VoteFesta

Ada

Ada; Foto: Tobias Vollmer
Ada; Foto: Tobias Vollmer
A-d-a. Von beiden Seiten gleich. Vorwärts wie rückwärts oder andersrum. Akkurat, klein und zierlich, reduziert aufs Wesentliche. Mini. Minimal. Weil weniger mehr ist.

Ada, so der Künstlername von Michaela Dippel, tritt eher zurückhaltend auf, ist empfindsam und gehört zu den musikalisch eleganteren DJs und Producerinnen der deutschen Elektroszene. Sie stammt aus Köln, das zusammen mit Berlin eines der Mekkas des internationalen Technos ist. Sie produziert einen Minimal House, der melancholisch und cool, aber nicht kalt ist. Ganz im Gegenteil, ihre Tracks verströmen eine Wärme, die nicht zufällig von analogen Synthesizern, ihrer eigenen Stimme und akustischen Instrumenten stammt. Dies verleiht ihrer Musik einen viel natürlicheren Klang als man das von Clubmusik erwartet hätte.

Ada ist nicht nur DJ, Sängerin und Producerin, sondern spielt auch mehrere Instrumente. Sie ist eine Spezialistin für Musik und Klangfarben und bezeichnet sich selbst als großen Fan von Hermeto Pascoal, dessen perkussiven Jazz sie genial findet. Die brasilianische Musik, und hier besonders die Stücke von João und Astrud Gilberto sowie Luiz Bonfá, haben es ihr angetan. Ada hörte sie schon lange, bevor sie sich für rein elektronische Musik zu interessieren begann.

Im Jahre 2002 betrat Ada erstmals die Welt der professionellen Musik, als sie ihre Stimme zum Track Livedriver des Produzenten Metope, dem Chef von Areal Records, beisteuerte. Sie wurde prompt unter Vertrag genommen und begann dort ihre eigenen Stücke zu produzieren. So brachte sie auch ihre erste Single, Blindhouse / Luckycharm, auf den Markt, die vom deutschen Elektro-Lifestyle Magazin DE:BUG sehr gelobt wurde.

Feel good

Die Single Blindhouse nimmt die Hörer an die Hand und lädt sie ein zu einer Tour mitten durch einen zarten Schleier von Klängen eines direkten, gut gelaunten und mitreißenden Deep-House. Man fühlt sein Herz ein-, zwei-, dreimal mit der Bassline schlagen, die wie ein belebender Schluck schwarzen Kaffees direkt durch den Magen geht. „Feel good“ ist die Botschaft, die Ada uns nahezu unterbewusst zwischen den sparsamen, einfach phrasierten, fast kindlichen Klängen des Keyboards zuflüstert. Bis heute ist Ada diesem Sound treu geblieben, obwohl sich ihre Arbeitsweise über die Jahre verändert hat.



Nach einer Reihe von Singles und Beiträgen auf Samplern brachte sie im Jahr 2004 ihr erstes eigenes Album, Blondie, heraus. Ada, die selbst rein gar nichts von einem blonden Dummerchen hat, überzeugt hier mit einer Platte, auf der Rationalität und Emotionalität im perfekten Gleichgewicht miteinander vermischt sind. Die Musik fließt auf eine melancholisch-romantische Art dahin und ist gleichzeitig geradezu mathematisch linear. So vereint sie die Eigenschaften, die ein guter Minimal haben sollte. Arno Raffeiner vom deutschen Musikmagazin Intro beschreibt Adas Musik als eine „perfekte, emotional mitreißende Symbiose“ (Intro Nr. 122). Außerdem wurde sie vom Magazin DE:BUG zur „Besten Künstlerin“ des Jahres 2004 gewählt.

Analoge Technik

Die Auszeichnung katapultierte sie unweigerlich auf die berühmtesten Dancefloors Europas. Bei ihren Liveauftritten zeigt Ada jedoch eines der anachronistischsten DJ-Sets überhaupt, denn sie benutzt althergebrachte, meist analoge Technik. Es scheint fast so, als würde sie digitale Synthesizer nicht mögen. Auf alle Fälle schlägt ihr Herz konstant im Viervierteltakt, wenn auch die von ihr programmierten Beats auf Blindhouse fast auf den vierten Schlag verzichten.

Ada beschreibt ihre Einstellung gegenüber ihrem Equipment wie folgt: „Analoge Geräte sind vom Klang her präsenter, lassen sich oft aber schwer kombinieren, da sie sehr viel Raum einnehmen. Der analoge Klang ist sehr schön, aber er lässt sich nicht gerne von anderen Sounds verdrängen. Ich habe längere Zeit mit analogen Synthesizern experimentiert und versucht, mich von deren Klängen inspirieren zu lassen, letztlich aber gemerkt, dass für mich in erster Linie Harmonien wichtig sind. Die Konsequenz daraus war dann der Umzug in mein Wohnzimmer-Studio, in dem ich außer einem Keyboard, Gitarren, einer Flöte und ein paar Percussions nichts hatte. Dort sind dann auch die neueren, weniger elektronischen Stücke meines Albums entstanden“.

Elektro-akustische Mixtur

Adas zweites Album, Meine zarten Pfoten, wurde in diesem Jahr beim Label Pampa Records veröffentlicht und verweist genau auf diese elektro-akustische Mixtur. Wenn die Platte Blondie schon eine Art Streicheleinheit für alle verliebten Herzen der Elektro-Szene war, dann geht Meine zarten Pfoten erst recht in diese Richtung. Dieses neue Werk basiert weniger auf Samples als die früheren und darüber hinaus hat Ada auch viel live eingespielt. Dies allerdings aus purer Not, denn mitten bei der Arbeit machte plötzlich der Midi-Eingang ihrer Soundkarte schlapp, was aber letzten Endes der Platte nur zugutekam.

Ada sieht überhaupt kein Problem darin, Grenzen in der Musik zu überschreiten und vermeidet so Klischees: „Nur weil ich teilweise traditionelle Akustik-Instrumente wie Gitarre und Flöte einsetze, mache ich noch lange keine Folk-Musik, und wenn ich finde, meine Musik hat eine gewisse Leichtigkeit, fällt sie trotzdem nicht unter das Genre Easy Listening. Ein Freund von mir sagte neulich einfach: 'Das ist schön, das ist Popmusik'“.
Marie Leão
stammt aus Rio de Janeiro. Sie ist DJ (Elektro und World-Wide-Elektro), Drummerin/Perkussionistin und freie Autorin. Sie lebt in Berlin.

Übersetzung: Matthias Nitsch

Copyright: Goethe-Institut Brasilien
August 2011

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
feedback@saopaulo.goethe.org

    Logo: Tanja Hoffmann