Lebensqualität im urbanen Raum

Fair gehandelte Produkte liegen im Trend

Kaffeebohnen, wie wir sie kennen, sind die zwei Hälften des `Kerns´ der Kaffeekirschen. Die Kirschen der Kaffeepflanze wechseln ihre Farbe von grün über gelb nach rot, bis sie etwa neun bis zwölf Monate nach der Blüte reif sind und geerntet werden. Copyright: TransFair Deutschland e.V.Kaffeebohnen, wie wir sie kennen, sind die zwei Hälften des `Kerns´ der Kaffeekirschen. Die Kirschen der Kaffeepflanze wechseln ihre Farbe von grün über gelb nach rot, bis sie etwa neun bis zwölf Monate nach der Blüte reif sind und geerntet werden. Copyright: TransFair Deutschland e.V.Das Image fair gehandelter Produkte wandelt sich: vom „Müsli-Riegel“ zum Lifestyle-Produkt. Viele Käufer wollen dabei „politisch korrekt“ handeln und ihr Engagement mit nachhaltigem und Ressourcen schonenden Einkaufen von Lebensmitteln & Co. zeigen.

Die Duftnoten von frisch geröstetem Kaffee, Mandeln, einer Honigessenz und afrikanischem Tee wiegen verführerisch zwischen den Verkaufsregalen, sortiert mit Noir-Ingwer-Schokolade, Biosirup-Caramel, Wild-Kaffee-Biobohnen (Arabica) und Sensory-Merlot-Rotwein. Verantwortlich für den so mit „gekitzelten“ Geschmacksgaumen sind fair gehandelte Produkte aus Nicaragua, Mexiko, Äthiopien, Indien oder auch Südafrika. Sie liegen im Trend und sind dabei köstlich, statt dem gestrigen „Räucherstäbchen-Image“ gibt es schicke und stylische Einkaufswelten zu bestaunen. Und auch ohne Emotionen oder sinnliche Statements hat man immer noch das gute Gefühl, bewusst einzukaufen, die Menschen hinter den Produkten und die Idee des fairen Handels zu unterstützen. Die Atmosphäre in Welt-/Öko- oder Bioläden, wo man noch mit Namen persönlich angesprochen wird, ist nicht mit der anonymen Einkaufswelt von Supermarktketten – die ebenfalls entsprechende Produkte anbieten – vergleichbar.

Nachhaltig Einkaufen ist „chic“ und hilft den landwirtschaftlichen Erzeugern

Orangenernte in Brasilien; Copyright: TransFair Deutschland e.V.Als Fairer Handel wird ein kontrollierter Handel bezeichnet, in dem die Preise für die gehandelten Produkte üblicherweise höher angesetzt sind als der jeweils gültige Weltmarktpreis. Ziel ist, damit den Produzenten ein höheres und zugleich auch verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel zu ermöglichen. Für die Produktion gelten internationale Umwelt- und Sozialstandards. Auch angesichts regelmäßig – etwa ein- bis zweimal im Jahr – publik werdender Lebensmittelskandale in Deutschland hat sich zum „harten Kern“ der „fairen“ Käufer, die mit ihrem bewussten Einkauf zugleich ihr politisches Statement abgeben wollen, noch eine wachsende Klientel herausgebildet, die für Lifestyle empfänglich ist und zugleich Engagement zeigen will.

Die Fairhandel-Bewegung konzentriert sich im Wesentlichen auf Waren, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Laut der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) profitieren heute etwa 1,4 Millionen Landwirte direkt vom fairen Handel. 2007 legte der Absatz von Fairtrade-Produkten nach Informationen von TransFair, ein gemeinnütziger Verein, der benachteiligte Produzentenfamilien in Asien, Afrika und Lateinamerika unterstützt, weltweit um 48 Prozent zu. In 2006 konnte eine Absatzsteigerung um 100 Prozent auf 18.000 Tonnen erreicht werden – ein positiver Trend, der in unterschiedlicher Stärke bereits seit mehreren Jahren anhält.

Fairtrade-Siegel gibt Sicherheit beim Einkauf

Fairtrade-Fußball von Derbystar; Copyright: TransFair Deutschland e.V.Es gibt allgemeine Standards für Handelspartner. Sie gelten für alle Produkte. Diese Standards sind aufgeteilt nach den Zielgruppen/Profiteuren Kleinproduzenten und lohnabhängige Arbeiter in Plantagen und Fabriken. Sie umfassen wie benannt Standards für die Entwicklung sozialer Aspekte sowie der Wirtschaft, als auch für Umwelt und Arbeitsbedingungen. Die Standards für die Händler variieren von Produkt zu Produkt. Sie beinhalten in der Regel die Zahlung eines fairen Preises und eines Mehrpreises für Entwicklungsmaßnahmen, bei Bio-Produkten die Zahlung eines Aufpreises sowie die Bereitstellung von Vorfinanzierungsmöglichkeiten und langfristige Handelsbeziehungen.

Fair gehandelte Produkte mit dem Fairtrade-Siegel finden sich mittlerweile in vielen Supermarktketten, Lebensmittelgeschäften, Naturkostläden, im Versandhandel und natürlich in den Weltläden – und auch in der Gastronomie. Inzwischen gibt es das Siegel für über 750 Produkte, darunter Kaffee, Tee, Orangensaft, Kakao und Schokolade, Honig, Zucker, Bananen, Wein, Reis, Sportbälle und Blumen, aber auch Briefpapier, garantiert aus Elefantendung.

Neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Produkten aus handwerklicher Arbeit und der Industrie weitet sich Fairer Handel auch auf neue Bereiche wie den Tourismus aus. Ziel ist hier, mehr Nachhaltigkeit für sozial gerechtere Entwicklungen umzusetzen und so die Lebensbedingungen von Tourismusangestellten und Kleinunternehmern zu verbessern. Allerdings zertifiziert bislang erst ein Gütesiegel in Südafrika Hotelangebote und Ausflüge nach Vorgabe des Fairen Handels (Fair Trade in Tourism South Africa / FTTSA).

Weltweiter Aufschwung in der Nische

Fairtrade-Siegel; Copyright: TransFair Deutschland e.V.Die GEPA, größtes Großhandels- und Importunternehmen derartiger Produkte in Europa, steht nach eigener Aussage für verbindliche und zuverlässige Handelsbeziehungen und hat im vergangenen Jahr knapp 50 Millionen Euro mit fairen Produkten umgesetzt. Das ist etwa die Hälfte aller Umsätze von Fairtrade-Händlern in Deutschland, aber immer noch ein kleiner Anteil im Vergleich zu den Milliardeneinnahmen des herkömmlichen Einzelhandels.

Doch der Trend ist stabil und verstärkt sich sogar: Und macht auch vor Firmenkantinen und der Zentrale des Deutschen Fußballbundes nicht halt, die mit entsprechenden Produkten bestückt sind. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre erlebte der Faire Handel einen weltweiten Aufschwung.

EU und Weltbank unterstützen den Fairen Handel. Laut Kommentierung einer Weltbankstudie kann beispielsweise fair gehandelter Kaffee Vorteile haben wie etwa verbessertes Ressourcenmanagement und geringerer Einsatz von Pestiziden. Dadurch werden Kosten und Gesundheitsrisiken reduziert und mehr ländliche Arbeitsplätze für diejenigen geschaffen, die auf sie angewiesen sind.

Hans-Jörg Werth
arbeitet als freier Wirtschaftsjournalist und Fachautor in der Nähe von Bremen.

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Dezember 2007

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