Klaus Meister – Maler und Bildhauer

Wo sind Sie geboren und aufgewachsen?
1953 in Kassel. Schule, Abitur, Grafik Design Studium - alles in Kassel bis 1978; danach Umzug nach Frankreich.
Wieso sind Sie zurückgekommen?
Weil ich meinte, nach 16 Jahren Abwesenheit einen Teil der früheren Faszination wieder zu finden, was nicht der Fall war. Und wegen der kulturellen Vielfalt, wegen des Kosmopolitischen, weil es eine Stadt ist, die nicht fertig ist, die sich selbst sucht und das eine kreative Dynamik erzeugt, in der ich, der sich auch ständig sucht, die Chance hat, sich zu finden.
Hat bzw. hatte die Stadt einen Einfluss auf Ihre Arbeit?
Indirekt natürlich, da ich die Eindrücke, die ich aufnehme, früher oder später verarbeite.
Zum Beispiel fand ich die Reiterstandbilder, die mich zu meinen jüngsten Plastiken inspiriert haben, an der Straße „Unter den Linden“ und auf der Museumsinsel.
Wird Ihnen die Stadt manchmal „zuviel“?
Ja, aber in meiner Lebensplanung war nie vorgesehen, ständig am gleichen Ort zu sein.
Können Sie etwas mit dem Begriff „Freiheit“ im Zusammenhang mit Ihrer Stadt anfangen?
Freiheit ist für mich und meine Arbeit wichtig, da ich mir jeden Tag die Freiheit nehme zu entscheiden, was ich male oder konzipiere. In Bezug auf Stadt ist der Begriff Freiheit in „meiner“ Stadt atmosphärisch zu verstehen – unter anderem auch als Anonymität. Insofern fühle ich mich hier in einem Frei(heits)raum.
Welcher öffentliche Ort / Raum ist für Sie „Ihre Stadt“ und gibt Ihnen das Gefühl der Verbundenheit mit Ihrer Stadt?
Ich lebe in meiner Stadt maximal 4 Monate im Jahr.
Ein Ort der mich fasziniert, an dem ich mich wohl fühle, ist der Platz zwischen Neues Museum und Alter Nationalgalerie. Der Platz hat eine Erhabenheit. Es ist ein Ort, an den viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern hinkommen. Das Sprachgewirr; die Mauern erzählen Geschichte. Das Gefühl an einem historischen und gegenwärtigen Ort zu sein, der zudem auch noch schön ist - all das tut mir gut und das brauche ich von Zeit zu Zeit. Nicht zu vergessen die Treppe der Alten Nationalgalerie - steigt man sie hoch, gibt es einen Moment, da ist nur Treppe und darüber nur der Himmel; der Himmel über Berlin.
Was ist das Besondere an diesem städtischen Raum für Sie?
Unverrückbar, ähnlich einer Kathedrale, in der man auch als Nichtgläubiger getragen wird von einer sakralen Ruhe, strahlt dieser Platz eine Zeitlosigkeit aus, eine stille Spannung, wo ich meine Gedanken ordnen kann, wo ich mich gern hinsetze und Menschen beobachte.
Ich spüre eine Verbundenheit, eine Art unausgesprochenen Konsens. Das alles funktioniert bei mir nur vor dem Hintergrund, als diese Gebäude Geschichte beherbergen. Die Geborgenheit, die mir dieser Platz vermittelt, resultiert ebenfalls aus der Tatsache, dass er dazu auch offen ist und mir als latent urbanem Klaustrophob eine Rückzugsmöglichkeit lässt.
Und die Treppe der Alten Nationalgalerie ist für mich wichtig als Diagonale nach oben in den freien Raum. Ich erfahre ein vertrautes Gefühl des „Frei-seins“; eine Leichtigkeit.
Wie soll Ihre Stadt in zwanzig Jahren sein?
Meine Stadt soll mehr in die Vertikale wachsen. Sie soll Ihre Stärke, das Unprätentiöse, mit mehr Kreativität und Mut zum Neuen zu einer klaren und spannenden Urbanität entwickeln. Sie soll Freiräume bewahren und entwickeln. Sie soll eine Stadt sein, in der man bewusst unkontrollierte Inseln toleriert.
führte das Gespräch. Sie ist Architektin und arbeitet in den Bereichen Architektur / Städtebau / interdisziplinäre Kulturprojekte.
http://www.c-mack.de
Copyright: Claudia Mack
Mai 2010



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