Angekommen? – Mobile Europäer berichten

Lamego, Portugal
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Brüssel, Belgien

Miguel Albuquerque

In meinem letzten Studienjahr erhielt ich eine E-Mail mit einem Stellenangebot für jemanden aus unserem Fachbereich für einen Arbeitsplatz in Belgien. Ich beschloss, mich zu bewerben. Damals wussten weder ich noch meine Kommilitonen, wo wir nach unserem Studium arbeiten würden, obwohl einige von uns, wie ich, bereits Erfahrungen in Unternehmen gesammelt hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie ernsthaft darüber nachgedacht, im Ausland zu arbeiten. Diese Gelegenheit schien mir jedoch zu gut, um sie nicht zu ergreifen. Unerfahren wie ich damals war, hielt ich es für eine gute Idee, einige Jahre im Ausland zu arbeiten. Ich dachte, dass ich mit dieser Erfahrung im Lebenslauf bei meiner Rückkehr nach Portugal etwas Besseres finden könnte.

Der Umzug an sich wurde dadurch erleichtert, dass einer meiner Verwandten bereits in Belgien wohnte. Er hat mir sehr geholfen, mich zurechtzufinden, und ich habe sogar einige Jahre bei ihm gewohnt.

Es war allerdings sehr schwer, meine Familie und meine Freunde zurückzulassen. Auch meine seit Jahren bestehende Beziehung ging aufgrund der Entfernung und der langen Dauer in die Brüche. Die emotionale Belastung durch die Trennung von den Menschen und den Dingen, die ich seit jeher kannte, wurde im ersten Jahr immer stärker und war nur schwer zu überwinden. Schon damals dachte ich darüber nach, länger in Belgien zu bleiben als ursprünglich geplant. Es wurde mir klar, dass ich in Portugal keine Stelle mit vergleichbaren Bedingungen wie in meinem damaligen Beruf finden würde.

Brüssel ist eine Stadt, in die viele ausländische Arbeitskräfte kommen, besonders aufgrund der Europäischen Union und des mit ihr verbundenen Umfelds. Ich habe Freunde gefunden, sowohl bei der Arbeit als auch privat. Allerdings befinden sich die meisten in der gleichen Situation wie ich. Obwohl viele Belgien bereits verlassen haben, sind doch noch viele hier, und wir treffen uns regelmäßig.

In Belgien habe ich auch meine Frau kennengelernt. Wir haben eine gemeinsame Tochter und haben ein Haus gekauft. Es gab kein Zurück mehr. Mit einem geregelten Leben, einem festen Job und einer Familie ist es jetzt viel schwerer, nach Portugal zurückzukehren oder in ein anderes Land auszuwandern.

Das Leben in Brüssel ist angenehm. Die Stadt hat viele Grünflächen, eine gute Infrastruktur und ist nicht zu groß. Aufgrund der starken Internationalisierung der Stadt finden gut qualifizierte Ausländer leicht einen guten Job, leichter als zum Beispiel in einer Stadt in Portugal. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man die momentane Krise in Brüssel nicht so sehr spürt, neben dem normalen Kommen und Gehen und der beruflichen Dynamik …

Im Grunde genommen bietet Europa viele Möglichkeiten. Man muss sie nur suchen und bereit sein, seine Heimat und seine gewohnte Umgebung zu verlassen. Auswandern ist ein Phänomen, dass immer mehr mit jungen qualifizierten Arbeitskräften in Verbindung gebracht wird, die auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und besseren Gehältern sind. Und dank neuer Technologien und immer billigeren Flügen ist Auswandern heute so leicht wie nie zuvor.

Ich bin immer froh, wenn ich nach Portugal zurückkomme und meine Familie und Freunde wiedersehe, aber Brüssel ist schon seit vielen Jahren meine Heimat.

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