Veranstaltungen

Meine Familie und Ich

Ursula Priess (Tochter von Max Frisch) und Susanne Schädlich (Tochter von Hans Joachim Schädlich)

Literatur
08.02.2010
20:00 Uhr
Goethe-Institut Brüssel, Rue Belliard 58 | Belliardstraat 58, 1040 Brüssel
Deutsch
Eintritt frei
+32 2 2345786
Um Anmeldung wird gebeten:
info@bruessel.goethe.org
Das Goethe-Institut widmet sich der Familie. Als bürgerlich kritisiert, unter wirtschaftlichem Druck fast untergegangen, scheint die Familie in unserer Gesellschaft neue Anerkennung zu gewinnen. Faszinierend ist seit eh und je die Ambivalenz von Nähe und Autorität, von Selbstverlust und Selbstentfaltung, von Geben und Nehmen. Die Familie produziert fortwährend neue Geschichten, die stets den Geist der Zeit widerspiegeln.

Im Rahmen unserer ersten Abendveranstaltung übergeben wir das Wort an Ursula Priess, Tochter von Max Frisch und Susanne Schädlich, Tochter von Hans Joachim Schädlich. Die Töchter berühmter Väter lesen aus ihren neulich erschienenen Büchern über ihre Familien. Das anschließende Gespräch mit dem Publikum wird moderiert von Prof. Dr. Em. Daniel De Vin.


Ursula Priess: Sturz durch alle Spiegel. Eine Bestandsaufnahme.
AMMANN Verlag, 2009

"Der Max Frisch also, der ist Ihr Vater!?"

Eine Frau und ein Mann treffen sich in Venedig. Sie wissen fast nichts voneinander, aber schon bald stellt sich heraus, dass es in ihren Vorgeschichten  fatale Überschneidungen gibt.  Der Mann kannte Ingeborg Bachmann zu jener Zeit, als diese mit dem Vater der Frau, Max Frisch, zusammenlebte. Je länger die beiden durch Venedig schlendern, umso deutlicher wird ihr: der Mann muss jenes nicht zu greifende Phantom gewesen sein, an dem ihr Vater in seiner Eifersucht schier zerbrochen war.
Die Begegnung in Venedig endet verhängnisvoll. Der Mann flieht - aus Angst, wie er später gesteht, Angst vor Verstrickung, und die Frau stürzt durch alle bis dahin sicher geglaubten Selbstbilder "durch alle Spiegel".  Die "Bestandsaufnahme" gibt ein bewegendes Zeugnis vom Versuch der Tochter, die Beziehung zum Vater neu zu sichten. Ein wahres, ein wahrhaftiges Tochter-Vater-Buch.


Susanne Schädlich: Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich.
Droemer, 2009

"Susanne Schädlich hat das Buch gegen die DDR-Nostalgie und die Stasi-Verharmlosung geschrieben. Gerade weil sie nicht anklagt, sondern einfach beschreibt, wie sehr das System in die Familien eingedrungen ist und sie zerstörte (..)" - Vera Lengsfeld

Alles sollte anders werden, als die Familie des Regimekritikers Hans Joachim Schädlich im Dezember 1977 die DDR verließ. Doch es war der Beginn einer dramatischer Zerreißprobe. In ihren Erinnerungen erzählt die Tochter Susanne Schädlich von Vertrauen und Verrat in der eigenen Familie und von der Suche nach Identität im geteilten Deutschland. Ihre Erzählung umfasst 30 Jahre - sie endet im Dezember 2007, als sich der Onkel Karlheinz Schädlich, der die Familie und ihre Kontakte zu Schriftstellern und Oppositionellen in Ost und West jahrzehntelang als IM ausspioniert hatte, selbst erschoss.  Die vielschichtige Erzählung ist auch die Rekonstruktion und das unheimliche Protokoll einer geplanten Zersetzung der Familie: Susanne Schädlich erzählt vom langen Arm der Stasi im Westen, die mit Hilfe des Onkels sogar versuchte, den Vater und sie selbst in die DDR zurückzulocken.

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