Grüne Mode in Brasilien: ein Markt im Aufschwung

Einer der größten Namen in der grünen Mode ist die Marke Osklen aus Rio de Janeiro. Auf der São Paulo Fashion Week im Januar 2007 zeigte Osklen erstmals eine nachhaltige Kollektion unter dem Namen „Amazon Guardians“, mit der eine „urbane Brigade gegen die Umweltzerstörung“ ins Leben gerufen werden sollte. Die vom Punkrock inspirierte Kollektion des Modesigners Oskar Metsavaht war mit Kleidung aus Biobaumwolle, Stoffen aus recyceltem PET und Naturlatex aus Amazonien eine Initiative für Nachhaltigkeit. Seitdem hat Metsavaht die Nachhaltigkeit zu einem der Markenzeichen von Osklen gemacht. Auf der diesjährigen Ausgabe der São Paulo Fashion Week hat die Marke ihr Umweltengagement weiter untermauert und zeigte neben Biobaumwolle und Stoffen aus recyceltem PET auch Kleidung aus Stroh, Bioseide, Leder des Arapaima-Fisches und Biojute-Segeltuch.
Nina Braga ist die Leiterin der Nichtregierungsorganisation Instituto-E, die Brasilien zum Maßstab in Sachen nachhaltiger Entwicklung machen will. Für sie ist Osklen „ein Paradebeispiel dafür, was sich durch nachhaltige Mode erreichen lässt“. Seit das Instituto-E 2007 gegründet wurde, ist Osklen der wichtigste Partner der NGO in der Modewelt. Das Institut versorgt Osklen mit Know-how zur Nutzung von e-fabrics (ecological fabrics oder ökologische Stoffe), und die Marke, die sich an eine Klientel mit hoher Kaufkraft richtet, wirbt für ökologisch korrekte Mode und leitet einen Teil ihrer Umsätze an das Instituto-E weiter.
Natürliche Farbstoffe
Auch andere brasilianische Marken versuchen, der Nachfrage nach ökologisch korrekten Produkten zu entsprechen. Die Modedesignerin Flavia Aranha beispielsweise hat eine eigene Marke gegründet, um durch ihre Mode einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Das Auffälligste an ihren Kollektionen sind die Farben, die aus natürlichen Pigmenten von Pflanzen, Baumrinden und Wurzeln gewonnen werden. Mit Naturfarbstoffen arbeitet Aranha, weil sie festgestellt hat, dass die Stoffe damit lebhafter und authentischer wirken als mit den Farben, die in der traditionellen Textilindustrie verwendet werden.
Bei ihren Nachforschungen lernte die Designerin den größten Fachmann für natürliche Farbstoffe in Brasilien kennen, Eber Lopes. Gemeinsam mit ihm entwickelte sie ihre ersten Farben. „Naturfarbstoffe sind nicht nur ästhetisch faszinierend, sondern außerdem umweltfreundlich, da keine Schadstoffe in Luft, Boden oder Wasser abgegeben werden. Das ganze Verfahren ist natürlich, auch die Einfärbung“, versichert Aranha. In der Industrie werden Textilien normalerweise mithilfe von Schwermetallen eingefärbt, die, so die Designerin, nicht nur umweltschädlich sind, sondern auch ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Der brasilianische Markt
Aranhas Marke wird in Deutschland durch das Unternehmen pdb-piadobrasil in Nürnberg vertreten. 2010 nahm Aranha außerdem an der TheKey.To teil, einer Messe für nachhaltige Mode, die in Berlin parallel zur Berlin Fashion Week stattfindet. In Europa achten die Verbraucher ihrer Ansicht nach beim Kauf stärker auf die Nachhaltigkeit der Produkte. Dennoch bleibt sie optimistisch, was den Markt für ökologische Mode in Brasilien betrifft: „Ich glaube, das ist ein weltweiter Trend, und Brasilien ist reich an Rohstoffen und an kreativen Köpfen. Mit dem Konjunkturaufschwung wird es hier auch mehr entsprechende Projekte geben“.
Franciscus Prins, einer der Gründer von Beyond Berlin, einem Berliner Beratungsunternehmen für nachhaltige Mode, erwartet auf dem brasilianischen Markt für ökologisch korrekte Mode ebenfalls positive Entwicklungen. Im Mai 2011 war er in São Paulo und bot den Workshop „Grüne Mode: Markt, Werte, Perspektiven“ an. Darin ging es um Themen wie den Wunsch nach mehr Gesundheit und Nachhaltigkeit in der Modeindustrie sowie um die Anforderungen des Marktes und der Modeschöpfer. In Prins' Augen zeichnet sich der brasilianische Markt besonders dadurch aus, dass die Modeszene sehr lebendig ist und gleichzeitig die Zahl der Verbraucher steigt. Deshalb könne nachhaltige Mode in Brasilien erfolgreich sein, und der Ansatz müsse weiter verfolgt werden.
Mangel an Förderanreizen
Nina Braga bemängelt jedoch, es gäbe keine Anreize für die nachhaltige Mode. Die Leiterin des Instituto-E setzt sich für politische Maßnahmen ein, für eine Starthilfe für die ökologisch korrekte Mode, um künftig die Tragfähigkeit der Branche zu ermöglichen. So könne die Regierung beispielsweise die Vergabe von Krediten an die Lieferanten von Biobaumwolle erleichtern und fördern.
Noch würde nicht ausreichend Biobaumwolle für den gesamten brasilianischen Markt produziert. Bankkredite für die Lieferanten dieses Rohstoffs sind teurer als normale Kredite, da es beim Anbau ohne Pflanzenschutzmittel keine Erntegarantie gibt. Das ist einer der Gründe, weshalb ökologisch korrekte Kleidung im Allgemeinen teurer ist als herkömmliche Kleidung. Die Produktionskette erfordert höhere Investitionen, da zum einen erneuerbare Rohstoffe gewonnen werden müssen und zum anderen unter gerechten Arbeitsbedingungen produziert wird.
„Brasilien verpasst eine großartige Chance, denn noch ist es nicht zu spät, die brasilianische Biovielfalt zu schützen“, so Braga. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die Kosten-Nutzen-Verhältnisse in der Modeindustrie zu überdenken. Die Herstellung nachhaltiger Kleidung sei zwar tatsächlich teurer, dafür aber ökologisch vorteilhaft, und letztlich seien die Kosten für die Produktion von fast fashion aufgrund der Umweltzerstörung sicherlich höher. Aber Braga sieht die Zukunft der nachhaltigen Mode in Brasilien weiterhin optimistisch. Sie geht fest davon aus, dass es auch im Inland einen Markt dafür gibt und dass künftig mehr in die Branche investiert wird, sodass eine brasilianische „grüne Mode“ entstehen kann.
ist freiberufliche Journalistin und Übersetzerin. Sie lebt in Brasília und Berlin.
Übersetzung: Matthias Nitsch
Copyright: Goethe-Institut Brasilien
Juli 2011
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