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Marina Caputo
Ich kam im Oktober 2007 nach Paris. Damals schrieb ich an meiner Doktorarbeit und war begeistert von der Idee, eine Weile im Ausland zu forschen.
Meine Begeisterung wuchs noch bei meiner Ankunft in der Hauptstadt, die ich nie zuvor besucht hatte. Nicht nur wegen des kulturellen Lebens, das sie von anderen unterscheidet, und das sie für all diejenigen einzigartig macht, die einen Großteil ihrer Zeit der kreativen Arbeit widmen.
Deshalb habe ich meinen Forschungsaufenthalt verlängert und bin nach dem Ende des Doktorats nicht nach Italien zurückgekehrt. Die Berufsaussichten waren in meiner Heimat nicht vielversprechender als anderswo. Darüber hinaus wollte ich ungern den Ort verlassen, an dem ich noch so viel vorhatte.
So suchte ich mir eine Arbeit, die während der damaligen beruflichen Übergangsphase meine finanzielle Unabhängigkeit garantierte. Das war nicht leicht, aber dafür wuchsen zu meiner ebenfalls wachsenden Befriedigung gleichzeitig meine Kenntnis der Stadt sowie der französischen Sprache und Kultur. Außerdem lernte ich immer mehr interessante Menschen kennen, Franzosen ebenso wie Ausländer. Dafür waren mein Aufenthalt an der Cité Universitaire nach meiner Ankunft sowie mein Interesse für Musik und Gesang von entscheidender Bedeutung.
Um meine berufliche Situation zu verbessern, schrieb ich mich an einer Grande École für einen Pro-Master-Kurs ein. Die Tage waren lang und voller Termine – schließlich arbeitete ich noch parallel zum Studium – aber auch außergewöhnlich lebendig und anregend.
Dann folgten die ersten qualifizierten Berufserfahrungen und damit der Stress. Mit der Zeit begann ich mich zu fragen, ob die Nachteile des hiesigen Aufenthalts nicht zu überwiegen drohten. Denn die Großstadt erzwang ihren eigenen Rhythmus, der mit häufigen Ortswechseln, wenig Ruhezeit, hohen Lebenskosten und einer kleinen Wohnung viel Zeit und Geld kostete.
So habe ich ernsthaft in Erwägung gezogen, Frankreich wieder zu verlassen.
Noch weiß ich nicht, was ich tun werde, meine Zukunft bleibt ungewiss. Paris und Frankreich im Allgemeinen bieten im Moment jedenfalls mehr Möglichkeiten als mein eigenes Land. Das macht mich als Italienerin wirklich wütend!
Trotz der erwähnten Schwierigkeiten und möglicher Integrationsschwierigkeiten, von denen ich persönlich allerdings nichts gemerkt habe, sind die beruflichen Möglichkeiten hier einfach größer. Für diejenigen, die in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind, ist es ehrlich gesagt sehr schwer, von einem Land mit einem problematischen aber funktionierenden Sozialstaat wie Frankreich nach Italien zu wechseln, wo dieser leider einzig aus der eigenen Familie besteht!
Deshalb verstehe ich diejenigen sehr gut, die unabhängig von Studium und Ausbildung aus beruflichen Gründen ihre Heimat verlassen, aber andererseits weiß ich nicht genau, was ich denjenigen raten soll, die darüber nachdenken, ob sie es selbst anderswo versuchen sollten. Arbeiten ist notwendig, aber berufliche Selbstverwirklichung ist etwas anderes. Letztere ist nur ein Teil des Lebens eines jeden und hat nicht für alle die gleiche Bedeutung. Denn die Werte, Erfahrungen, Bindungen, schlicht das Leben eines jeden sind anders.
Das sind aus meiner Erfahrung die wichtigsten Elemente für eine solche Entscheidung.




