Autorenresidenzen 2012

Europäisches Residenzprogramm für Schriftsteller und Literaturübersetzer

Im Rahmen des "Europäischen Residenzprogramms für Schriftsteller und Literaturübersetzer" werden vom Goethe-Institut, dem Literaturnetzwerk TRADUKI und dem "Sarajevo Open Centre" einmonatige Residenzstipendien für SchriftstellerInnen ausgeschrieben.

Das Goethe-Institut unterstützt das Programm pro Jahr mit zwei Residenzen für Autoren und Autorinnen aus Deutschland. Der Aufenthalt der SchriftstellerInnen aus Deutschland ist Teil des ganzjährigen Residenz-Programms, welches Residenzen für AutorInnen und ÜbersetzerInnen aus verschiedenen europäischen Ländern bietet.

Mit der Autorenresidenz wird eine intensive Auseinandersetzung der AutorInnen mit ihrem Werk in der hiesigen Umgebung angestrebt. Es soll ein ergebnisreicher Austausch zwischen den deutschen SchriftstellerInnen und der bosnisch-herzegowinischen Kunst- und Kulturszene entstehen, wobei gleichzeitig die Möglichkeit geboten wird, die Gesellschaft vor Ort kennenzulernen und die Arbeiten dem lokalen Publikum vorzustellen. 2011 haben Dieter M. Gräf aus Berlin und Daniela Chmelik die Autorenresidenzen erhalten.

Auch für dieses Jahr hatte eine Ausschreibung stattgefunden, die bis am 15.01.2012 offen war und 14 interessante Bewerbungen einbrachte. Das Goethe-Institut, das Literaturnetzwerk TRADUKI und das „Sarajevo Open Centre“ haben sich gemeinsam dazu entschieden die zwei Residenzstipendien an die Deutsche Buchpreisträgerin Kathrin Schmidt und Emma Braslavsky, beide aus Berlin, zu verleihen. Emma Braslavsky wird im März in Sarajevo zu Gast sein und Kathrin Schmidt im September.
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Daniela Chmelik

Biografie

Daniela ChmelikDaniela Chmelik, geboren 1980 in Hamburg, studierte russische und deutsche Literaturwissenschaft. Sie debütierte als Autorin im Herbst 2008 bei einem Literatur-Slam im Hamburger Literaturhaus, und hatte seither Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, sowie Auftritte bei Literaturveranstaltungen wie Kaffee.Satz.Lesen und als Poetin im Park. Ihre Themen sind die innere Haltlosigkeit des Menschen, Anton Čechov und „der rostige Nagel, an dem alles hängt“. In ihrem Roman „Walizka“, der im Herbst 2012 erscheint, geht es um Liebe, Zerstörung und Sex – und im zentralen Kapitel „Stille“ um die Reise von drei, dann zwei jungen Frauen über den Balkan und um Einsamkeit in Sarajevo.

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    Romanauszug aus "Walizka"
    (erscheint 2012 bei asphalt&anders)

    Die Frau eines früheren Kollegen meines Vaters holt mich in Sarajevo am Bahnhof mit dem Auto ab. Es passe sehr gut, sagt sie, dass ich hier sei. „Mein Mann ist vorgestern nach Deutschland geflogen. Seiner Mutter geht es schlecht, weißt du. Die Seniorenresidenz hat angerufen.“ Sie seufzt. Ich schaue aus dem Fenster. Die Frau schweigt auch. An der Ampel klopfen Roma-Kinder an die Scheibe. Die Frau gibt ihnen ein paar Münzen, die in der Ablage liegen. Es wird grün und wir fahren weiter. Sie räuspert sich und sagt: „Ich würde gern morgen auch nach Deutschland. Es wäre ganz großartig, Liza, wenn du hier auf unsere Wohnung aufpassen könntest. Du kannst in dem Gästezimmer schlafen oder in unserem großen Schlafzimmer, wie du möchtest. Du sollst dich wie zu Hause fühlen.“ Sie macht eine Pause und ich sage Danke. „Oh, wir haben zu danken, Liza“, sagt sie. „Ich koche uns heute abend etwas Schönes. Wünsch dir was!“ Ich hebe die Schultern, und weil sie das nicht sehen kann und Egal keine Antwort ist, sage ich Gemüsepfanne. Mehr ...

    Emma Braslavsky

    Emma Braslavsky

    © 2010 by Noam Braslavsky... wurde 1971 in Erfurt geboren. Nach Zwischenstationen in Rom, New York und Tel Aviv lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. Seit Ende ihres Studiums der Russistik, Italianistik und Südostasienstudien 1999 in Berlin, Moskau und Ho-Chi-Minh-Stadt arbeitet sie als freie Autorin, Kuratorin und Übersetzerin. Seither erschienen eine Reihe von Essays, vor allem zu aktueller Kunst, Hörstücke und Erzählungen. Ihr Romandebüt Aus dem Sinn wurde 2007 mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis sowie mit dem Franz-Tumler-Debütpreis ausgezeichnet. 2008 erschien ihr zweiter Roman Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik. Beide Bücher stießen auf ein begeistertes Echo im Feuilleton. Seit 2010 bringt sie darüber hinaus gemeinsam mit einem Musiker und Komponisten die Hörcomic-Serie Agent Zukunft heraus.
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    Emma Braslavsky, Ausschnitt aus Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik

    Aus
    Emma Braslavsky: Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik (c) 2008 Claassen Verlag in der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

    Herbert
    Vorbemerkung. Wo fange ich also an? Am besten hier: Auf Mutters Trockenboden steht immer noch der Karton mit meinen restlichen Sachen, zusätzlich zu all den anderen Dingen, die in einem Karton im Archiv des Polizeipräsidiums in Wroclaw mit der Aufschrift »Herbert Mehr ...

    Kathrin Schmidt

    Kathrin Schmidt

    © Alberto Novelli/Villa Massimo… wurde 1958 in Gotha geboren und studierte Sozialpsychologie in Jena. Sie arbeitete nach dem Studium als Psychologin, Redakteurin und Sozialwissenschaftlerin.
    1986 belegte sie einen Kurs am Literaturinstitut Leipzig und ist nun als freie Autorin tätig, die sowohl Prosa als auch Lyrik verfasst.
    Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Leonce- und Lena-Preis 1993. Den bislang größten Erfolg stellt ihr autobiographisch gefärbter Roman „Du stirbst nicht“ dar, der 2009 den Preis der SWR-Bestenliste sowie den Deutschen Buchpreis gewann. Der Roman schildert den Orientierungs- und Sprachverlust einer Schriftstellerin nach einer Hirnblutung und ihr Wiederfindungsprozess der Sprache. Kathrin Schmidt hat fünf Kinder und lebt in Berlin.

      Kathrin Schmidt, Ausschnitt aus
      Finito. Schwamm drüber.

      Ich hatte Popescu zum ersten Mal wahrgenommen, natürlich ohne seinen Namen zu kennen, als er mit den drei Dittman-Kindern vor meinem Haus, auf der staubigen, unbefestigten und kaum befahrenen Straße, Fußball spielte. (Ich wohne nicht in einer der hiesigen Villenstraßen, sondern in einem von solch einer Allee abzweigenden Seitenweg.)Mehr ...