Ronni Ahmmed – Maler und Schriftsteller

Wo sind Sie geboren und aufgewachsen?
Ich wurde in Moghbazar, Dhaka geboren und habe dort bis 1983 gelebt; derzeit wohne ich in Uttara.
Haben Sie in anderen Städten gelebt?
Nicht wirklich, aber ich war in Perth, West-Australien für eine kurze Zeit. Vielleicht werde ich mich in der Zukunft dort niederlassen.
Hat bzw. hatte die Stadt einen Einfluss auf Ihre Arbeit?
Ja, meine Arbeit steht in Beziehung zu meiner Stadt, aber nicht in einer herkömmlichen oder direkten Weise. Der Geist dieser Stadt taucht in meinen Kompositionen und Farben und in meinen anderen konzeptionellen Arbeiten als ein vielschichtiger, metaphysischer Vorgang auf. Dhaka ist sehr komplex, bisweilen spiegelt meine Arbeit die ungeplante Architektur und Systematik der Stadt in Form einer absurd verworrenen, surrealen Wirklichkeit. Hin und wieder reflektiert meine Arbeit auch dunklere Bilder einer bedrohlichen Umwelt, mit der ich zu kämpfen habe.
Was schätzen Sie besonders an Ihrer Stadt?
Ich mag Dhaka, weil eine enorme Energie durch die Stadt fließt. Insbesondere die Aufopferung der armen Leute, die die Stadt am Leben erhalten; sie haben ein großes Herz. Auch mag ich diese Stadt wegen ihrer wachsenden Kunst- und Kulturszene und wegen der künstlerischen Menschen, die mich umgeben. Manchmal genieße ich das verbliebene Grün, das mein Gemüt besänftigt. Ich genieße das alte Dhaka wegen der eigenen Architektur, Kultur, Speisen und seiner Geschichte. Außerdem genieße ich das Nebeneinander von Technologie und „Vor-Technischem“. Man sieht beispielsweise in Dhaka sehr teure, neue Autos direkt neben einem einfachen Mann, der eine Rickshaw fährt oder einen Wagen zieht. Ein Beispiel ohne Gleichen für einen Kapitalismus, der in einem unterentwickelten Land entsteht. Doch vor allem mag ich Dhaka, weil ich hier geboren bin.
Können Sie etwas mit dem Begriff „Freiheit“ im Zusammenhang mit Ihrer Stadt anfangen?
Obwohl die Stadt in vielerlei Hinsicht ungeplant ist, bietet sie doch mehr Freiheit. Auf eine bestimmte Weise genießen die Leute in Dhaka sogar die Freiheit des Nichtfunktionierens. Der Lebensunterhalt ist hier günstiger, verglichen mit anderen Großstädten der Welt, und die Polizei ist nicht so peinlich genau, so dass man in den Genuss eines großen Maßes an Nachgiebigkeit kommt – vorausgesetzt du bist ein guter Mensch. Kulturelle Freiheit ist nicht so weit verbreitet, aber doch vorhanden. Du kannst die Freundlichkeit der Leute um dich herum genießen und man kann sich an gutem Essen, Kunst und Musik erfreuen. Es gibt die Freiheit, hier ein neues Gewerbe oder eine Geschäftsidee auf den Markt zu bringen, denn Dhaka ist noch immer eine blühende und wachsende Stadt. Und man kann sich, im Vergleich zu den anderen Megastädten der Welt, über die Freiheit des „schnellen Geld machens“ erfreuen.
Welcher öffentliche Ort / Raum ist für Sie „Ihre Stadt“ und gibt Ihnen das Gefühl der Verbundenheit mit der Stadt?
Ich bin ein kultureller Mensch und deshalb mag ich die „Alliance Francaise”. Sie verkörpert eine andere Kultur und ich fühle mich wohl an diesem Ort. Die Kaffeehauskultur, die Kultur der Künste. Ich mag die Lebendigkeit dieses Ortes.
Was ist das Besondere an diesem städtischen Raum für Sie?
Mit einer Tasse Tee im Cafe zu sitzen und alle meine alten Freunde zu treffen. Es ist wie ein offener Club. Viele Künstler, Dichter, Maler – solche Leute kommen hier her. Hier kannst du für dich sein oder unter Leuten. Die Kultur ist es, was diesen Ort so besonders für mich macht.
Wie soll Ihre Stadt in zwanzig Jahren sein?
Zuerst sollte der Verkehr geregelt werden. Ich glaube, das ist auch ein wichtiger Faktor für unsere Wirtschaft. Man sollte sich um die Lebensbedingungen in den Slums kümmern. Ich möchte Dhaka als eine geplante Stadt mit großen, offenen Räumen sehen. Diese Stadt soll wie andere entwickelte Städte sein und ihre Menschen sollen Frieden haben.
führte das Gespräch. Sie studiert Architektur an der BRAC University Dhaka und nahm an dem Workshop „Deshalb Stadt!/Spirit of the City“ teil.
Copyright: Claudia Mack
März 2010



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