichts, was wirklich mit Sprout Media by Kids vergleichbar wäre, das auch Schulen und benachteiligte Gruppen miteinbezieht und zudem ein ganzes Spektrum an Online-Bildung abdeckt.
ICE in Sydneys Westen arbeitet mit jungen Menschen und Panasonic Kid Witness News (KWN) organisiert einen Wettbewerb und ein Festival. Aber ich denke, Sprout Media by Kids ist das einzige Angebot, bei dem Kinder Filme für andere Kinder machen.
| Sprout Media by Kids ist ein Programm in Sydney, bei dem Kinder die verschiedenen kreativen Schritte durchlaufen, die zur Entstehung eines Dokumentarfilms führen – von der Planung über das Drehen bis hin zum Editieren. Einige Teammitglieder drehen Filme, während anderen ein Blick hinter die Kulissen von Filmsets gewährt wird. So lernen sie, wie alles zusammen kommt. Das Produzieren von kurzen Dokumentarfilmen ist für diese jungen Menschen nicht nur aufregend, sondern es hilft ihnen zudem bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Sprout Media by Kids möchte dazu einen Beitrag leisten. Die Resultate werden vorgeführt und in einer Feedback-Runde besprochen. |
Übersetzung: Elisabeth Meister. Copyright: Goethe-Institut Australien, 2011.
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web-editor@sydney.goethe.org
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