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Import – Export: Das Filmfestival Cottbus präsentiert seit 20 Jahren Filme aus Osteuropa

Szene aus White White World; © Filmfest Cottbus20. Filmfestival Cottbus 2010; © pool production – Foto GoetheDas Lüften des Eisernen Vorhangs und die deutsche Wiedervereinigung mischten die Karten für das osteuropäische Kino in Deutschland neu: Während viele nach jahrzehntelanger Propagandaberieselung alle Filme der ehemaligen „sozialistischen Bruderländer“ pauschal ablehnten, wollten andere das osteuropäische Kino neu entdecken – sei es in Kenntnis der ästhetischen Vielfalt oder schlicht aus Neugier auf bislang „Verbotenes“. Die Idee zum Filmfestival Cottbus war geboren.

Hieß es in den ersten Jahren noch „Festival des jungen osteuropäischen Kinos“, wurde das Festival schnell „erwachsen“ und änderte seinen Namen in „Festival des osteuropäischen Films“. Die Liebe zum Nachwuchs ist jedoch geblieben. Heute ist das Festival – jedes Jahr Anfang November – nicht nur ein zentraler Anlaufpunkt für Professionelle wie für Liebhaber des osteuropäischen Films, es hat sich auch als wichtiger Branchentreffpunkt etabliert.

„CoCo Babies“

Logo „connecting cottbus“Maßgeblichen Anteil daran hat der Koproduktionsmarkt „Connecting Cottbus“. Seit 1998 werden hier jedes Jahr ausgewählte Projekte osteuropäischer Filmemacher eingeladen und deutschen Produzenten präsentiert.

Und die Spannweite ist weit – Prominente wie Krzysztof Zanussi sind mit ihren Arbeiten hier ebenso vertreten wie noch unentdeckte Talente. Gerade für diese hat Connecting Cottbus ein großes Herz – während die Teilnahme an anderen Koproduktionsmärkten oft an zahlreiche Vorbedingungen geküpft ist, ist man in Cottbus bewusst offen: Auch mit einem überzeugenden Treatment kann man das Auswahlkommitee überzeugen – selbst, wenn die Finanzierung noch nicht gesichert ist. Und die deutsche Filmbranche schätzt die familiäre, aber professionelle Atmosphäre: „Connecting Cottbus ist ein effizientes Forum, um sowohl hochkarätige Entscheidungsträger als auch junge Talente mit dem Fokus Osteuropa zu treffen“, sagt Oliver Röpke, Filmproduzent aus Leipzig, der dort seine ungarischen Produktionspartner für den Film Overnight kennenlernte.

Diese engagierte Nachwuchsarbeit zahlt sich aus – und so kehren die „CoCo Babies“, wie das Festival die Projekte von Connecting Cottbus liebevoll bezeichnet, gerne zurück.

Wiedersehen macht Freu(n)de

Szene aus White White World; © Filmfest Cottbus„So ist zum Beispiel die Entwicklung von Oleg Novković – stellvertretend für die vielen Entdeckungsgeschichten des Festivals – ein persönliches Highlight für mich“, sagt Festivaldirektor Roland Rust. Schon mit seinem Debüt Why have you left me war der serbische Filmemacher 1994 eingeladen. Über Connecting Cottbus fand er vor drei Jahren deutsche Koproduktionspartner für White White World, den Film, mit dem er 2010 im internationalen Wettbewerb vertreten war und für den er mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Der Tscheche Bohdan Slama (Wilde Bienen), der Pole Jan Jakub Kolski (Jancio Wodnik) oder der Slowake Martin Sulig (Der Garten) sind weitere Regisseure, für die das Festival Cottbus ein entscheidendes Sprungbrett war. Ein solches ist das Festival dabei nicht nur für die Teilnehmer der Wettbewerbe. Jedes Jahr mit Spannung erwartet wird der Festivaltrailer: Traditionell wird hier immer jungen Filmemachern die Chance gegeben, diesen zu gestalten. Die vielfach ausgezeichneten polnischen Regisseurinnen Izabela Plucinska (Jam Session) und Monika Wojtyllo (Polska Love Serenade) sind nur zwei Beispiele für das hohe Niveau.

Im Osten viel Neues

Still aus „Musik im Blut“ (Muzica in sange) von Alexandru MavrodineanuEine konzentrierte Auswahl herausragenden Nachwuchses präsentiert alljährlich der Kurzfilmwettbewerb. Und so gab auch dieses Jahr mit elf ausgewählten Filmen eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über die kreative Handschrift osteuropäischer Talente zu verschaffen.

So nimmt einen der Georgier Shota Gamisiona mit seinem poetischen Gewinnerfilm Meer der Wünsche (More Zhelanyiy) mit zu einem Sommerausflug voller absurder Komik, während die ungarischen Regisseurin Pici Papai mit drastischer Pop-Ästhetik Liebeswahn und Tantra-Massage ironisiert. Der polnische Nachwuchs war gleich mit zwei Filmen im Wettbewerb vertreten: Jan Wagners Psycho-Thriller Der Sohn (Syn), als auch Justyna Tafels sensibler Abschied am Hochzeitsmorgen (Ein Morgen, Poranek) zeichnen sich besonders durch eine beeindruckende Bildsprache aus. Mit einem überraschenden Ende avancierte der ebenfalls ausgezeichnete rumänische Beitrag Musik im Blut von Alexandru Mavrodineanu zum Publikumsliebling.

Nachspiel

DVD-Box1: Preisträger; © GoodMoviesPartnerschaften brauchen Pflege! Und deshalb sind Direktor Rust und sein Team regelmäßig auf osteuropäischen Festivals zu Gast. Sei es, um ein spezielles Programm mit ausgewählten Filmen des Festivals vorzustellen oder in kooperierenden Koproduktionsmärkten neue Partner für „Connecting Cottbus“ zu gewinnen. In Deutschland gibt es traditionell im Anschluss an das Festival auch in Berlin noch einmal Gelegenheit, Filme des Programms in verschiedenen Kinos zu sehen.

Darüber hinaus ermöglicht ab diesem Jahr eine neue DVD-Edition ein privates „Nachspiel“ mit dem Besten aus 20 Jahren Festival. Allein sieben Filme der Jubiläumsedition sind im diesjährigen Rennen um den Oscar mit dabei! Und das ist erst der Auftakt, weitere Ausgaben sollen folgen. Das Interesse an osteuropäischen Kino in Deutschland ist steigend, und das Festival Cottbus hat großen Anteil daran: „Import – Export“ bei dem beide Seiten gewinnen.

Cathy de Haan
ist Autorin und Dramaturgin. Sie arbeitet international als Kuratorin und Jurymitglied für Filmfestivals und lehrt am Deutschen Literatur Institut Leipzig Szenisches Schreiben für Film.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2010

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