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Célia Mateus
Ich bin sehr glücklich in Mascherode bei Braunschweig. Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland. Ein geflügeltes Wort in der Stadt Vilamoura an der portugiesischen Algarve lautet: „Não nasci aqui, mas sou de cá“ – Ich bin nicht hier geboren, aber ich bin hier zuhause – eine Anspielung auf die Menschen, die es immer wieder an einen Ort zieht, weil sie sich ihm heimatlich verbunden fühlen.
Und genauso geht es auch mir: Ich bin im Herzen Portugiesin, fühle mich aber ebenso dem Land zugehörig, das mich mit offenen Armen aufnahm und mich ohne Wenn und Aber akzeptiert hat, ohne zu fragen, warum ich gekommen bin und ohne zu wissen, wann ich wieder fortgehe.
Als ich hier ankam, hatte ich Angst, ausgestoßen, an den Rand gedrängt und missachtet zu werden – nicht, weil ich etwas verbrochen gehabt hätte, sondern weil ich bereits in meinem eigenen Land, in Portugal, immer wieder Anzeichen von Hass und Rassismus erlebt hatte, insbesondere gegenüber afrikanischen Volksgruppen, sowie in jüngerer Zeit gegenüber Menschen aus Osteuropa. Ich weiß noch, dass ich als junges Mädchen gedacht habe: „Welch ein Pech, dass dieses Kind schwarz geboren ist, es wird in diesem Land keine große Zukunft haben, es wird kämpfen müssen, um studieren zu können, es wird hart kämpfen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen“.
Aber meine Ankunft in Deutschland widersprach all meinen Erwartungen, war ich doch davon ausgegangen, dass die Menschen dieses Landes aufgrund der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs kalt, distanziert und arrogant geworden seien. Je besser ich Land und Leute kennenlernte, stellte ich fest, dass ich es mit einem offenen und liebenswürdigen Volk ohne Vorurteile zu tun hatte.
Da machte es nichts aus, dass ich kaum ein Wort Deutsch konnte. Sie verstanden meine Entscheidung, meinen Mann während seines beruflichen Aufenthalts zu begleiten, da sie selbst ebenso gehandelt hätten. Sie waren bereit, mir alles Nötige zu zeigen – wo die Supermärkte waren, wo ich Brot kaufen konnte und wo sie selbst ihre Einkäufe erledigten. Sie luden mich zu Grillfesten in ihre Gärten ein. Ich war begeistert. Sie achteten weder auf meine heißgeliebten ausgefransten und verwaschenen Jeans, noch auf meine grauen Haare, die eine Tönung hätten vertragen können. Sie sahen mich einfach als sympathische und liebenswürdige Person, die Hilfe bei der Eingewöhnung brauchte.
Dieses Gefühl hatte ich bei meinen Nachbarn ebenso wie bei den Verkäuferinnen im Supermarkt, die sich trotz ihrer geringen Englischkenntnisse sehr bemühten, mich zu verstehen. Außerdem stieß ich bei den Erzieherinnen und später bei den Lehrerinnen meines Sohnes auf großes Verständnis.
Noch arbeite ich nicht, weil ich die Sprache nicht beherrsche, aber ich habe jetzt keine Angst mehr, mich auf der Straße zu verlaufen und nicht mehr nach Hause zu finden, weil ich weiß, dass ich Hilfe bekomme, auch wenn ich Ausländerin bin und sie keine Ahnung haben, woher ich komme.
Ich fühle mich wohl in Deutschland. Ich mag dieses Land, das auch ohne Sonne und unseren blauen Himmel eine menschliche Wärme zu bieten hat, die ich nicht für möglich gehalten hätte. „Ich bin nicht hier geboren, aber ich bin hier zuhause“.




