Deshalb Stadt!

Farhana Ahmad – Menschenrechtlerin und Mitglied der Poetry Group Meghdut

Wo sind Sie geboren und aufgewachsen?

Ich bin in Dhaka geboren und größtenteils hier aufgewachsen.

Haben Sie in anderen Städten gelebt?

Ich habe als Kind für ein paar Jahre in Penang, Malaysia gelebt und für fast ein Jahr in Valencia, Spanien. Außerdem reise ich öfters in verschiedene Städte weltweit.

Wieso sind Sie in der Stadt geblieben?

Ich sage immer, dass für mich mit die größte Anziehungskraft dieser Stadt das Gefühl der Zugehörigkeit ist. Ich fühle, dass ich zu dieser Stadt gehöre, und die Stadt gehört zu mir. Vermutlich könnte ich überall auf der Welt leben, aber ich glaube nicht, dass es dort irgendein Gefühl von Bindung und Dazugehörigkeit geben würde.

Hat bzw. hatte die Stadt einen Einfluss auf Ihre Arbeit?

Ja, sie ist sehr mit der Stadt verbunden. Ich arbeite in der Stadt. Ich arbeite als Landeskoordinatorin von Bangladesch für White Ribbon Alliance for Safe Motherhood. Das ist ein Verband und Netzwerk. Es geht darum Leute auf einer gemeinsamen Plattform zusammen zu bekommen, damit wir als Interessensvertretung auf Politiker einwirken und Veränderungen herbeiführen können, damit Frauen einen besseren Gesundheitsschutz während der Mutterschaft erhalten, oder damit sie nicht während der Schwangerschaft oder der Geburt an vermeidbaren Todesfolgen sterben. Während die meisten Todesfälle sich auf dem Land ereignen, insbesondere in abgelegenen Gebieten, hat unsere Arbeit als Interessenverband zum Ziel, Druck auf die politischen Entscheidungsträger in der Stadt auszuüben. Und deshalb findet meine Arbeit in der Stadt statt.

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Stadt?

Die Menschen; ich bin fasziniert von den Menschen. Ich weiß nicht, ob es eine Einzigartigkeit  Dhakas ist, aber für mich sind die Menschen hier im Vergleich zu allen anderen Städten sehr freundlich. Falls du dich mal irgendwo verlaufen solltest und du fragst jemanden nach dem Weg, wirst du jemanden finden, der dir behilflich ist.
Diese Stadt hat viele Einschränkungen. Vielleicht haben wir nicht so viele Vorzüge vorzuweisen, aber dafür fühlst du dich hier selten einsam.

Wird Ihnen die Stadt manchmal „zuviel“?

Nein, nicht wirklich. Die Stadt erdrückt mich nicht. Es sind nur diese Verkehrsstaus und die Bevölkerungszahl, die dich wirklich hindern, reizen und deine Leistungsfähigkeit sinken lassen. Tatsachen, die du nicht unter Kontrolle hast. An manchen Tagen gehst du ins Büro und es gibt dort keinen Strom, und dann gehst du nach Hause und da gibt es auch keinen Strom – wie sollst du da deine Arbeit machen? Es ist sehr ermüdend.

Können Sie etwas mit dem Begriff „Freiheit“ im Zusammenhang mit Ihrer Stadt anfangen?

Die Stadt ist freundlich zu den Menschen. Diese Freundlichkeit gibt dir ein Gefühl von Freiheit.
Und es gibt vielfältige Beförderungsarten, die auf jedem Geldbeutel zugeschnitten sind, so dass es den Menschen die Möglichkeit gibt, sich in der Stadt frei zu bewegen. Oder wenn man an Überfälle im Zusammenhang mit Dhaka denkt - Überfälle sind weit häufiger in New York, London oder sonst wo. In dieser Hinsicht sehe einen großen Unterschied zwischen hier und dort.

Welcher öffentliche Ort / Raum ist für Sie „Ihre Stadt“ und gibt Ihnen das Gefühl der Verbundenheit mit der Stadt?

Ich denke das Hauptmerkmal dieser Stadt ist, dass die Stadt einen ganz eigenen Charakter hat. Die Stadt ist lebendig, sie ist eine lebende Stadt. Es gibt zwei Cafés, die mir das Gefühl vermitteln, dass sie überall auf der Welt zu Hause sein könnten. Ich liebe es, dort die Gelegenheit zu haben, nach der Arbeit zu entspannen. Eines ist das “Kozmo” und das andere ist  “Café Mango”.

Was ist das Besondere an diesem städtischen Raum für Sie?

Einige Städte können sehr einsam sein, Dhaka ist es niemals. Die Stadt gibt dir die Freiheit, Anschluss zu haben und zu kommunizieren.
Es gibt einige Städte, die sind nach der Abenddämmerung wie ausgestorben. Man sieht da kein Leben mehr. Dhaka hingegen ist sehr lebendig; in jedem Augenblick passiert etwas. Wie ich schon sagte, selbst wenn du alleine bist, fühlst du dich nicht einsam. Du kannst in ein Café gehen und dort herumsitzen und fühlst dich nicht einsam. Solche Orte sind wunderbar, um sich zu entspannen.

Imroz Hassan Chowdhury
führte das Gespräch. Er ist Fotograf, Redakteur des The Diplomatic Journal (Dhaka) und er nahm am Workshop „Deshalb Stadt!/Spirit of the City“ teil.

Copyright: Claudia Mack
März 2010