Politik und Zeitgeschichte

Kultur der Religionen

Die Idee der Einführung des Faches «Kultur der Religionen» in alle Schulen Bosnien und Herzegowinas geht zurück auf das Jahr 2000, als auf der Konferenz der Bildungsministerien entschieden wurde, eine Bildungsreform mit dem Ziel der Eliminierung jeglicher Segregation in bosnischen Schulen durchzuführen. Unter anderem haben sich die MinisterInnen bereit erklärt, den Unterricht über die vier repräsentativsten Religionen, die in Bosnien und Herzegowina praktiziert werden, zu implementieren.

Das Fach Kultur der Religionen ist als unabhängiges Fach gedacht, das Religionen und die Wertschätzung der Unterschiede lehrt, während es auch praktisches Wissen vermittelt, das die Schüler/Innen bei alltäglichen Interaktionen mit Menschen aus ihrer Umgebung anwenden können. Das Fach ist besonders fokussiert auf das Entwickeln und Erreichen eines toleranten Zusammenlebens aller Menschen in Bosnien und Herzegowina durch die Vermittlung der vier Hauptreligionen des Landes.

Die Versuche, Kultur der Religionen in das Schulsystem einzuführen, sind nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen. Die Implemetierung des Faches ist von Anfang an auf starken Protest von Seiten der Religionsgemeinschaften gestossen, der, wie wir glauben, von der Ansicht herrührt, das Fach verdränge den Religionsunterricht und relativiere den Inhalt von Religionswahrheiten der einzelnen Religionen mit der Methodologie des Neutralen und der Wissenschaft und einem marxistischen Zugang zu Religionen. Es ist eine Tatsache, dass das Fach Kultur der Religionen sich an das Wissen anlehnt, was die Schüler/Innen im Religionsunterricht erlangen. Das Fach versucht nicht, das Recht eines jeden auf religiöse Bildung abzuerkennen, es versucht vielmehr, potentielle Missverständnisse und Konflikte durch das Nichtwissen über andere Religionen zu reduzieren, indem es folgende Genarationen mit dem Grundwissen über Kultur und Geschichte ihrer Altersgenossen/Innen austattet.

Im Augenblick wird das Fach Kultur der Religionen, das sich im Einklang mit dem von Spezialistengruppen unter Dr. Gebauer entwickeltem Unterrichtsprogramm befindet, in den dritten und vierten Klassen der Sekundarschulen der Kantone Bosnisches Podrinje Gorazde, Zenica-Doboj sowie Sarajevo implementiert, wobei dies ab Februar 2009 in den ersten Klassen aller Sekundarschulen der Republika Srpska geschehen soll. Ein ähnliches Fach mit einem etwas anderem Unterrichtsplan und -programm wird im Kanton Tuzla implementiert.

Die Partner des Projekts, das Goethe-Institut Bosnien und Herzegowina, die Bildungsabteilung der OSCE Mission in Bosnien und Herzegowina und die Nichtregierungsorganisation Sarajevo Open Centre, finalisieren im Augenblick die Organisation von Qualifizierungsseminaren für Lehrer/Innen des Fachs Kultur der Religionen in der Republika Srpska. Insgesamt 87 Lehrer/Innen durchlaufen die Fortbidlung, die im Juni 2008 im Einklang mit der Entscheidung des Bildungs- und Kulturministeriums der Republik Srpska, das Fach zu implementieren, begonnen wurde. Ein ähnliches Programm haben ca. 40 Lehrer/Innen der Kantone Zenica-Doboj und Bosnisches Podrinje durchlaufen.

Eine der wertvollsten Aktivitäten ist natürlich die Arbeit an der Entstehnung eines Lehrbuchs für das Fach Kultur der Religionen, welches ab Anfang nächsten Jahres zugänglich sein soll. Das Autorenteam, zusammen mit Fachaushilfen und Methodologen, hat an einem Manuskript gearbeitet, das alle Unterrichtseinheiten, die im Plan und Programm vorgesehen sind, einschließt.

In der folgenden Zeitperiode (2009) wird das Team an der Organisation von Trainings für Trainer/Innen arbeiten, wodurch neue Kapazitäteten für die Schulung vom Unterrichtskader geschaffen werden und es sollen Gespräche mit den entsprechenden Ministerien über die Implementierung des Fachs auch in anderen Teilen Bosnien und Herzegowinas geführt werden.

Das Projekt Kultur der Religionen wird durch folgende Institutionen finanziell unterstützt:
HEKS - Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz

Stabilisationspakt für Südosteuropa – finanziert von Deutschland

Open Society Fond Bosnien und Herzegowina

Botschaft des Königreichs Norwegen in Sarajevo:
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