Angekommen? – Mobile Europäer berichten

Pescara, Italien
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Vilvorde, Belgien

Alberto De Angelis

Das Friseurhandwerk habe ich schon im Alter von elf Jahren begonnen. Später absolvierte ich eine Ausbildung an der nationalen Friseurakademie Italiens. Ich habe immer als Friseur gearbeitet, anfangs allerdings für die Werbebranche: Ich frisierte Leute, die in Reklamespots im Fernsehen auftraten. Aber um das Jahr 2000 herum erlebte der Sektor eine Krise, die Gehälter fielen um die Hälfte und ich verließ Italien, um für das belgische Fernsehen zu arbeiten. Nach einer Weile sagte ich zu meiner Frau: „Lass uns nach Italien zurückgehen“! Aber sie wollte nicht, und so entschieden wir uns, einen Friseursalon zu eröffnen. Am Anfang waren wir drei Partner und hatten zusammen vier Salons, aber nach einiger Zeit mussten wir zwei wieder verkaufen. Es war nicht wegen der Krise, es wurde uns einfach zu viel. Die zwei Salons, die wir jetzt noch haben, sind im Brüsseler Europa-Viertel, da gibt es immer genug Kunden.

Ich habe mich schnell in Belgien eingelebt. Ich hatte in der Schule kein Französisch, habe es aber im Umgang mit den Kunden rasch gelernt. Früher lebte ich eine Zeit lang in Deutschland, in Böblingen, und dort war die Sprache ein großes Hindernis für mich.

Belgien ist ein Land, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt. Ich schätze es sehr, dass hier Leute verschiedener Herkunft leben. Eigentlich reise ich gerne, um neue Bekanntschaften zu machen. Aber in Brüssel ist das nicht nötig, hier trifft man Leute aus der ganzen Welt! Allerdings finde ich es schwierig, die belgische Kultur zu definieren. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich nie einen Kulturschock erlebt habe.

Trotz allem bleibt Italien meine Heimat. Ich verbringe dort den ganzen August und sogar am Wochenende fahre ich manchmal dorthin. Was mir in Belgien fehlt, ist das italienische Klima. Die kulinarischen Spezialitäten auch, aber ich koche gut, deshalb ist das kein großes Problem. Italien ist ein schönes Land mit einer guten Küche und einer reichen Kultur, aber die politische Situation ist erbärmlich. Seit ich in Belgien lebe, gehe ich nicht mehr wählen. Aber für meine Familie in Italien hoffe ich, dass sich die Situation verbessern wird.

Meine Frau, eine Rumänin, und ich haben drei Kinder: Eines ist in Italien geboren, eines in Rumänien und eines in Belgien. Manchmal scherze ich mit ihnen und sage, sie wären echte Belgier – aber eigentlich fühlen sie sich weder als Belgier, noch als Italiener oder Rumänen. Zu Hause sprechen wir Italienisch und schauen nur italienische Fernsehprogramme. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder diese Sprache nicht vergessen.

Mein Sohn ist auch Friseur und ich werde ihm helfen, ins Ausland zu gehen. Ich reise die ganze Zeit, um zu schauen, was die anderen so machen. Man muss sich bewegen und die anderen beobachten, denn man lernt nie aus. Das Friseurhandwerk lebt von der Fantasie und das Schönste an dieser Arbeit ist, verschiedene Stile und Techniken zu vermischen. So habe ich meinen eigenen Stil gefunden: eine Mischung aus italienischen, französischen, englischen, belgischen Elementen … Ein bisschen was von Allem ergibt dann wieder etwas ganz Neues!

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