Lissabon

Retrospektive „We-Traders Lissabon“

© Foto: Francisco Jorge Nenclares
© Foto: Francisco Jorge Nenclares

Am 2. November schloss die We-Traders Ausstellung in Lissabon, Höhepunkt der Finissage war ein sehr beindruckendes Konzert des Jugendorchesters „Camerata de Cordas da Orquestra Municipal Geração da Amadora“: eine interessante Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Stücken begeisterte das Publikum.

Vom 3. Oktober bis 2. November bot We-Traders Lissabon ein buntes Programm, hunderte Besucher aus verschiedensten Ländern, sowie das Projektteam kamen um die Wanderausstellung zu sehen, und hatten darüber hinaus die Gelegenheit am vielfältigen lokalen Programm teilzunehmen.

Mit Workshops, Diskussionsrunden und Präsentationen stellten die We-Traders Lissabon folgende Projekte vor: O Espelho, A Linha, Agulha num Palheiro, BIP-ZIP sowie die Gemeinschaftsküche Cozinha Popular da Mouraria. Auch We-Traders aus Turin und Toulouse waren mit den Projekten AERA / Le potager de Camille und Il Piccolo Cinema mit dabei. Weitere Programmpunkte mit den Themen Urban Intervention, Gemeinschaftsarbeit, Recycling, Integration und kulturelle Vielfältigkeit waren:

eine Präsentation von Prof. Roque Amaro, ISCTE, über Sozialökonomie und Solidarwirtschaft; ein REMIX Projekt Workshop über Eco Design; Banco de Tempo (Zeitbank), mit der Organisation GRAAL; Die Themen Public Space und Demokratie wurden lebhaft debattiert in einer Diskussion veranstaltet von Arteria. Gastsprecher Susana Ventura und Patrícia Santos Pedrosa verdeutlichten den Einfluss von Bildung, Kommunikationsmitteln und Regeln im öffentlichen Raum; Urban Art und Architektur - Integration und Transformation präsentiert von Prof. António Lima, FAUL; What kind of public Space promotes social cohesion? BIP-ZIP-ING mit Miguel Brito, USER, 2 de Maio todos os dias, Casa do Vapor, REMIX, Patio Ambulante;

Stéphane Gruet, co-Kurator aus Toulouse leitete eine Diskussionsrunde zum Thema SOUS LA VILLE, LA CRISE! Hugo Cardoso von der Gemeinde Loures stellte das sozial sehr relevante EU Projekt „Kommunikation für Vielfalt C4I“ vor. Das Theaterstück "Mukur, Mukur" der Gruppe Teatro IBISCO und die Präsentation ABOTA (Neighborhood Actions for Work Opportunity and Autonomy) unterstrichen die einzigartige kulturelle Vielfalt der Hauptstadt. Eine weitere Organisation im Programm war die Associação ARISCO, ein Projekt zur Förderung von Gesundheit und sozialer Integration, und der Poesieworkshop mit Poetas sem Rede. Außerdem wurden We-Traders Open Call Gewinner Dream Circus aus Berlin und Patio de Dom Fradique aus Lissabon vorgestellt.

Das Goethe-Institut Lissabon (Claudia Hahn-Raabe, Institutsleiterin, Adriana Delgado Martins und Karina Müller, lokale Koordinatorinnen) und die Kuratorin Julia Albani bedanken sich herzlich bei allen Beteiligten, Besuchern, und der Facebook Community!

Hier noch einige Impressionen der Ausstellung:


Fotos: Francisco Jorge Nenclares

11. November 2014 von Admin
Tags: Lissabon

    GEWINNER OPEN CALL LISSABON

    © Carlos Aragão
    Gewinner Open Call Lissabon: Pátio de Dom Fradique von Carlos Aragão © Carlos Aragão
    Vergrößern

    Gewinner Open Call Lissabon: Pátio de Dom Fradique von Carlos Aragão © Carlos Aragão

    PÁTIO DE DOM FRADIQUE. Ein Wohn- und Arbeitsraum für Lissabons Zukunftsdenker
    von Carlos Aragão

    Auf jenem Hügel, wo Lissabon gegründet wurde, in einer friedlichen und geschützten Umgebung und geprägt von einem charakteristischen Gemeinschaftssinn, steht der Pátio de Dom Fradique seit mehr als einem Jahrzehnt leer. Diese ruinöse Situation ist natürlich traurig. Noch erschreckender aber ist die Vorstellung, ein solch besonderes Erbe (wie den Großteil unserer Altstadt) in eine Art, auf High-Class-Touristen ausgerichtete, Geldmaschine verwandelt zu sehen – durch Revitalisierungsverfahren, die in der Regel weder auf die gesellschaftliche Spiritualität des Ortes noch auf seinen Wert für die lokale Kultur Rücksicht nehmen.

    Aus diesem Grund stellen wir uns diesen Platz als ein Symbol für einen anderen Weg der Stadterhaltung vor – als ein Manifest dafür, dass andere Arten von Lösungen gefunden werden können und müssen – vor allem in Krisenzeiten. Wir schlagen eine Revitalisierung des Komplexes in Form eines Zentrums für urbane Innovation vor - einen Ort für alle, die bereit sind, ein Projekt mit Nutzen für die Stadt zu entwickeln, und dabei die Erfahrung machen wollen, jeweils ein Jahr lang, im Turnus wechselnd, gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen zu leben und zu arbeiten, und dabei Probleme aufzuzeigen, Strategien zu diskutieren und Ideen zu entwickeln, die einen Mehrwert für Lissabon darstellen.

     
     

      LISBON CELEBRATES ARRIVAL & OPENING OF WE-TRADERS

      Julia Albani
      Julia Albani

      Over the course of 5 weeks between 3 October and 2 November, through a dense programme of exhibition, parliaments, workshops, cooking, conversations, plays, tours, debates and civic actions, everyone is invited to join the We-Traders experience at the LX Factory!

      More infos and dates can be found on the We-Traders Facebook-Page. Winner Open Call Lissabon

      3 October by admin
      Tags: Lisbon

      Impressionen zum Mercado do Forno do Tijolo, Veranstaltungsort des We-Traders Forum Lissabon

      © Jürgen Willinghöfer
      © Jürgen Willinghöfer

      Hier lebt kein Konsumpotential. Die alten Kunden gibt es nicht mehr, oder sie gehen nach nebenan zu Lidl, der von neun bis neun geöffnet hat. Hier, in der Markthalle, sind die gewohnten Öffnungszeiten immer noch von fünf bis dreizehn Uhr, von früh, wenn der frische Fisch angeliefert wird, bis mittags. In der Halle herrscht um zehn Uhr schon gähnende Leere. Kaum ein Stand zeigt noch Waren. Am Abend füttert eine alte Frau hunderte von Tauben. Von den vormals 30 bis 40 Märkten existieren in Lissabon immer weniger. Einige schaffen die Wende hin zu einem spezialisierten Feinkostmarkt, aber die meisten verschwinden einfach.

      Was mit leeren Räumen alles angestellt werden kann, zeigt uns Bernardo Gaeiras, ein in Amsterdam ausgebildeter Designer, der ein FabLab für die Stadt Lissabon in einem der Nebengebäude, einer alten Hasenschlachterei, betreibt. Das Signum mit den triskelenisch angeordneten Hasen an einer Wand des FabLab gäbe ein gutes Logo ab, ist dieser Ort doch ein Markt auf Gegenseitigkeit; Es geht um das Teilen von Infrastruktur, die für jeden Einzelnen viel zu teuer ist: 3D-Printer, Laser-Cutter, CNC-Router, Desktop-Miller und Vinyl-Cutter. Wer seine Pläne anschließend teilt, darf die Maschinen gratis nutzen. Learning by Doing. Die alten Schlachträume wurden nur minimal saniert: Toiletten, ein paar Türen und das Licht wurden eingebaut, alles weitere wird sich schon entwickeln. Dass am Abend dann nicht die alte Frau hunderte von Tauben füttert, sondern ein umgebauter Mercedeslaster der Feuerwehr Gerhardsried, die pátio ambulante, die Besucher des We-Traders Forum mit Wein und Broten bewirtet, ist vielleicht ein Zeichen für Wandel. Vielleicht entsteht hier ein dreihasiges Produktionspotential!

      15. November 2013 von Sonja Beeck und Jürgen Willinghöfer, Weltstadt-Korrespondenten
      Tags: Lissabon

      Nachlese: Vier We-Traders Foren in Lissabon, Madrid, Turin und Toulouse

      © Yukai Ebisuno & Raffaella Mantegazza
      © Yukai Ebisuno & Raffaella Mantegazza

      Wie zeigt sich eigentlich die Krise, von der alle sprechen? Haben sich die Städte verändert? Wo kommen die We-Traders her und was verbindet sie? Und wie können solche Fragen in der Wanderausstellung 2014 verhandelt werden? Daran hat die We-Traders Community im Oktober 2013 bei den Foren in Lissabon, Madrid, Turin und Toulouse gearbeitet. Hier eine kurze Nachlese.

      Stadt und Krise

      „Das Problem ist nicht eine kapitalistische Ökonomie, sondern eine kapitalistische Gesellschaft”, diagnostiziert der Soziologe Claus Leggewie beim We-Traders Forum in Lissabon. Eine politische Krise sehen auch Maria João Guardão und Maria Tengarrinha vom O Espelho – und eine Krise der Medien. Sie begannen ihre Wandzeitung „an dem Tag als Angela Merkel nach Portugal kam.“

      Unsere Turiner Ko-Kuratorinnen, Lisa Parola und Luisa Perlo, orten in ihrer Stadt neben der finanziellen Misere eine akute Identitätskrise. Gemeinsam mit dem Stadtgeografen Carlo Salone warnen sie vor einer „Disneyfizierung“ der Kultur, angesichts der inflationären Festivalkultur, mit der sich das postindustrielle Turin neu erfinden will. Beim Madrider We-Traders Forum ruft Santiago Eraso, der mitverantwortlich für die Kulturhauptstadt San Sebastian 2016 zeichnet, nach „anti-monumentalen Aktivitäten”.

      In Madrid wird die Krise vor allem von jungen Menschen, die keinen Job finden, hautnah erfahren. Und jene, die sich selbst einen Job schaffen, finden aufgrund der Immobilienspekulationen keine erschwinglichen Räume. „Ich kann mir in Madrid kein richtiges Büro leisten. Wenn ich mehr Platz hätte, könnte ich neue Jobs schaffen“, so unser Ko-Kurator Javier Duero.

      Was sind We-Trades

      Keinesfalls soll es darum gehen, We-Trades eindimensional als Reaktion auf die Krise zu interpretieren. „Wir sind es leid, dass uns die Krise immer als Chance präsentiert wird, es wäre besser, es gäbe sie nicht”, so der Lissaboner Geograf Jorge da Silva Macaísta Malheiros stellvertretend für viele We-Traders. Und wenn, dann war es eine verpasste Chance, so Davide Ziveri vom Turiner Buenavista Social Housing: „Ich dachte, jetzt wird alles anders mit den Banken.”

      „Sind We-Trades reformistische Projekte oder wollen sie einen Systemwechsel?”, frägt Joël Lecussan von Mix'Art Myrys, während seine Toulouser Kolleginnen von Bois & Cie ganz pragmatisch auf ihre Macherinnenqualitäten vertrauen: „Notre réaction, c´est l´action!“ Frauke Hehl von der Berliner Initiative workstation plädiert dafür, den Staat weiterhin in die Pflicht zu nehmen, damit das Temporäre nicht zur Dauerlösung wird.

      „Wir möchten eine Arbeit, die uns gefällt und uns besser macht”, beschreiben Walkinn Coop ihre Motivation zur Gründung eines We-Trades. Ein wichtige Rolle dabei spielen unhierarchische Kooperationen, fluide Identitäten – „Wir fragen nicht, wer wir sind, sondern zu wem wir eine Beziehung herstellen können“ (VIC) - und kollektive Autorenschaft: „Der Autor von Campo de Cebada ist Campo de Cebada.” Und bei We-Trades kommt Sinnstiftung vor dem Profit: „AMAP hat mir meinen Stolz als Landwirt wiedergegeben. Jetzt ernähren wir Menschen, keine Märkte”, so Alain Gatti von Le Potager de Camille.

      Eine Krise ist der Sattelpunkt, an dem sich das Schicksal einer Stadt entscheidet, so die Stadtplanerin Sonja Beeck beim We-Traders Forum in Madrid. Wir sind überzeugt davon, dass We-Trades an diesem Punkt entscheidend zum Gelingen von Stadt beitragen.

      24. Oktober 2013 von Angelika Fitz und Rose Epple

        We-Traders Forum Lissabon

        © Jürgen Willinghöfer
        © Jürgen Willinghöfer
        We-Traders Forum in Lissabon: Workshop mit Gast Claus Leggewie
        We-Traders Forum in Lissabon: Workshop mit Gast Claus Leggewie
        Copyright Foto: Jürgen Willinghöfer
        04. Oktober 2013 von Admin
        Tags: Lissabon