Angekommen? – Mobile Europäer berichten

Albi, Frankreich
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Antwerpen, Belgien

Laurent Olives

In Frankreich habe ich Kunst studiert. 1994 kam ich nach Belgien, um Freunde zu besuchen. Meine Großmutter und meine Großtante hatten ein Restaurant. So kam ich auf die Idee, erst einmal in Restaurants zu jobben. Eines Tages habe ich dann mein eigenes Restaurant eröffnet, es heißt À la ville und liegt im Zentrum von Antwerpen. Es hat einiges an Geduld gekostet, aber Schritt für Schritt ist es mir gelungen. Mit der Bürokratie war es damals jedenfalls einfacher als heute.

Obwohl die belgische Küche ja auch sehr bekannt ist, habe ich mich entschieden, mich auf die südfranzösische Küche zu beschränken. Es hat ein bisschen gedauert, bis sich die Leute hier an den Geschmack des Südens gewöhnt hatten. Aber nach und nach ist es mir gelungen, sie zu überzeugen. Sehr beliebt ist unsere Spezialität des Hauses, eine Bouillabaisse, die wir jeden Mittwochabend servieren.

Von Anfang an habe ich hier in Belgien sehr viel gearbeitet. Der Kontakt mit den Leuten ist mir nie schwer gefallen. Die Kultur ist sehr zugänglich und offen. Die einzige Herausforderung war die Sprache. Ich habe Flämisch-Unterricht genommen und kann mich jetzt schon recht gut unterhalten.

Ich kenne hier in der Stadt keine Franzosen und habe auch keine französischen Gäste. Antwerpen ist nicht so eine internationale Stadt wie Brüssel. Unsere Gäste kommen vor allem aus der Stadt und dem Umland. Aber das ist auch gut so, sonst hätte ich hier ja ein kleines Frankreich erschaffen und das war nicht das Ziel. Aber die Flamen sind Leute, die viel reisen und daher auch Frankreich gut kennen.

Mein Team ist sehr international, alle Kontinente sind vertreten. Untereinander sprechen wir eine eigene Sprache, die wir erfunden haben. Es ist ein Mischmasch aus allen möglichen Sprachen, Französisch, Georgisch, Bengalisch, Nepalesisch, Spanisch … Mein nepalesischer Kollege spricht zum Beispiel sehr gut Flämisch, aber da unsere Karte auf Französisch ist, benutzt er die französischen Bezeichnungen für die Gerichte und wir antworten ihm dann auf Englisch mit einem katastrophalen Akzent – es ist wirklich eine unglaubliche Mischung, aber wir verstehen einander!

In Belgien fühle ich mich zu Hause. Manchmal fahre ich zurück nach Frankreich, wo meine ganze Familie wohnt. Aber ich habe keine Ahnung, ob ich jemals zurückkehren werde.

Ich habe immer schon Leute gemocht, die sich bewegen. Die Offenheit, über die sie verfügen, finde ich sehr wichtig. Mobilität ist eine Frage des Wollens und auch der Weiterbildung. Man sollte auch Leuten eine Chance geben, die aus ärmeren Ländern kommen. In einer Gesellschaft, die wie unsere gerade eine Krise erlebt, muss man Grenzen überschreiten und Sprachbarrieren überwinden.

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