Archiv


04.06.2016

Copyright: Goethe-Institut São Paulo


2. Begegnung - Urgências!

über die aktuellen politischen Kräfte in Brasilien
Ein Vorschlag von Suely Rolnik und Tatiana Roque

Brasiliens gesellschaftliche Szenerie wird zurzeit aufgewühlt von ständig neu entstehenden Praktiken der Invention, welche die uns bedrückende Atmosphäre aus reaktionären und reaktiven Kräften herausfordern. Wie lassen sich diese vielfältigen Aktionen erfassen, die unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche verändern? Genügen Begriffe und Praxis der Linken, womöglich der Begriff der Linken selbst, noch zur Beschreibung der Vielfalt und Einzigartigkeit dieser Aktionen? Genügt das traditionelle Gegensatzpaar rechts und links noch, um das Verhältnis der unterschiedlichen agierenden Kräfte zu denken? Oder braucht es ein Denken auf anderer Ebene, das von unterschiedlichen Identifikationsgraden mit dem Zustand der Dinge bis hin zu unterschiedlich ausgeprägten Anerkenntnissen ihrer Schwachpunkte reicht? Von unterschiedlichen Ausprägungen des Wunschs, ihn zu erhalten bis zu unterschiedlichen Ausprägungen des Wunschs nach neuen Wegen? Wie lassen sie die neuen Machtstrategien des Kapitalismus entziffern? Wie lässt sich Gegenwart neu benennen, wie lässt sich über sie nachdenken, um Allianzen zu schaffen, die uns über mögliche Dichotomien von Denken und Handeln hinaus antreiben?

Die zweite Begegnung der „Urgências“ lädt Menschen ein, die in unterschiedlichen Bereichen gesellschaftlichen Lebens nach einer Neuerfindung der Gegenwart suchen und Menschen, die im Bemühen um gemeinsames Nachdenken an dieser Diskussion interessiert oder beteiligt sind. Es geht um den Versuch, permanente Erfahrungen zu benennen, um mögliche Zusammenspiele unterschiedlicher Interventionspraktiken - aktionistische, theoretische, künstlerische und andere - zu fördern. Von dort aus und aus der gemeinsamen Anstrengung, sie in Worte zu fassen, werden wir in der Lage sein, uns zu fragen, welche Art Praxis noch in den Horizont einer linken passt und was nicht.

Es nehmen teil: Andreza Delgado (Schwarzenaktivistin), Aluizio Martino (São Mateus em Movimento), Hailey Kaas (LGBTT-Bewegung), Lilith Cristina Passos (Hochschulaktivistin) und Ricardo Terto (Drehbuchautor).

4. Juni 2016 | 10 bis 17 Uhr
Goethe-Institut São Paulo
Rua Lisboa, 974 – Pinheiros
Anmeldung unter cultura@saopaulo.goethe.org

    18.02.2017

    Claudia Andujar vor ihrer Ausstellung Marcados; © Daniela Paoliello


    Claudia Andujar - Morgen darf nicht gestern sein

    Erstmals in Europa gibt diese Ausstellung im MMK 1 des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main einen umfangreichen Einblick in das fotografische Werk der in Brasilien lebenden Künstlerin Claudia Andujar (1931 in Neuchâtel, Schweiz).

    Im Rahmen ihres aktivistischen Engagements zum Schutz der Yanomami, Brasiliens größter indigener Volksgruppe, entstand in den 1970er-Jahren ihre bedeutende Serie „Marcados“ (dt. „Die Markierten“). Diese Porträts waren für die Künstlerin der Beginn einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der Kultur der Yanomami.

    Neben der umfangreichen Serie „Marcados“ präsentiert die Ausstellung fotografische Werkgruppen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Die subjektive Perspektive der Fotografin spiegelt sich auch in den aus dem Helikopter aufgenommenen Bildern des endlos scheinenden, modernistischen Straßennetzes São Paulos sowie des von üppiger Vegetation umgebenen traditionellen Rundbaus der Yanomami im Amazonasgebiet wieder. Für die Serie „Rua Direita“ setzte sie sich auf die gleichnamige Straße, einer viel bevölkerten Verkehrsader São Paulos und fotografierte die Passanten mit einem Weitwinkelobjektiv.

    Kurz vor dem Putsch, der die bis 1985 andauernde Militärdiktatur des Landes einleiten sollte, dokumentierte Andujar 1964 in der Serie „Marcha da Família“ die Demonstrationen in São Paulo, die sich aus nationalistischer und konservativer Richtung gegen die Gründung einer kommunistischen Regierung richteten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste in Brasilien und der kürzlich verkündeten Klima-Ziele des Landes zeichnet sich Andujars Werk bis heute durch eine hohe Aktualität und Brisanz aus.

    Ausstellung + Symposium
    MMK Talks
    Samstag, 18. Februar 2017, 15.30 Uhr

    Carolin Köchling (Kuratorin der Ausstellung)
    Einführung: Katharina von Ruckteschell-Katte, Leiterin Goethe-Institut, São Paulo

    Details
    Sprache: Symposium/Englisch
    Preis: 12 Euro / ermäßigt 6 Euro
    Symposium: Eintritt frei
    069 - 212 30447
    mmk@stadt-frankfurt.de

      24.01. – 28.01.2017

      Goethe-Institut São Paulo


      Museale Episode: Zur globalen Zukunft von Museen

      Vom 24. bis 28. Januar 2017 treffen sich in Johannesburg und Cape Town fünfzehn internationale MuseumsdirektorInnen und KuratorInnen, um sich über aktuelle und zukünftige Herausforderungen für Museen auszutauschen. Die TeilnehmerInnen setzen damit ein Gespräch fort, das im Oktober 2015 im brasilianischen Salvador da Bahia und in La Paz (Bolivien) begann. Am 28. Januar um 13.30 Uhr werden im Goethe-Institut Johannesburg die Ergebnisse öffentlich zur Diskussion gestellt.


      Wie sieht die Arbeit mit Sammlungen in Zukunft aus? Werden Museen zunehmend zu hybriden Institutionen? Wie demokratisch kann ein Museum sein und wie lassen sich koloniale Perspektiven vermeiden? Wie bezieht man die Nachbarschaft in die Museumsarbeit ein?

      Fünfzehn AusstellungsmacherInnen und MuseumsmanagerInnen aus Südamerika, Europa und Afrika werden sich mit diesen Fragen in dem mehrtägigen Treffen auseinandersetzen und dabei verschiedene Orte in Bolivien bereisen. Die Gruppe hat sich zum Auftakt der mobilen Konferenz „Museale Episode“ bereits im Oktober 2015 in Salvador da Bahia zusammengefunden und einen ersten Bericht verfasst. Bei dem Austausch steht die Perspektive des globalen Südens im Zentrum. Nach Bolivien treffen die Teilnehmer in Johannesburg, bevor im Rahmen der documenta 2017 ein Fazit gezogen werden soll.

      Zu den TeilnehmerInnen zählen:
      Marion Ackermann, Kunstsammlungen NRW, Düsseldorf
      Övül Durmusoglu, freie Kuratorin Berlin/Istanbul
      Elvira Espejo, Musef, La Paz
      Marina Fokidis, documenta / Kunsthalle Athen
      Anna-Catharina Gebbers, Hamburger Bahnhof, Berlin
      Nydia Gutierrez, Museo de Antioquia in Medellín
      Pablo Lafuente, freier Kurator, Porto Seguro Bahia
      Natalia Maljuf, Museo de Arte de Lima/ Beirat Humboldt Forum
      Matthias Mühling, Lehnbachhaus, München
      Gabi Ngcobo, freie Kuratorin/São Paulo Biennale
      Hermann Parzinger, Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Berlin
      Luiza Proença, MASP, São Paulo
      Marcelo Rezende, freier Kurator Salvador de Bahia/Sao Paulo

      Eine Veranstaltungsreihe des Goethe-Institut São Paulo und der Kulturstiftung des Bundes

        28.11.2016

        Copyright: Goethe-Institut São Paulo


        Den Süden anthropophagieren | Diskussion unter Kuratoren

        Im Rahmen seines Projekts „Episoden des Südens“ lädt das Goethe-Institut São Paulo drei Kuratoren bedeutender Ausstellungen ein, über den Süden nachzudenken, über dessen Verhältnis zu anderen Koordinaten wie Norden oder Osten, sowie über Bedeutung und Relevanz des Nord-Süd-Gegensatzes in ihren jeweiligen Initiativen. Jochen Volz, Kurator der 32. Biennale von São Paulo, Monika Szewczyk, Kuratorin der documenta 14 in Kassel und Athen, Yustina Neni und Sigit Piusder, Kuratoren der Jogja Biennale XIV Equator #4 in Yogyakarta, Indonesien (deren Thema 2017 Brasilien sein wird) unterhalten sich über thematische Überschneidungen ihrer Projekte: „Lebendige Unsicherheit“, „Süden als Geisteshaltung“ und „Äquator“.

        32. Biennale von São Paulo

        Unter dem Thema „Lebendige Unsicherheit“ versucht die von Jochen Volz mit Gabi Ngcobo, Júlia Rebouças, Lars Bang Larsen und Sofía Olascoaga kuratierte 32. Biennale eine Reflexion über Kunst als Mittel, Formen des Umgangs mit Unsicherheiten im Leben der Gegenwart in der Verbindung von Themen wie Ökologie, Kosmologien von Anfang und Ende, kollektivem Wissen, Evolutionsmythen und Bildungsmodellen. Jochen Volz ist Kurator der 32. Biennale von São Paulo. Von 2012 bis 2015 war er Programmdirektor der Serpentine Galleries, London, davor, seit 2004 Kurator des Instituto Inhotim, Minas Gerais und von 2005 bis 2007 dort als Generaldirektor sowie von 2007 bis 2012 als künstlerischer Leiter tätig. Zwischen 2001 und 2004 war er Kurator des Portikus, Frankfurt am Main.

        documenta 14

        Adam Szymczyk schlug der Findungskommission, die ihn als Künstlerischen Leiter der Dokumenta 14 (Süden als Geisteshaltung) auswählte, eine Verschiebung der West/Ost-Achse vor, an der sich die dokumenta seit 1955 orientierte. Für Szymczyk bedeutet die Verlagerung der dokumenta 14 nach Athen eine Öffnung des mehr als sechzig Jahre alten künstlerischen Projekts gegenüber drängenden politischen Gegebenheiten. Monika Szewczyk organisiert Ausstellungen, schreibt, verlegt und lehrt - meist in Zusammenarbeit mit Kunsthochschulen und Institutionen. Vor ihrer Aufnahme ins Kuratorenteam der dokumenta 14 im Januar 2015 war sie Kuratorin des Visual Arts Programme am Reva and David Logan Center for the Arts der Universität Chicago.

        Jogja Biennale XIV Equator #4

        Nach der Begegnung mit Indien, dem Mittleren Osten und Nigeria in früheren Ausgaben überquert die Jogja Biennale XIV Equator #4 den Atlantik zu einer Begegnung mit Südamerika vor allem Brasilien. Anstatt an Trennung durch den Ozean denken Indonesier, die über Tausende Inseln verteilt leben, bei Meer eher an eine Verbindung. Einige Fragen stellen sich im Zusammenhang dieser Annäherung: Warum sind Brasilianer so unterschiedlich? Welche Kenntnisse über Brasilien lassen sich über die Biennale vermitteln? Warum soll Indonesien Brasilien gerade jetzt treffen?

        Yustina Neni war Direktorin der Stiftung Biennale Yogyakarta (YBF), für die sie seit sieben Jahren tätig ist, derzeit als Mitglied des Beraterstabs. Sigit Piusder ist Kurator der Jogja Biennale Equator #4. Er ist Künstler und interessiert sich für einfache Formen der Ausstellung visueller Kunst, die einen Austausch gewöhnlicher Alltagserfahrungen fördern.

        28. November| 19 Uhr | Goethe-Institut
        Rua Lisboa, 974 | Pinheiros | Tel 3296 7000
        Die Veranstaltung wird simultan gedolmetscht | Eintritt frei


          16.11.2016

          Copyright: Goethe-Institut São Paulo


          Goethe-Institut Salvador eröffnet 
erste, wegweisende Künstlerresidenz im Globalen Süden

          Das Residenzprogramm Vila Sul, drittes seiner Art unter den weltweit 159 Goethe-Instituten und erstes und bisher einziges im “Globalen Süden”, wird am 16. November offiziell eröffnet. „Das Programm versucht einen Beitrag zu leisten zum Dialog zwischen Künstlern und unterschiedlichen Bevölkerungen, indem es den Austausch ermöglicht, einen Ausbau der jeweiligen Erfahrung und des Blicks auf die Welt“, sagt Manfred Stoffl, Leiter des Goethe-Instituts Salvador-Bahia: „Deutschlands Intention hinter dieser Investition ist, sich auf globaler Ebene an aktuellen Erfahrungen zu beteiligen, welche die Zusammenarbeit, Meinungs- und künstlerische Freiheit sowie das gesellschaftliche Potenzial der Kultur fördern“.

          Die Wahl fiel nicht zufällig auf Salvador. Als erste Hauptstadt Brasiliens, gelegen in dem Bundesstaat, wo vor 500 Jahren die Portugiesen an Land gingen, verkörpert die Stadt Realitäten der Südhalbkugel und ist Eckpunkt des damals so genannten Atlantischen Dreiecks zwischen Amerika, der Westküste Afrikas und Europa, dessen Geschäftsbeziehungen seit Anfang des 16. Jahrhunderts zur Verschleppung von Millionen versklavter Afrikaner nach Nord- und Südamerika führten. Bis heute gilt Salvador mit seiner zu 83% afrikanischstämmigen Bevölkerung als afrikanischste Stadt außerhalb Afrikas. Auch aus diesem Grund ist sie ein geeigneter Ort, um aus „südlicher Sicht“ globale Machtbeziehungen und soziale Verhältnisse samt ihren akademischen Diskursen zu hinterfragen.

          Der Süden ist also keine rein geografische Größe. Von grundlegender Bedeutung ist daher für die Residenz nicht die geografische Herkunft der Stipendiaten, sondern deren ureigenstes Interesse an Fragen und Perspektiven des Südens oder deren Betätigung im Dialog zwischen entsprechenden Ländern. Im Jahr 2016 waren im Rahmen einer Anlaufphase bereits 12 Künstlerinnen und Künstler in der Residenz tätig, seit Oktober leben die fünf ersten regulären Stipendiaten hier: Adolphe Binder, Rumänin mit Wohnsitz in Deutschland, Kuratorin, Dramaturgin und künstlerische Leiterin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch; die portugiesische Schriftstellerin, Theoretikerin und interdisziplinäre Künstlerin Grada Kilomba, die sich mit Gender, Hautfarbe, Trauma und Erinnerung beschäftigt; sowie drei Deutsche: der Politikwissenschaftler Christoph Bieber, der über Ethik, politische Verantwortung, Transparenz, Kommunikation, Demokratie und neue Medien arbeitet; der Bühnen- und Kostümbildner Jürgen Kirner; sowie die Kuratorin und Tanz- und Theaterdramaturgin Sigrid Gareis.

          Zukünftig werden alle zwei Monate internationale Gäste in der Vila Sul empfangen. Die Stipendiaten - Künstler, Journalisten und interdisziplinäre Wissenschaftler - bewerben sich nicht, sondern werden im Rahmen eines Empfehlungsprozesses des internationalen Netzwerks der Goethe-Institute und ihrer Partner ausgewählt. Später soll eine lokale Jury diese Auswahl übernehmen. Während ihres Aufenthalts in Salvador bewohnen die Stipendiaten vier individuelle „Lofts“ sowie einen weitläufigen Gemeinschaftsbereich mit Küche, Essbereichen, Sitzecken und allen für gemeinsame Stunden notwendigen Einrichtungen.

          Einweihungsfest
          Die Eröffnung des Programms Vila Sul beginnt am 16.11. um 20 Uhr unter Beteiligung von zwei DJs, ÀTTØØXXÁ aus Bahia mit einer Mischung aus Sounds der Peripherien der Welt, ausgehend von Afrika als musikalischem Epizentrum der Welt, sowie des Berliner DJs, Produzenten und Journalisten Daniel Haaksman, der seit 2004 den Sound der Favelas von Rio de Janeiro einem weltweiten Publikum näherbringt. Sein Set mischt Baile Funk, House, Trap, Bubbling, Kuduro und alles, was Massen überall auf der Welt in Bewegung versetzt. Erwartet werden außerdem einige künstlerische Aktionen, einschließlich einer Performance von Künstlern aus dem Umfeld des Raums für Kulturschaffen und -produktion Dimenti aus Salvador. Im ganzen Haus werden zudem Resultate der Stipendiaten zu sehen sein, die bereits dieses Jahr in der Stadt waren.

            29.10.2016



            Konversationen mit Objekten im Museu Afro Brasil

            Diskussion mit Experten über Kunstgeschichte und materielle Kultur anhand eines vorher nicht bekannt gegebenen Objekts

            Warum muss Kunstgeschichte immer aus europäischem Blickwinkel erzählt werden? Wie wäre Kunstgeschichte, die beispielsweise von afrikanischen Kulturen oder von der brasilianischen Kultur aus erzählt würde?

            In dem Versuch, andere mögliche Diskurse in der Kunstgeschichte zu denken und die symbolischen Beziehungen zu untersuchen, die wir mit der materiellen Kultur eingehen, organisiert das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Museu Afro Brasil und der Biennale von São Paulo die vierte Ausgabe der Begegnung Konversationen mit Objekten.

            Die Idee ist, Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen um ein Objekt zu versammeln, das als Teil der nichteuropäischen Kunstgeschichte gilt, um Diskurse über nicht-eurozentrische Perspektiven der Kunst zu erarbeiten und zu denken. Es wird ein brasilianisches Objekt aus dem Bestand des Museu Afro Brasil sein, das aber bis zu Beginn der Veranstaltung nicht bekannt gegeben wird.

            Das Besondere an der Konferenz ist genau diese Überraschung der materiellen Konfrontation mit dem Objekt: Ohne Vorbereitung sind Experten und Publikum dazu aufgerufen, sich in die gleiche Position von Wissensproduzenten über das betreffende Objekt zu begeben, und damit die jahrhundertealte Hierarchie des Diskurses der Kunstgeschichte zu demontieren.

            Auch das Format der Veranstaltung sucht den Bruch: Die Stühle werden nach der Fishbowl-Methode im Kreis aufgestellt, sodass alle die Position des „Experten“ einnehmen können.

            Die vierte Ausgabe der Konversationen mit Objekten findet am Samstag, dem 29. Oktober, um 11 Uhr im Museu Afro Brasil (Ibirapuera-Park, Tor 10) in São Paulo statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei. Das Projekt wird von Professorin Claudia Mattos Avolese (Unicamp) koordiniert; teilnehmen werden der Schriftsteller, Kritiker und Kurator Marcelo Rezende, der Künstler, Kurator, und Dozent an der UFRB - São Paulo Ayrson Heráclito, die israelische Künstlerin und Teilnehmerin der 32. Kunstbiennale von São Paulo Michal Helfman und die Wissenschaftlerin und Historikerin Juliana Bevilacqua.

            Konversationen mit Objekten ist Teil des von Goethe-Institut konzipierten Projekts Episoden des Südens, das nach Visionen und Beiträgen des Südens in Kunst, Wissenschaft und Kultur im Kontext zunehmender Globalisierung sucht. In Diskussionsrunden, Seminaren, Forschungsgruppen, Residenzen und künstlerischen Produktionen kommen auf die Tagesordnung die Sichtweisen des Südens in Bezug auf die globale Kunstgeschichte die Zukunft der Museen, mögliche Utopien, Wissensvermittlung und andere Themen.
            www.goethe.de/brasil/episodios

            29. Oktober | Samstag | 11h
            Museu Afro Brasil
            Avenida Pedro Álvares Cabral, Portão 10, s/n
            Parque Ibirapuera
            Eintritt frei | Öffentlich
            Anmeldung: cultura@saopaulo.goethe.org
            Organistion | a Goethe-Institut São Paulo | Museu Afro Brasil


            Teilnehmer:

            Claudia Mattos

            Professorin an der Universität Unicamp, Leiterin des von der Getty-Stiftung Los Angeles finanzierten Projekts Expanding Art History: Teaching Non-European Art at Unicamp.

            Marcelo Rezende
            Schriftsteller, Kritiker und Kurator, war Direktor des Museums für Moderne Kunst von Bahia (MAM/BA), künstlerischer Leiter der 3. Biennale von Bahia (2014) und Kurator des Projekts Estado de Exceção – Venha Ver a Coreia (Ver Você), auf dem Paço das Artes de São Paulo (2008).

            Ayrson Heráclito
            Visueller Künstler, Kurator und Dozent. Doktor der Kommunikation und Semiotik an der PUC São Paulo (2016) und Master in Visuellen Künsten der Universidade Federal da Bahia - UFBA. Dozent am Centro de Artes, Humanidades e Letras - CAHL der Universidade Federal do Recôncavo da Bahia – UFRB.

            Michal Helfman
            Senior-Mitglied des Master of Fine Arts-Programms der israelischen Bezalel Academy of Art and Design und Teilnehmerin der 32. Biennale von São Paulo.

            Juliana Bevilacqua
            Master und Doktorandin der Sozialgeschichte an der Universität São Paulo. Autorin des Buches „Homens de Ferro. Os ferreiros na África central no século XIX” (Eisenmänner. Schmiede in Zentralafrika des 19. Jahrhunderts; 2011) und Ko-Autorin von „África em Artes” (Afrika in der Kunst; 2015).

              06.10.2016



              Peter Sloterdijk und Laymert Garcia dos Santos in São Paulo

              Am 06. Oktober werden der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk und der brasilianische Soziologe Laymert Garcia dos Santos im Goethe-Institut São Paulo über den Süden diskutieren. Im Zentrum der Debatte stehen die heutige Dominanz westlicher Denktraditionen, die Imagination des Südens als unbekanntes, zu entdeckendes Territorium durch die europäischen Seefahrer der Neuzeit, und die Neubestimmung des Verhältnisses von Zentrum und Peripherie durch die mittelalterliche Theosophie.

              Peter Sloterdijk hat in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik studiert. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel „Strukturalismus als poetische Hermeneutik“. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel „Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution“. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema „Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933“ promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit 2001 ist Sloterdijk in Nachfolge von Heinrich Klotz Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik.

              Laymert Garcia dos Santos ist Soziologieprofessor an der staatlichen Universität Campinas (UNICAMP). Er war Berater des Kulturministeriums beim Nationalen Rat für Kulturpolitik (CNPC) und Direktor der Stiftung der Biennale São Paulo. Laymert ist spezialisiert auf Technologiesoziogie und zeitgenössische Kunst, insbesondere auf Themen wie Biotechnologie, Film, ICT, traditionelle Völker und brasilianische Politik. Er veröffentlichte unter anderen „Desregulagens“ (São Paulo, Brasiliense, 1981), „Alienação e capitalismo“ (São Paulo, Brasiliense, 1982), „Etienne de La Boétie - Discurso da servidão voluntária“ (São Paulo, Brasiliense, 1982), „Tempo de Ensaio“ und „Politizar as novas tecnologias“.

              Am 06.10.2016 im Goethe-Institut São Paulo.


              29.08. – 03.09.2016

              Copyright: Goethe-Institut São Paulo


              Epistemic Risk: Education
              Begegnung von Intellektuellen und Künstlern aus Lateinamerika und Afrika

              Die jüngsten Proteste an Schulen und Universitäten sowohl in Lateinamerika als auch in Südafrika werfen eine Reihe von Fragen und Kritik gegenüber dem gegenwärtigen Bildungssystem auf. Mit Fragen nach der Fähigkeit der Bildungsinstitutionen zur Wissensvermittlung in der heutigen Welt und nach möglichen, Erkenntnisarbeit verändernden Experimenten auf diesem Gebiet beschäftigt sich die Begegnung „Epistemic Risk: Education“ vom 29. August bis 3. September an verschiedenen Orten der Stadt São Paulo, die einen täglichen Austausch zwischen Wissenschaftlern und Künstlern aus Südafrika und Brasilien ermöglichen soll.

              An der Begegnung beteiligen sich Lehrende und Wissenschaftler/innen aus dem subsaharischen Afrika, darunter Kelly Gillespie, Leigh-ann Naidoo, Zen Mari, Hibist Kassa (Wits Universität Johannesburg). Auch der südafrikanische Musiker Neo Muyanga wird anwesend sein. Aus Brasilien haben die Professorin und Kritikerin Suely Rolnik zugesagt, der Künstler Amilcar Packer, die Professorin Tatiana Roque sowie Jota Mombaça.

              Das Programm findet in São Paulo statt und umfasst publikumsoffene Aktivitäten sowie geschlossene Formate für geladene Gäste in unterschiedlichen Formaten: Besuche an öffentlichen Schulen, offene Gespräche an Universitäten und Kulturinstitutionen in São Paulo sowie eine Jamsession mit Protestmusik.

              29. August bis 3. September 2016
              Verschiedene Orte in São Paulo
              Eintritt frei


              PROGRAMM


              Montag, 29. August

              15 Uhr | UFABC São Bernardo do Campo, Rua Arcturus, n°3 – Bloco Beta – Auditório 002
              „Epistemisches Risiko: Bildung – Erkenntnis, Weltlichkeit und Aufgaben des praktischen Lebens”
              Moderiert von Maria Carlotto (UFABC)

              Dienstag, 30. August

              15 Uhr | Praça das Artes, Avenida São João, 281 – Centro, São Paulo
              „Zwischen Ästhetik und Politik: Praxis und radikale Aktionen in Brasilien und Südafrika“
              Ein Gespräch mit Zen Marie und Jota Bombaça

              16.30 Uhr | Praça das Artes Avenida São João, 281 – Centro, São Paulo
              „Die schwarze Studierendenorganisation und der Mythos der post-rassistischen Demokratie: Aufbau einer transnationalen Solidarität“. Ein Gespräch mit Brian Kamanzi, Brunata Mires und Andreza Delgado

              Mittwoch, 31. August

              12.20 Uhr | FAU/USP Rua do Lago, 876 – Butantã, São Paulo
              „Epistemisches Risiko: die Krise der Institutionen als wissensgenerierende Instanzen“
              Als Teil der Reihe von „AUH-Begegnungen“ sind Schüler, Lehrende und Mitarbeiter aufgerufen, über die Möglichkeit nachzudenken, wie Bildung als Labor für die Erfindung neuer Welten dienen könnte.
              Moderiert von Renato Cymbalista.

              20 Uhr | Restaurant Al Janiah, Rua Álvaro de Carvalho, 190 – Centro, São Paulo
              Jam-Session Empörte Massen
              Teilnehmer: Neo Muyanga, Ras Davi, Mano Money’s, Sarau do Vinil, Lello di Sarno, Érica Navarro

              Donnerstag, 1. September

              16 Uhr | Casa do Povo, Rua Três Rios, 252 – Bom Retiro, São Paulo
              „Kämpfe und Fortschritte seit dem Beginn der Studentenbewegung“
              Offene Diskussion mit Studenten

              Freitag, 2. September

              14 Uhr | Escola estadual Prof. Adrião Bernardes, Estrada de Itaquaquecetuba, 9953 – Ilha do Bororé, São Paulo
              Treffen mit Schülern und Lehrern
              Es nehmen die Kollektive Jovens em cena, Quebramundo und Midiart teil.

              Samstag, 3. September

              10 bis 18 Uhr | Goethe-Institut São Paulo, Rua Lisboa, 974 – Pinheiros, São Paulo
              Unfallklinik „Epistemisches Risiko: Was für eine Bildung wollen wir?“
              Eingeladene Gesprächspartner: Tatiana Roque und Cassia Quezia
              Anmeldung | beschränkte Plätze | cultura@saopaulo.goethe.org



                01.07. – 30.08.2016

                Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                Neue Resident/innen in der Vila Sul, Salvador

                Das Residenzprogramm des Goethe-Instituts Salvador profiliert sich als das erste seiner Art im „Süden“. Die Wahl fiel auf Salvador wegen der Bedeutung der Stadt im Süd-Süd-Dialog - geografisch (am Black Atlantic gelegen), historisch (als erste brasilianische Hauptstadt) und kulturell (die afrobrasilianische Prägung der Stadt).

                Die Residenzräume befinden sich im von Museen und Theatern umgebenen Goethe-Institut, das selbst über ein Studio-Theater, zwei Galerien, einen Innenhof und weiteren Seminarräumlichkeiten verfügt und damit ideale Bedingungen bietet für Begegnung, Reflexion sowie kulturelle Präsentationen und Produktion.

                In der Vila Sul wohnten bereits Diedrich Diederichsen, Rodrigo Alves, Rike Frank, Dimenti und Lucia Nhamo. Im Juli und August sind die Südafrikanerin Helen Sebidi, der Uruguaier Brian MacKern sowie die Australierin Liza Lim dort zu Gast.

                Das Residenzprogramm verfolgt eine thematische Orientierung und richtet sich an bereits anerkannte Intellektuelle, Künstler/innen, Wissenschaftler/innen und Autor/innen aller Disziplinen sowie interdisziplinär Arbeitende oder Forschende. Übergeordnetes Thema ist „der Süden“. Ausgehend von diesem Fokus beteiligen sich die Resident/innen der ersten zwei Jahre (2016-2017) an dem vom Goethe-Institut Südamerika entwickelten interkontinentalen Projekt „Episoden des Südens“. In der Regel verbringen sie jeweils zwei Monate in Salvador, um „vor Ort“ ihre Recherchen zum „Süden“ zu führen, die Kulturszene, die Stadt und die Natur zu erleben und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

                Helen Sebidi ist Malerin und lebt zurzeit in Johannesburg. Ihre Großmutter, bei der sie aufwuchs, beeinflusste ihre Weltsicht und ermutigte sie, sich kreativ zu betätigen. Anfangs widmete sich Helen Sebidi der Töpferei, dem Weben und der Malerei, kreierte und dekorierte Kalebassen. Erst nach einigen Jahren als Hausangestellte und einer irrtümlichen Festnahme machte sie die Malerei zum Beruf. Unterstützt wurde Helen Sebidi dabei von ihrem Lehrer und Mentor John Koenakeefe Mohl, der sie animierte, ihre Vorhaben umzusetzen und zum Dialog mit den älteren Generationen ermunterte, die Nähe zur traditionellen afrikanischen Kunst zu suchen und dies zum Geist ihrer eigenen Kunst zu machen. Sie inspiriert sich am vorkolonialen Afrika, spiegelt in ihrem künstlerischen Werk aber auch eigene Erfahrungen wider. Die Inspiration und Ermutigung jüngerer Generationen, insbesondere von Künstlern, ist Helen Sebidi wichtig. Sie war 1986 die erste schwarze Künstlerin Südafrikas, deren Werke ausgestellt wurden. Zwei Jahre später erhielt sie ein Stipendium der Fulbright-Foundation für eine Reise in die USA. Im selben Jahr wurde sie mit dem Standard Bank Young Artist Award ausgezeichnet. Seit den 1990er Jahren unternahm sie mehrere Reisen und stellte in zahlreichen Ländern der Welt aus. 2004 wurde sie vom damaligen südafrikanischen Präsidenten mit der „Order of Ikhamanga“ ausgezeichnet.

                Brian MacKern (Uruguay) entwickelt seit 1995 digitale und hybride künstlerische Projekte im Netz. MacKern ist Musiker, Komponist und Schöpfer autogenerativer und reaktiver audiovisueller Strukturen und Umgebungen. Seine künstlerische Praxis zielt auf Bereiche der Erinnerung und des Gedächtnisses durch alternative Darstellung von Ort, Geografie und urbaner Kartografie über Geräusche, Vermischung, Lücken und data bending. Seine Arbeit kreist um Prozesse und Strukturen, die reales und digitales Ambiente durchkreuzen, und erkundet Interface-Design, die Erschaffung von Klangspielen, digitale Transpositionen der Darstellung, visuelle/klangliche Objekte, Videoanimationen und Daten in Echtzeit, Net-Art und Klangkunst. Brian MacKern präsentierte sein Werk oder hielt Vorträge bereits in ganz Lateinamerika und Europa. Seine Arbeiten wurden auf den wichtigsten Kunstfestivals gezeigt und von zahlreichen Institutionen ausgezeichnet. Daneben ist er als Kurator und Koordinator von Kunst- und Bildungsprojekten im Bereich zeitgenössischer Technologien tätig.

                Liza Lim ist eine der anerkanntesten Komponistinnen Australiens, mit Auftragswerken und Konzerten für die renommiertesten Orchester der Welt (Philharmonie Los Angeles, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, der BBC, des WDR und des SWR), Festivals (Festival d’Automne Paris, Salzburg, Luzern, Holland, Biennale von Venedig und alle wichtigen Festivals in Australien) sowie für Ensembles wie Musikfabrik, Ensemble Intercontemporain, ELISION, Ensemble Modern, Arditti String Quartet und andere. Seit 2008 lehrt sie Komposition und ist Direktorin des Forschungszentrums für New Music CeReNeM der Universität Huddersfield. Zu ihren jüngeren Arbeiten zählen ihre vierte Oper im Auftrag des Ensembles Musikfabrik und der Kölner Oper, basierend auf dem Buch cut-out von Jonathan Safran Foers, Tree of Codes, ein Konzert für Violine, Speak, Be Silent zur vierzigsten Saisoneröffnung des Ensembles Contrechamps in Genf sowie diverse Solostücke, die neue Techniken für Instrumente wie Fagott (Axis Sun) und Euphonium (The Green Lion eats the Sun) erkunden.

                  15.06. – 16.06.2016



                  Tecnoxamanismo

                  Seminar Tecnoxamanismo im Goethe-Institut São Paulo

                  Das Seminar will Kenntnisse der Ahnen und indigene Fragen an zeitgenössische Technologien heranführen. Geplant sind eine Unterhaltung mit Vertretern zweier Guaraní-Stämme der Stadt São Paulo, ein Gespräch über das Projekt Baobáxia, ein Auftritt des Guaraní-Kinder-Chors Mbya sowie eine Interaktion des guatemaltekischen Künstlers Edgard Calel zu den Maya-Vorfahren. Im Rahmen der Veranstaltung erscheint TCNXMNSM, eine Veröffentlichung des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit Invisíveis Produções und Rede do Tecnoxamanismo.


                  Seminar Tecnoxamanismo
                  15 . und 16. Juni
                  Goethe-Institut São Paulo
                  Freier Eintritt


                    14.06.2016

                    Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                    Konversation mit Objekten in Belém

                    Eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts Episoden des Südens des Goethe-Instituts diskutiert über Kunstgeschichte und materielle Kultur und versammelt Experten um eine Keramik der Marajoara-Kultur.

                    Warum muss die Geschichte der Kunst immer aus europäischer Sichtweise erzählt werden? Wie würde eine Geschichte der Kunst, die zum Beispiel von einer indigenen Kultur erzählt würde, aussehen?

                    Um über andere mögliche Diskurse im Bereich der Kunstgeschichte nachzudenken und die symbolische Beziehungen zu untersuchen, die wir mit der materiellen Kultur eingehen, veranstaltet das Goethe-Institut die dritte Ausgabe der Konferenz Konversation mit Objekten. Dahinter steht die Absicht, Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und an materieller Kultur Interessierte zusammenzubringen, um mit einem eigens dafür ausgewählten Objekt in Dialog zu treten. Dabei soll auch über nicht-europäische Sicht- und Denkweisen der Kunstgeschichte reflektiert werden.

                    Die Konferenz, die 2015 schon in São Paulo und Rio de Janeiro stattfand, kommt nun in Belém, einem bedeutenden künstlerischen und kulturellen Zentrum des Landes, am Dienstag den 14. Juni um 19 Uhr in der Casa das Onze Janelas (Praça Frei Caetano Brandão, s/n – Cidade Velha) zusammen. Die Veranstaltung, die von Claudia Mattos Avolese (Unicamp) koordiniert wird, ist fürs allgemeine Publikum offen und ohne Eintritt. Teilnehmen werden der Dozent Alexandre Sequeira (UFPA), der Künstler Éder Oliveira, die Kunsthistoriker Nelson Sanjad und Cristiana Barros (Museu Emílio Goeldi) und die Professorin Denise Schaan (UFPA).

                    Im Zentrum der Konversation mit Objekten in Belém steht eine Keramik der Marajoara-Kultur. Die Leiterin des Projekts Claudia Mattos erklärt zu der Auswahl des Gegenstands: „[aus diesem Objekt] können wir die Geschichte einer Kultur lesen, die in ihrer Zeit zu einem reichhaltigen und komplexen Netz von Kulturen des amerikanischen Kontinents gehörte. Aus der Keramik der Marajoara können wir auch eine andere Version der Geschichte der Kolonisierung Amerikas und der geopolitische und kulturellen Ordnung der Region lesen. Das erlaubt uns, neue Narrative über die Präsenz des ,Südens’ in einer Geschichte der Welt zu konstruieren”.

                    Wie die Direktorin des Espaço Cultural Casa das Onze Janelas Heldilene Guerra betont, „ist die Veranstaltung wichtig, weil sie Institutionen von Belém und São Paulo wie das Museu Paraense Emílio Goeldi, das älteste Museum des Landes, und das Goethe-Institut sowie die Casa das Onze Janelas SIM/SECULT-PA und verschiedene Universitäten zusammenbringt“. Die Konversation mit Objekten gehört zum vom Goethe-Institut organisierten Projekt Episoden des Südens und ist Teil des kollaborativen Kulturprojekts Na Varanda. Darüber hinaus wird es unter anderem von der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp) unterstützt.

                    Service
                    Konversation mit Objekten in Belém
                    Dienstag, 14. Juni | 19 Uhr
                    Casa das Onze Janelas
                    Praça Frei Caetano Brandão, s/n – Cidade Velha

                    Eintritt frei | Offen für das allgemeine Publikum


                      18.06.2016

                      Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                      Neue Diaspora: Episode Haiti

                      Projekt bietet Einwanderern aus Haiti Video Workshop und performative Debatte in São Paulo

                      Das Projekt Neue Diaspora, erdacht von der Gruppe Frente 3 de Fevereiro und unterstützt vom Goethe-Institut, hat das Ziel, über die Stimmen der Einwanderer selbst Wissen zu erzeugen, indem man ihnen einen Raum des Zuhörens und des Erlebnisaustauschs bietet, und diesen von verschiedenen Wissensgebieten her betrachtet.

                      Die erste Ausgabe der Neuen Diaspora, mit Veranstaltungen im Juni 2016 konzentriert sich auf die Einwanderung von Haiti nach Brasilien. Sieht man Haiti als eine Art Versuchslabor und Symbol transkontinentalen Sklavenkampfes an, so wird die Episode aus verschiedenen Veranstaltungen im Goethe-Institut bestehen. Die erste wird ein Video Editing Workshop für haitianische Einwanderer sein, der von Daniel Lima und Raquel Borges geleitet wird, und vom 6. bis 10. Juni 2016 im Goethe-Institut in São Paulo stattfindet.

                      Am Samstag, dem 18. Juni erfolgt dann im Goethe-Institut eine öffentlich performative Debatte bestehend aus unterschiedlichen Formaten: audiovisuelle Präsentationen, Arbeitsgruppen, kurze Vorträge und kulinarische Erlebnisse. Neben Daniel Lima werden zur Veranstaltung auch die Künstlerin MC Roberta Estrela D’Alva, der Dirigent Eugênio Lima, der Forscher Felipe Teixeira, die simbabwische bildende Künstlerin Lucia Hnamo und der haitianische Fotojournalist Pierre Michel Jean sowie haitianische Musiker erwartet.

                      Programm
                      Episode HAITI
                      18. Juni, Samstag | 13 bis 22 Uhr
                      Goethe-Institut São Paulo
                      Eintritt frei | öffentlich zugänglich


                        07.05.2016

                        Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                        Urgências! – Eine Reihe von Begegnungen diskutiert Fragen zum Denken der Gegenwart

                        Die jeweils auf acht Stunden mit Frühstück und Mittagspause ausgelegten Begegnungen unter dem Titel URGÊNCIAS! (Dringlichkeiten!) sind ein Diskussionspodium zu Fragen der Gegenwart. Dazu werden Gäste eingeladen, die sich in herausragender Weise auf nationalem oder internationalem Gebiet mit den jeweiligen Themen beschäftigen, diese mit kurzen Präsentationen anreißen und anschließend mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutieren.

                        URGÊNCIAS! chafft einen Dikussionsrahmen über:

                        - Medienhegemonie, Informationsmanagement und -Manipulation, Sinnproduktion über die dominanten Signifikationszentren hinaus,
                        - die Stärkung neuer Äußerungen und Vernetzungen des Feminismus sowie der schwarzen, indigenen und Transgenderbewegungen, Rassismus, Homophobie, Ethnozid, Femizid, Transphobie,
                        - die Zerstörung von Territorien und Lebensweisen, monokulturelle Homogenisierung, kapitalistische Decodierung und Konjugation des Begehrens,
                        - Erziehung, Bildung, Ausbildung und Forschung als kritisches, kollektives Experimentieren hin zu Prozessen der Dekolonisation und Produktion von Welten,
                        - Überwachungsgesellschaft und Polizeistaat,
                        - die neue neoliberale Vernunft.

                        Die Begegnungen finden immer samstags im Goethe-Institut São Paulo statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden unter cultura@saopaulo.goethe.org entgegengenommen. Bitte Namen und E-Mail-Adresse angeben! Die Veranstaltungen sind auf 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschränkt. Anmeldungen werden in der Reihenfolge ihres Eingangs entgegengenommen. Eine Warteliste wird eingerichtet.

                        P.A.C.A. - Programm für autonome Kulturaktionen

                        Das P.A.C.A. äußert sich regelmäßig mit öffentlichen Aktivitäten bei freiem Eintritt, offenen Seminaren, der Produktion von Texten, in Gruppenarbeiten und anderen Darstellungsformaten sowie durch kollektive Anregung von Diskussion und Produktion. Damit wird versucht, einen Beitrag zur Verlagerung und Demontage kolonialer und hegemonial-kapitalistischer Kartografien zu leisten sowie zur Dekolonisation des Lebens, und auch die Schaffung öffentlicher und performatischer Situationen kritischer Diskussion zu fördern, als Alternativ zur herrschenden Politik der Reproduktion von Subjektivität und Kultur. Das 2014 gegründete P.A.C.A. wird betrieben von der Psychoanalytikerin und Kritikerin Suely Rolnik, dem Künstler Amilcar Packer, der Mathematikerin und Philosophin Tatiana Roque sowie dem Kulturkritiker Max Jorge Hinderer Cruz.

                        PROGRAMM


                        Erzählung und Gegenerzählung: Medien, Produktion, Verbreitung und Management von Information; Ethik und Politiken der Produktion von Subjektivität.
                        7. Mai 2016 (Samstag)
                        10-18 Uhr
                        Goethe-Institut São Paulo
                        Organisation: Amilcar Packer unter Beteiligung von Journalisten und brasilianischen sowie internationalen Gästen.

                          04.03. – 11.03.2016

                          ­­­­Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                          Revoltierende Masse Vol. 2 präsentiert die Künstler Neo Muyanga und Grada Kilomba

                          Jamsession mit dem südafrikanischen Musiker und Aktivisten sowie Performance-Kurs mit portugiesischer Künstlerin und Forscherin sind einige der Höhepunkte.

                          Die Protestmusik ist erneut Thema einer vom Goethe-Institut São Paulo organisierten Veranstaltungsreihe, die Teil des Projektes Episoden des Südens ist. Um zu zeigen, wie sich der Protest in die Musik von heute einfügt und welche Präsentationsformen entstanden sind, präsentiert die Revoltierende Masse Vol. 2 den südafrikanischen Musiker und Performer Neo Muyanga mit seinem Performance-Konzert Revolting Music – Verzeichnis der Protestlieder, die Südafrika befreiten und die portugiesische Autorin und Performerin Grada Kilomba mit ihrem Performance-Kurs „Dekolonisation des Wissens“. Kilomba nimmt auch an der offenen Gesprächsrunde im Goethe-Institut São Paulo teil. Die Veranstaltung Revoltierende Masse findet vom 4. bis 11. März an verschiedenen Orten in São Paulo statt.

                          Neo Muyanga zeigt am 4., 5. und 6. März die Show „Revolting Music“ im Centro Cultural São Paulo (CCSP), in Zusammenarbeit mit der Mostra Internacional de Teatro de São Paulo (MITsp). Ausgehend von den Protestliedern mit ihren Elementen der Revolte und Rebellion, geprägt von einem starken politischen Engagement, bis hin zur zeitgenössischen romantischen Musik, die gekennzeichnet ist durch schwindelerregende melodische Elemente, erweist sich das Spektakel als befreiendes und ansteckendes Klangerlebnis. Tickets für die Konzerte unter: www.mitsp.org.

                          Muyanga bedient sich der Popmusik, um sich eine andere Möglichkeit des Wandels und einen neuen möglichen Kampf vorzustellen, die Liebe in einer Revolution zu finden. Geboren in Soweto und in klassischer Musik ausgebildet, taucht der Komponist und Musiker Neo Muyanga in die hybriden Grenzbereiche von Musik und Gedanken ein und wechselt dabei zwischen traditionellen und zeitgenössischen Genres. Mehr über die Arbeit von Neo Muyanga unter: www.neomuyanga.wordpress.com/.

                          Der Musiker tritt auch auf der Jamsession „Revoltierende Masse“, am Freitag, dem 11. März um 20 Uhr im Goethe-Institut São Paulo (Rua Lisboa, 974 – Pinheiros) auf, zusammen mit den Künstlern Giovani di Ganzá, Karina Buhr, Xênia Franca, Mano Money's und Lello di Sarno. Der Eintritt ist frei. Eine Stunde vor Einlass werden vor Ort Wartenummern verteilt. Die Musiker haben auf der Ilha do Bororé an einem dreitägigen Residence-Programm über Protestmusik und Widerstand teilgenommen. Ziel war es, die freie Produktion und Komposition anzuregen und eine Begegnung unterschiedlicher Klangwelten zu ermöglichen.

                          Ein weiterer Höhepunkt der „Revoltierenden Masse“ ist der Auftritt von Grada Kilomba, Autorin, Performerin und Professorin der Humboldt-Universität zu Berlin. Kilomba wird am 6. März von 16 bis 18 Uhr im Centro Cultural São Paulo (Rua Vergueiro, 1000), auf der Mostra Internacional de Teatro de São Paulo (MITsp) den Performance-Vortrag „Dekolonisation des Wissens“ halten.

                          Am 11. März, um 18 Uhr im Goethe-Institut São Paulo (Rua Lisboa, 974 – Pinheiros) wird Grada Kilomba in einem Gespräch mit dem Publikum ihre Arbeit über Gender, Rassismus, Trauma, Erinnerung und Postkolonialismus vorstellen. Moderiert wird die Veranstaltung von Jessica Oliveira, die bereits mehrere Arbeiten Kilombas übersetzt hat. Anmeldungen unter der E-Mail: cultura@saopaulo.goethe.org.

                          Die interdisziplinäre portugiesische Künstlerin Grada Kilomba, die Wurzeln in Angola und São Tomé und Príncipe hat, beschäftigt sich mit den Themen Gender, Rasse, Trauma und Erinnerung. Ihre Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt und in internationalen Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften publiziert. Kilomba ist dafür bekannt, eine Vielzahl von Formaten zu nutzen. Angefangen von gedruckten Publikationen über dramatische Lesungen vereint sie akademische mit lyrischen Erzählungen und schafft somit einen völlig neuen literarischen Stil.

                          Im Jahre 2011 wurde sie durch das soziale Netzwerk Black Women in Europe Blog (BWIE) für ihre Artikel und performativen Lesungen zur „inspirierendsten schwarzen Frau Europas“ gewählt. Sie ist Mitherausgeberin von Mythen, Masken und Subjekte (2005), einer Anthologie über kritische Zeugenschaft, und Autorin von Plantation Memories, einer Sammlung von Alltagsepisoden über Rassismus, die in Form von psychoanalytischen Geschichten geschrieben sind und auf dem Internationalen Literaturfestival (2008) im Haus der Berliner Festspiele vorgestellt wurden und im Jahre 2013 durch das Theater Ballhaus Naunynstraße in Berlin für die Bühne adaptiert wurde. Grada Kilomba lehrt an verschiedenen Universitäten der Welt und ist zurzeit Gastprofessorin am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin. Mehr Informationen zu ihrer Arbeit unter: www.gradakilomba.com.

                          PROGRAMM | REVOLTIERENDE MASSE VOL. 2 – EINE BEWEGUNG DER STIMMEN DES SÜDENS
                          4. bis 11. März | an verschiedenen Orten

                          KONZERT REVOLTING MUSIC – VERZEICHNIS DER PROTESTLIEDER, DIE SÜDAFRIKA BEFREITEN
                          4., 5. und 6. März | zu verschiedenen Zeiten
                          Centro Cultural São Paulo
                          Rua Vergueiro, 1000 – Metrô Vergueiro
                          Informationen: www.mitsp.org

                          Auf der Mostra Internacional de Teatro de São Paulo (MITsp) wird der Südafrikanische Musiker und Performer Neo Muyanga zornige Proteststimmen präsentieren, angeführt durch die Studentenbewegung der Straßen von Soweto, und er wird das lächerliche Moment der aktuellen Pop-Stücke dazu benutzen, die Avantgarde einer unvollständigen Revolution zu verballhornen.

                          performance-VORTRAG “DEKOLONISATION DES WISSENS“ MIT GRADA KILOMBA
                          6. März | 16 – 18 Uhr
                          Centro Cultural São Paulo
                          Rua Vergueiro, 1000 – Metrô Vergueiro
                          Informationen: www.mitsp.org

                          Die portugiesisch-afrikanische Autorin und Künstlerin wir auf der MITsp einen Performance-Vortrag halten. Ihre Arbeit ist bekannt für die Nutzung einer Vielzahl von Formaten; angefangen von Publikationen bis Lesungen und Performances vereint sie die akademische und lyrische Erzählweise.

                          OFFENES GESPRÄCH MIT GRADA KILOMBA
                          11. März | Freitag | 18 Uhr
                          Goethe-Institut | Rua Lisboa, 974 – Pinheiros
                          Inscrições gratuitas: cultura@saopaulo.goethe.org.
                          Informationen: www.goethe.de/saopaulo

                          Grada Kilomba spricht mit dem Publikum über ihre Arbeit, die sich mit Gender, Rassismus, Trauma, Erinnerung und Postkolonialismus auseinander setzt. Moderation Jessica Oliveira.

                          JAMSESSION MIT NEO MUYANGA UND GÄSTEN
                          11. März | 20 Uhr
                          Goethe-Institut São Paulo
                          Rua Lisboa, 974 – Pinheiros
                          Eintritt frei | Öffentliche Veranstaltung
                          1 Stunde vor Einlass werden Wartenummern verteilt

                          Die Jamsession Revoltierende Masse, an der Giovani di Ganzá, Karina Buhr, Xênia França, Mano Money‘s, Lello Di Sarno und Grada Kilomba teilnehmen, ist das Ergebnis der Künstlerresidenz von Musikgruppen.

                            26.01.2016

                            ­­­­Copyright: Goethe-Institut São Paulo


                            Das “gute Leben” oder gut leben: eine Einladung

                            Gäste, die sich in Hängematten liegend unterhalten, erzeugen eine andere Dynamik der Aufmerksamkeit und weniger Gesprächshierarchien.

                            Durch eine Initiative des Goethe-Instituts La Paz in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut São Paulo und dem Künstler Amilcar Packer wurde am 26. Januar 2016 eine dem Publikum offen stehende Veranstaltung organisiert, zu der Gäste aus Südamerika eingeladen waren. Den ganzen Tag lang, vom Frühstück bis zum Abendessen, verstand sich die Begegnung als Einladung zum Austausch von Gesprächen und Geschichten, die auf irgendeine Weise der Reflexion über einen etwaigen Beitrag des „Guten Lebens“ für den Planeten dienten. Die Gespräche wurden mit der Kamera aufgezeichnet. Das von Amilcar Packer aufbereitete Material soll zu einem Film verarbeitet werden, der auf dem Seminar „Teilen und Tauschen“ in diesem Jahr in Weimar gezeigt wird.

                            Der Ort der Begegnung, die in São Paulo stattfand, war gespickt mit Hängematten, in denen die Teilnehmer und andere Gäste im Liegen ihre Reden vortragen konnten, was eine andere Dynamik der Aufmerksamkeit und weniger Gesprächshierarchien erzeugte. Packers Ansatz geht davon aus, das „gute Leben“ entlang seiner zeitlichen Beziehung zu denken und über die Unterschiede zwischen Arbeit als Geschäft (Verneinung des Müßigganges), Aktivität, Verachtung der Arbeit (koloniales System), Ablehnung der Arbeit (Paul Lafargue, Duchamp, Maurizio Lazzarato), Aktivität, Müßiggang (Seneca) und Faulheit (Mário de Andrade, Macunaíma) zu reflektieren.

                            Gäste: Elvira Espejo (Bolivien), Maria Galindo (Künstlerin und Aktivistin, Mujeres Creando, Bolivien), Oscar Vega (Philosoph, Bolivien), Tício Escobar (Autor, Paraguay), Baby Amorim (Ilu Obá de Min, Brasilien), Daniel Munduruku (Autor, Brasilien), Manuela Carneiro da Cunha (Antropologin, Brasilien).

                              05.12.2015

                              Goethe-Institut São Paulo


                              Der Körper und seine verschiedenen Aspekte sind Thema von Dialogen der Installation “Zu Tisch”

                              Eine von der Mobilen Akademie konzipierte Dialoginstallation führt Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, um im Sesc Consolação über den Humankörper zu sprechen


                              Wo liegt die Grenze der Vernunft, wenn man von technischen Modifikationen und einer Transformation des menschlichen Körpers spricht? Bis zu welchem Punkt sind solche Transformationen legitim, selbst die, die therapeutischen oder sozial integrativen Charakter besitzen, wie Herzschrittmacher, Zahnersatz oder Beinprothesen?

                              Erzählungen über die fortschreitende Vermischung von Körpern und Implantaten, von Mensch und Gerät, von den Schnittstellen des Humankörpers mit Artefakten und unterschiedlichen Technologien sind der Ausgangspunkt der Gespräche der aus fünf Akten bestehenden Dialoginstallation „Zu Tisch – Geschichten über den technischen, imaginierten und toten Körper“ der Mobilen Akademie, die am 5. Dezember von 15:00 bis 22:00 Uhr im Sesc Consolação stattfinden wird. Der Eintritt ist frei.

                              Die Installation, die von der renommierten deutschen Künstlerin Hannah Hurtzig konzipiert wurde, ist Teil der „Episoden des Südens“, einem Projekt des Goethe-Instituts in Kooperation mit Sesc São Paulo, das über die metaphorischen, kulturellen, sozialen, historischen und politischen Dimensionen des sogenannten „Südens“ reflektiert.

                              In der Installation nehmen Experten unterschiedlicher Bereiche wie Neurologen, Psychologen, Künstler, Transvestiten, Transsexuelle, Soziologen und Philosophen am Tisch Platz und erzählen vom transformativen Potenzial unserer Körper. Als teilnehmende Fachleute werden unter anderem die Philosophin Marcia Tiburi, die Künstlerin Rita Wu, der Journalist und Politiker Jean Wyllys, der Professor und Psychoanalytiker Christian Dunker und der Cartoonist Laerte erwartet.

                              Das Publikum, das die Installation besucht, wird Kopfhörer bekommen, um die Gespräche der Experten am Tisch zu verfolgen. Man hat die Möglichkeit, sich anzumelden, um an der Diskussion teilzunehmen. Die Besucher können sich auch stets über die Karaoke-Funktion zu Wort melden, in einem Bereich mit Mikrofon und Bildprojektionen, die zum Thema der Tische passen. Allen Dialogen folgt eine 20-minütige Diskussion, an der Provokateure teilnehmen, die auch schon während der Dialoge Interventionen durchführen.

                              Das Programm der Dialoginstallation beginnt um 15:00 Uhr mit dem ersten Tisch „Die Geschichte der Knochen: der Körper als mnemonisches Gerät“ und endet um 20:45 Uhr mit dem Tisch „Spekulationen und aktuelle Erwartungen über einen Körper der Zukunft“. Programminformationen siehe unten.

                              Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung zum Hören der Diskussionen ist nicht erforderlich. Es ist möglich, auch nach Beginn eines jeden Tischgesprächs hinzuzustoßen.

                              PROGRAMM “ZU TISCH”
                              Ein Projekt der Mobilen Akademie Berlin, realisiert vom Goethe-Institut und Sesc São Paulo

                              15:00 Uhr
                              Die Geschichte der Knochen: Der Körper als mnemonisches Gerät

                              Dialog mit: Clara Ianni & Luiz Fontes

                              16:15 Uhr
                              Der Disability Act (Lei da Deficiência) von 2006 und das Anti-Inklusions-Manifest von 2010: Wie das Recht auf Imperfektion die Gesellschaft herausfordert

                              Dialog mit: Marta Almeida Gil & Estela Lapponi

                              17:30 Uhr
                              Tiefe Hirnstimulation I: Neurale Prothesen zur Behandlung von Parkinson

                              Dialog mit: Victor Rosetto Barboza & Erich Fonoff

                              18:30 Uhr
                              Tiefe Hirnstimulation II: Neurale Prothesen zur Behandlung von Depressionen

                              Dialog mit: Christian Dunker & Erich Fonoff

                              19:30 Uhr
                              Schamanismus als Technik des Körpers: Wie man virtuelle Welten, Informationen und Beziehungen zwischen Spezies einander annähern kann


                              Dialog mit: Fabiane M. Borges & Laymert Garcia dos Santos

                              20:45 Uhr
                              Spekulationen und aktuelle Erwartungen über einen Körper der Zukunft
                              Dialog mit: Laerte Coutinho & Amara Moira & Jean Wyllys

                              Allen Dialogen folgt eine 20-minütige Diskussion, an der Provokateure und Gäste teilnehmen: Marcia Tiburi, Max Hinderer Jorge Cruz, Lakshmi Lobato, Rodrigo Maltez Novaes, Benjamin Seroussi und Rita Wu.

                              Dialoginstallation
                              “Zu Tisch – Geschichten über den technischen, imaginierten und toten Körper”

                              Datum | Samstag, 5. Dezember 2015
                              Uhrzeit | 15:00 bis bis 20:45 Uhr
                              Ort | Sesc Consolação
                              R. Dr. Vila Nova, 245 - Vila Buarque, São Paulo
                              Telefon | 11 3234 3000
                              Eintritt frei
                              Simultane Übersetzung ins Englische


                                28.10. – 31.10.2015

                                Goethe-Institut São Paulo


                                Die Zukünfte der afrikanischen Diaspora

                                Eine Videokonferenz vereint Künstler und Intellektuelle aus Afrika und aus der afrikanischen Diaspora in Europa sowie in Nord- und Südamerika, um einen Blick auf die zum Kontinent gehörende künstlerische Produktion zu werfen.


                                “Wenn du eine Vorstellung von der Welt haben willst, die da kommt, die Welt, die noch vor uns liegt, dann schau nach Afrika!“, sagt der afrikanische Philosoph Achille Mbembe. Wie stellt sich die Zukunft Afrikas aus der Sicht von Künstlern und Akademikern dar? Welche Erzählformen des Science-Fiction-Genres haben afrikanische Künstler entwickelt?

                                Dies sind nur einige Fragen, auf die das vom Goethe-Institut vom 28. bis 31. Oktober organisierte Projekt African Futures abzielt. Das Programm des Festivals ist interdisziplinär und findet gleichzeitig in drei afrikanischen Hauptstädten statt: Johannesburg (Südafrika), Lagos (Nigeria) und Nairobi (Kenia). Ziel ist es, die Zukunft mittels des erzählerischen und künstlerischen Ausdrucks in Literatur, den schönen Künsten, der Musik, des Kinos und verschiedenen digitalen Formaten zu erforschen.

                                Als Teil des Programms African Futures wird São Paulo die Zirkumatlantische Videokonferenz „Die Zukünfte der Afrikanischen Diaspora“ ausrichten, die am Freitag, dem 30. Oktober, um 15 Uhr im Goethe-Institut São Paulo (Rua Lisboa, 974 – Pinheiros) stattfindet. Zu dieser Veranstaltung werden sich Künstler und Intellektuelle aus Afrika und aus der afrikanischen Diaspora in Europa sowie in Nord- und Südamerika zusammenfinden, um einen Ausblick auf ihre Zukunft und ihre künstlerische Produktion zu wagen, die gekennzeichnet ist von einer kritischen Reflexion über Afrika und ihrem Widerhall in der Welt.

                                Erwartet werden internationale Teilnehmer wie Adrienne Edwards, Kuratorin, Akademikerin und Autorin mit Fokus auf die Künstler der afrikanischen Diaspora und des globalen Südens, der Kurator Bonaventure Ndikung, Gründer und Kurator des Savvy Contemporary Art Space in Berlin, und Kodwo Eshun von der The Otolith Group aus London.

                                In São Paulo wird die Videokonferenz von Daniel Lima moderiert, einem Mitglied des Kollektivs Frente 3 de Fevereiro. Dabei wird er von der Dichterin, Essayistin und Professorin der Universität von Belo Horizonte (UFMG) Leda Martins und dem Soziologen und Mitglied des Kollektivs Sistema Negro aus São Paulo Viny Rodrigues unterstützt.

                                Die Videokonferenz „Die Zukünfte der afrikanischen Diaspora“ steht dem Publikum offen, das sich kostenlos unter der E-Mailadresse cultura@saopaulo.goethe.org anmelden kann. Eine Liveübertragung erfolgt über die Internetseite www.goethe.de/africanfutures. Den Teilnehmern wird ein Zertifikat ausgestellt.

                                Zirkumatlantische Videokonferenz: „Die Zukünfte der Afrikanischen Diaspora“
                                Freitag, 30. Oktober, 15 Uhr
                                Goethe-Institut São Paulo
                                Rua Lisboa, 974 – Pinheiros
                                Telefon 55 11 3296 7000
                                Kostenlose Anmeldung unter cultura@saopaulo.goethe.org
                                Den Teilnehmern wird ein Zertifikat ausgestellt


                                  14.10. – 17.10.2015

                                  Goethe-Institut São Paulo


                                  Zur globalen Zukunft der Museen

                                  Museumsdirektoren und Kuratoren aus verschiedenen Ländern diskutieren über die Zukunft der Museen und denken über neue Ausstellungsmodelle, Formate der Vermittlung und des Dialogs im Rahmen der Museumsarbeit nach.


                                  Mit welchen Herausforderungen sehen sich die Museen der Zukunft konfrontiert? Sind Museen noch immer geeignete Räume für das Ausstellen, Dokumentieren, Vermitteln und Archivieren von Sammlungen sowie für die Interaktion zwischen Betrachter und Objekt?

                                  Die Diskussion dieser Fragen bekommt mit Blick auf die unabweisbare Globalisierung eine internationale Dimension: Welche Konsequenzen sind im Sinne der Globalisierung aus dem Umstand zu ziehen, dass Sammlungen häufig nur auf den europäischen und nordamerikanischen Kulturraum ausgerichtet sind; welche Rolle spielen die Digitalisierung und die Möglichkeiten der „Virtual Reality“ , wenn es um neue Modelle, Methoden und Architekturen in den Museen geht?

                                  Mit der vierteiligen internationalen Konferenzreihe Museale Episoden wollen das Goethe-Institut und die Kulturstiftung des Bundes (KSB) den Gedankenaustausch fördern und Konzeptionen neuer Ideen und Projekte für Museen anregen. 17 international renommierte Museumsdirektorinnen und Direktoren und Kuratorinen und Kuratoren aus Brasilien und der Welt sind aus diesem Anlass vom 14. bis 17. Oktober in das Museum für Moderne Kunst in Bahia (Avenida Contorno, s/n – Salvador) eingeladen. Am 15. Oktober um 17 Uhr präsentieren die Teilnehmer im Goethe-Institut Salvador (Av. Sete de Setembro, 1809 – Salvador) ein Zwischenfazit ihrer Debatten der Öffentlichkeit.

                                  Marcelo Rezende, Direktor des Museums für Moderne Kunst in Bahia, ist der Gastgeber dieser ersten Musealen Episode unter dem Motto „Bring dein Museum zu meinem Museum“. Die Ergebnisse jedes Treffens werden dokumentiert und es ist geplant, sie in Form einer öffentlichen Veranstaltung im Rahmen der documenta 2017 zu präsentieren.

                                  Teilnehmer
                                  Elvira Espejo | Nationalmuseum für Ethnographie und Folklore (La Paz)
                                  Gabi Ngcobo | Künstlerin und unabhängige Kuratorin (Johannesburg)
                                  Hartwig Fischer | Staatliche Kunstsammlungen (Dresden)
                                  Klaus Görner | Museum für Moderne Kunst (Frankfurt)
                                  Luiza Proença | Kunstmuseum São Paulo (MASP)
                                  Marina Fokidis | Kunsthalle Athen
                                  Marion Ackermann | Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf)
                                  Marcelo Rezende | Museum für Moderne Kunst in Bahia (Salvador)
                                  Matthias Mühling | Städtische Galerie im Lenbachhaus (München)
                                  Nydia Gutierrez | Museo de Antioquia (Medellin)
                                  Övül Durmusoglu | unabhängige Kuratorin (Istanbul/Berlin)
                                  Pablo Lafuente | unabhängiger Kurator (São Paulo)
                                  Reem Fadda | Guggenheim (New York/Abu Dhabi)
                                  Victoria Noorthoorn | Museum für Moderne Kunst (Buenos Aires)
                                  Yilmaz Dziewior | Museum Ludwig (Köln)
                                  Zdenka Badovinac | Moderna Galerija (Ljubliana).

                                  DISKUSSIONSRUNDEN
                                  Museale Episode zur globalen Zukunft der Museen
                                  “Traga o seu museu para o meu museu”

                                  14. und 17. Oktober 2015
                                  Museum für Moderne Kunst in Bahia
                                  Avenida Contorno, s/n – Comércio
                                  Salvador, Bahia
                                  Nur für geladene Gäste

                                  ÖFFENTLICHE SITZUNG
                                  Donnerstag, den 15. Oktober 2015
                                  Goethe-Institut Salvador-Bahia/CCBA
                                  Av. Sete de Setembro, 1809 – Salvador, BA
                                  Telefon 71 3338 4700

                                    12.02.2015



                                    Episoden des Südens


                                    Am 12. Februar 2015 startete die erste „Episode“ des Projektes Episoden des Südens im Goethe-Institut São Paulo. Das Format dieser Veranstaltung war eine Diskussion zwischen Intellektuellen, Kuratorinnen und Künstlerinnen im so genannten Fishbowl. Thema war der „Süden“ in seinen symbolischen, geografischen, politischen, sozialen, kulturellen und historischen Facetten.

                                    Die Episoden des Südens werden in den kommenden drei Jahren in verschiedenen Projekten unterschiedlicher Sparten den Beitrag des „Südens“ in einer globalisierten Welt untersuchen. Als Goethe-Institut interessiert uns dabei vor allem, was wir Europäer und Deutsche von diesen Diskursen und Initiativen lernen – aber auch dazu beitragen – können.
                                    In Vertretung des Bundesministers Frank-Walter Steinmeier, der seine Teilnahme aufgrund der Ukraine-Krise nur wenige Stunden zuvor absagen musste, geschah die offizielle Eröffnung durch den deutschen Generalkonsul in São Paulo, Friedrich Däuble, den Kulturdezernenten der Stadt São Paulo, Nabil Bonduki, und den Leiter des SESC São Paulo – Hauptpartner des Projektes, Danilo Santos de Miranda. Die brasilianische Performancekünstlerin Roberta Estrela d’Alva interpretierte die portugiesische Übersetzung des Goethe-Gedichtes Todeslied eines Gefangenen. Brasilianisch.

                                    Mit den Episoden des Südens versucht das Goethe-Institut eine Desorientierung, wo Geografien sich verflüssigen und sich Achsen wie Ost/West und Nord/Süd auflösen. Gibt es eine globale Kunstgeschichte? Wie können wir unser Gedankengut entkolonisieren? Welche künstlerischen Zukunftsvisionen entstehen? Welche Utopien kann man (er)finden? Wie sieht das Museum der Zukunft aus? Wie sind die neuen Wege der Erkenntnisgewinnung und der Erkenntnisvermittlung? Welche Effekte hat dies jenseits des Südens? Als Goethe-Institut wagen wir neue Sicht- und Denkweisen über Deutschland, über Europa und die Welt, auch wenn oder sogar weil sie noch unbekannt sind.



                                    Die Episoden des Südens werden in den kommenden drei Jahren in verschiedenen Projekten unterschiedlicher Sparten den Beitrag des „Südens“ in einer globalisierten Welt untersuchen. Als Goethe-Institut interessiert uns dabei vor allem, was wir Europäer und Deutsche von diesen Diskursen und Initiativen lernen – aber auch beitragen – können.

                                      07.06. – 12.06.2015

                                      Foto: Rafael Muto Nagahama

                                      Protestlieder sind Thema von Workshops, Performanca-Kursen und Jams

                                      Die Veranstaltungsreihe „Revoltierende Masse“ vereint während einer Woche voller Aktivitäten den südafrikanischen Komponisten Neo Muyanga, den nigerianischen Musiker Emeka Ogboh und brasilianische Künstler wie Karina Buhr und Roberta Estrela D’Alva

                                      Das Goethe-Institut realisiert vom 7. bis 12. Juni an mehreren Orten in São Paulo und unter der Teilnahme von nationalen und internationalen Forschern, Musikern und Komponisten die Veranstaltung „Revoltierende Masse – Eine Bewegung der Stimmen des Südens“.
                                      Musik war schon immer ein Mittel zu politischem Engagement und eine Form soziale und politische Fragestellungen zu behandeln. In Brasilien sind Musiker wie Caetano Veloso, Geraldo Vandré, Chico Buarque, Elis Regina, Cazuza und die Band Legião Urbana nur einige der Ikonen der Protestmusik, die die Zeit der Militärdiktatur geprägt haben.

                                      Aber was hat heute der Protest mit der Musik zu tun, in einem demokratischen Szenario und zwei Jahre nach den sogenannten Junidemonstrationen, bei denen Tausende von Menschen auf die Straßen gingen? Welche Ästhetik hat sich ausgehend von den Protesten entwickelt? Welche Musikstile und Präsentationsformen sind entstanden, wenn sich Musik und die Poesie dem Protest annähern? Welche Parallelen können zwischen dem Süden und einem globalen Szenario gezogen werden? Welche Symbole und Schlagwörter sensibilisieren uns?

                                      Das Goethe-Institut realisiert vom 7. bis 12. Juni an mehreren Orten in São Paulo und unter der Teilnahme von nationalen und internationalen Forschern, Musikern und Komponisten die Veranstaltung „Revoltierende Masse – Eine Bewegung der Stimmen des Südens“, bestehend aus einer Reihe von Workshops, Performance-Kursen und Vorträgen, welche Protestmusik und die Widerstandskultur zum Hauptthema haben. Die Veranstaltungsreihe ist Teil des ebenfalls vom Goethe-Institut geschaffenen Projekts Episoden des Südens, bei dem es um Visionen und Beiträge des Südens zur Kunst, Wissenschaft und Kultur in einem Kontext wachsender Globalisierung geht.

                                      Revoltierende Masse wird kuratiert vom südafrikanischen Musiker und Komponisten Neo Muyanga, der in diesem Jahr eine Studie über die Protestmusik in den Städten São Paulo und Montevideo durchführte, und dabei Parallelen zwischen den Künstlern und dem musikalischen Aktivismus in diesen beiden Städten und seiner Geburtsstadt Johannesburg aufgezeigt hat. Während dieser Zeit begegnete er brasilianischen Künstlern wie Karina Buhr, Criolo und Roberta Estrela D’Alva, tauschte Ideen aus und konzipierte zusammen mit ihnen die Aktivitäten des Projekts.

                                      „Sowohl Uruguay als auch Brasilien verfügen über Arten und Weisen Musik zu machen, die immer noch tief in der afrikanischen Ästhetik verwurzelt sind. Schließlich wurden während des transatlantischen Sklavenhandels Afrikaner gefangen genommen und in beide Länder zwangsverschleppt.“ Der Künstler arbeitet als Dirigent bei verschiedenen Produktionen in Südafrika und der Welt, darunter bei der Royal Shakespeare Company. Er ist „Composer in Residence“ am Wits Institute for Social and Economic Research (WISER) an der Witwatersrand Universität in Südafrika und dem Humanities Research Institute (HRI) an der University of California.

                                      Revoltierende Masse beinhaltet ein volles und vielfältiges Programm und setzt unter anderem auf die Teilnahme von Karina Buhr, Roberta Estrela D‘Alva, Emeka Ogboh (Nigeria), Barão di Sarno, Giovani di Ganzá, den Gruppen Ilú Obá de Min und Madeira de Lei sowie dem Coral Tradição.

                                        25.06.2015

                                        Bildrecht: Brooklyn Museum CC BY 3.0

                                        Experten treffen sich auf Konferenz, um über Kunstgeschichte und materielle Kultur zu diskutieren

                                        „Konversation mit Objekten“ hinterfragt die gängigen Diskurse auf dem Gebiet der Kunstgeschichte und untersucht die Beziehungen, die wir zu den Dingen pflegen.

                                        Mit dem Ziel, einen Dialog mit Dingen zu führen, die sich gegenüber dem Universum in einem Spannungsverhältnis befinden, welches wir „Kunst“ nennen, organisiert das Goethe-Institut São Paulo in Zusammenarbeit mit der Universität von Campinas (Unicamp) die Konferenz
                                        Die Diskursfähigkeit und die soziale Wirkung von Objekten sind immer stärker in den Fokus der Geisteswissenschaften geraten.

                                        Mit dem Ziel, einen Dialog mit Dingen zu führen, die sich gegenüber dem Universum in einem Spannungsverhältnis befinden, welches wir „Kunst“ nennen, organisiert das Goethe-Institut São Paulo in Zusammenarbeit mit der Universität von Campinas (Unicamp) die Konferenz „Konversation mit Objekten: Kunstgeschichte und materielle Kultur“, die am Donnerstag, den 25. Juni um 19:30 Uhr im Goethe-Institut (Rua Lisboa, 974 – Pinheiros, São Paulo) stattfinden wird.

                                        Während der Konferenz sind Experten unterschiedlicher Fachrichtungen wie Claudia Mattos Avolese (Instituto de Artes, Unicamp), Gabi Ngcobo (Centre for Historical Reenactments, Südafrika), Bruno Moreschi (Unicamp), Amy Buono (Instituto de Artes, UERJ) und Omar Ribeiro Thomaz (Unicamp) dazu eingeladen, mit einem Objekt zu „sprechen“, das sich unter den Teilnehmern befindet.

                                        Die Konfrontation mit der Materialität des Objekts schafft eine günstige Ausgangssituation, um den gängigen Diskurs, vor allem auf dem Gebiet der Kunstgeschichte, zu hinterfragen und die Beziehungen, die wir zu den Dingen pflegen, genau zu untersuchen. Dabei wird vor allem der nicht-europäischen Perspektive auf die Geschichte der Kunst Raum gegeben.

                                        Die Anmeldung zu der Veranstaltung ist kostenlos und kann über die E-Mail: cultura@saopaulo.goethe.org erfolgen. Eine weitere Begegnung gleichen Formats ist für den 25. August in der Escola Visual Parque Lage in Rio de Janeiro vorgesehen. Die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

                                        Die Konferenz „Konversation mit Objekten“ ist Teil des vom Goethe-Institut realisierten Projekts Episoden des Südens, bei dem es um Visionen und Beiträge des Südens zur Kunst, Wissenschaft und Kultur in einem Kontext wachsender Globalisierung geht.



                                          05.08. ­­­­­­­­– 04.10.2015

                                          Foto: Pedro Victor Brandão


                                          Humboldts Papagei kommt nach São Paulo

                                          Eine Klanginstallation von 15 lateinamerikanischen Künstlern dokumentiert vom Aussterben bedrohte indigene Sprachen. Die von Alfons Hug kuratierte Schau ist vom 5. August an im Ausstellungsraum Oca im Ibirapuera-Park, São Paulo, zu erleben.


                                          Betritt man die Ausstellungsräume, schlägt dem Besucher zunächst unspezifisches, polyphones Gemurmel entgegen, bestehend aus unterschiedlichen Stimmen und einem Klangteppich, der eher an eine sakrale Umgebung erinnert. Nähert man sich den einzelnen Lautsprechern, erklingen deutlich einzelne amerindische Sprachen, die vom Aussterben bedroht sind, oder sich zumindest in einem kritischen Zustand befinden. Schautafeln geben die gesprochenen Texte wieder und verweisen auf die Geschichte der jeweils vorgestellten Sprache.

                                          Die große Klanginstallation nennt sich Humboldts Papagei und ist vom 5. August an im obersten Geschoss der „Oca“ im Ibirapuera-Park von São Paulo zu erleben, parallel zu der Ausstellung Invento | As revoluções que nos inventaram (Die Revolutionen, die uns erfunden haben). Auf Anregung des Goethe-Instituts und mit der Unterstützung von Oi Futuro dokumentiert die von Alfons Hug kuratierte Ausstellung nicht nur ein bedeutendes linguistisches Erbe, sondern mit ihm auch eine Art, die Welt zu sehen und zu leben.

                                          Humboldts Papagei inspiriert sich an der Legende des Papageis, den der deutsche Entdecker und Naturkundler Alexander von Humboldt, der zwischen 1799 und 1804 unzählige Reisen in Länder wie Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Kuba und Mexiko unternahm, am Orinoco dem Volk der Karibe abkaufte. Humboldt bemerkte, dass der Papagei nicht die Sprache dieses Volks sprach, sondern die der bereits ausgestorbenen Maipuré. Der Papagei war ihr einziger noch lebender Sprecher. Humboldt ging sogar in die brasilianische Literatur ein, über den Papagei des „Helden ohne jeden Charakter“ Macunaíma, der am Ende des Buches das Wort ergreift. Er ist der einzige, der die Sprache des Stammes beherrscht.

                                          Mehr als 600 amerindische Sprachen

                                          Während in Brasilien noch mehr als 160 Sprachen gesprochen werden, sind es in einigen Ländern Mittelamerikas kaum mehr als eine Handvoll. Man schätzt, dass 85% der im Jahr 1500 auf dem Kontinent existenten Sprachen bereits ausgerottet sind. Die indigene Bevölkerung Lateinamerikas summiert sich auf 28 Millionen Menschen - 6% der Gesamtbevölkerung. In allen zwanzig Ländern - mit Ausnahme Kubas, Haitis und der Dominikanischen Republik - werden zusammengenommen mehr als 600 indigene Sprachen gesprochen, das sind 10% der gesprochenen Sprachen weltweit. Ein Drittel davon ist vom Aussterben bedroht und ein weiteres Drittel befindet sich in einer kritischen Situation.

                                          Während Quechua (in Peru, Ecuador und Bolivien), Guaraní (in Paraguay), Aimara (in Bolivien, Chile und Peru) sowie Nauatl (Mexiko) noch von je Millionen Menschen gesprochen werden, bringen es andere Sprachen, wie das Arara (Brasilien), Bribri (Costa Rica), Pipil (El Salvador) oder Chorote (Argentinien) auf weniger als tausend Sprecher. Yamana in Feuerland wird heute nur noch von einer einzigen Person gesprochen, der um 1938 in Puerto Williams (Chile) geborenen Cristina Calderón. Der chilenische Künstler Rainer Krause führte ein Interview mit der Dame, um wenigstens einen Grundwortschatz dieser Sprache zu bewahren. Angesichts dieser so dramatischen Situation ist es ermutigend, dass andererseits in verschiedenen Ländern des Kontinents mittlerweile ein neuer Indigenismus entsteht. Formen des traditionellen Lebens werden nicht nur in Bolivien, Ecuador oder Venezuela, sondern auch in Brasilien und sogar Argentinien wieder ernsthaft diskutiert.

                                          Humboldts Papagei versucht den Kontakt zur Realität amerindischer Sprachen herzustellen und zugleich Formen ihrer Renaissance aufzuzeigen. Die Beschränkung der Ausstellung auf Klang verlangt von den Besuchern eine intensive Konzentration, die das Visuelle allerdings umso entbehrlicher werden lässt, je mehr man sich auf ein Eintauchen in den Kosmos der seltenen Sprachen einlässt.

                                          Ausgewählt wurden Künstler mit einer besonderen Affinität zum indigenen linguistischen Erbe. Bei der Auswahl der Sprachen war nicht nur die historische und kulturelle Bedeutung einer Sprache oder Ethnie ein Kriterium, sondern auch der Grad ihrer Bedrohung sowie ihr ästhetischer Reiz. Bemerkenswert ist zudem, wie sich die Künstler gemeinsam an einem kollektiven Werk ohne Hegemonien oder Hierarchien beteiligen.

                                          Die Künstler:
                                          Brasilien: Adriana Barreto, Paulo Nazareth – Uruguay: Gustavo Tabares – Argentinien: Sofia Medici & Laura Kalauz – Chile: Rainer Krause – Bolivien: Sonia Falcone & José Laura Yapita – Peru: José Huamán Turpo – Venezuela: Muu Blanco – Paraguay: Javier López/Erika Meza – Deutschland: Ellen Slegers– Ecuador: Fabiano Kueva – Guatemala: Sandra Monterroso – Costa Rica: Priscilla Monge – Nicaragua: Raul Quintanilla – Panama: Orgun Wagua

                                          Die Ausstellung: Humboldts Papagei.
                                          Kurator: Alfons Hug
                                          Ausstellungsort: Oca – Parque Ibirapuera (São Paulo)

                                          Anschrift: Av. Pedro Álvares Cabral – Portão 3
                                          Telefon: (11) 5082 1777

                                          Vernissage: 4. August 2015 (für geladene Gäste)
                                          
Dauer der Ausstellung: 5. August bis 4. Oktober 2015
                                          Öffnungszeiten: Dienstags bis Sonntags, 9 bis 17 Uhr
                                          Eintritt frei

                                            11.03.2017

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                                            Ein Gespräch der “URGÊNCIAS! / DRINGLICHKEITEN” über Themen der brasilianischen Gegenwart

                                            Die erste Begegnung des Jahres 2017 beschäftigt sich mit dem Begriff “Erde” in seinen unterschiedlichen Verwendungen, Bedeutungen, Konflikten und Potenzialen.

                                            Die Begegnungen unter dem Titel „Urgências! / Dringlichkeiten!“ sind eine öffentliche Plattform für Diskussionen über Fragen der Gegenwart - ein Beitrag des „Programms autonomer Kulturaktionen“ P.A.C.A., organisiert in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut São Paulo und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Zu jeder Ausgabe werden Gäste eingeladen, die sich auf brasilianischer oder internationaler Ebene in den jeweiligen Gebieten der vorgeschlagenen Debatte hervorgetan haben. 2016 wurden auf drei Begegnungen Themen wie Medien und die Errichtung von Narrativen, die politischen Grenzen der Linken, Bildung und Kolonialismus diskutiert. Die erste Begegnung des Jahres 2017 befasst sich mit dem Begriff „Erde“.

                                            Das portugiesische Wort Terra für Erde kommt aus dem lateinischen ters, trocken - im Gegensatz zu mars, dem lateinischen Wort für feucht. Und vom Meer (portugiesisch: mar) aus sagt man auf Portugiesisch „terra à vista“ - Land in Sicht. Groß für den, der sich auf ihr befindet, ist der Planet Erde winzig im Vergleich zu dem Raum in dem er sich befindet. „Erde“ im stofflichen Sinn ist eine Mischung mineralischer und organischer Bestandteile, ebenso kann Erde Boden bedeuten, den Grund, Territorium, Land, Nation, Heimat, den Abstammungsort, den Geburtsort, „heimische Erde“. Erde ist auch diese Welt. Und mundo (Portugiesisch für Welt) kommt von mundus, lateinisch für organisiert, elegant, sauber, rein, womit im alten Rom auch eine Art Truhe bezeichnet wurde, in der die Frauen ihre Kämme, Spiegel und Schminksachen aufbewahrten. „Welt“ bezieht sich auf den Globus, doch auch auf den Himmel, von Menschen bewohnte Welt, von Menschen möglicherweise bewohnbare Welten. Also die menschliche Gesamtheit. „Welt“ im weiteren Sinn ist das unendliche Universum. „Imundo“ bedeutet auf Portugiesisch unrein, etwas, das man nicht berühren sollte. „Imundo“ ist nicht-Welt, desorganisiert und dem menschlichen Leben nicht eigen. Was diese unterschiedlichen Bedeutungen von „Welt“ zueinander bringt und annähert, ist auch das griechische kosmos, das „gute Ordnung“ beschreibt: Alles, was ist, war und sein wird nach dem caos, der Unordnung.

                                            Zäune, checkpoints, Wände, Mauern, Gitter, Barriere, Grenzen, Wachtürme, Gefängnisse, Zoll, Kolonien, Demarkationslinien, Stacheldraht, Elektrozäune, Minenfelder, Überwachungskameras, besetzte Territorien, Drohnen, Pässe, Besitztitel, Eigentum, Exil, Vertreibungen, Exekutionen, Migration, Immigration, Räumungen, Verfügungen, Anordnungen, Wiederherstellung der Besitzverhältnisse. Für einige definiert Erde sich durch ihre totale Verfügbarkeit, den potenziellen Profit aus der Erde, dem Meer und der Luft, Ausbeutungsmöglichkeit, Besitz, der dem Besitzenden angeblich das Recht gibt, damit zu tun, was er will. Doch für viele heißt Erde auch Land, Bindung und Zugehörigkeit, Vorfahrenschaft und Tradition, Gemeinschaft und Gemeinsamkeit, Zusammenleben und Sozialisation, Subsistenz und Widerstand, Wohnung, Verantwortung, Pflichten, Heiligkeit und ethische Ausübung von Existenz - gutes Leben -, Achtsamkeit mit sich und anderen. Für diese ist Erde Land, Sprache, Haut, Fleisch und Knochen, woher man kommt und wohin man geht. Das Recht auf Erde, die Rechte der Erde.

                                            An Urgências! / Dringlichkeiten „Erde“ beteiligen sich: Diara Tukano, Érica Maunguinho, Pai Flavio Kosta (Babakekere Oluko Kareka Kosta), Bàbálòrişà Ranato Ty Logun Edé, Ruth Kadubla und Hasan Zarif.

                                            Über die Teilnehmenden:

                                            Daiara Tukano Verteidigerin der Menschenrechte vom indigenen Volk der Tukano aus Amazonien ist Dozentin, Künstlerin, indigene, feministische Aktivistin, zurzeit politische Korrespondentin für Rádio Yandé, das erste indigene Radio Brasiliens. Sie forscht am Masterstudiengang Menschenrechte über das Recht auf Wahrheit und indigene Geschichte im brasilianischen Bildungssystem. Sie lebt in Brasilia.

                                            Flávio Donizete da Costa ist Portugiesischlehrer im städtischen Bildungsdienst von São Paulo und Priester des Umbanda Bàbákekere am Ilê Aşè Alaketú Oba Ofá Omi.

                                            Renato Cândido Ramos
                                            ist Sportstudent und Bàbálòrìşà am Ilê Aşè Alaketú Oba Ofá Omi.

                                            Ruth Camacho
                                            ist als Rechtsanwältin tätig. 1993 bis 2003 war sie juristische Beraterin am Pastoralzentrum für Migration / Friedensmission. Sie ist Mitbegründerin des Presença América Latina (PAL) und der brasilianischen Vereinigung für Folklorekultur Brasilien - Bolivien. Zurzeit ist sie in der Vereinigung der bolivianischen Kommunikatoren in Brasilien (Ascombolbra) aktiv.

                                            Hasan Zarif
                                            , brasilianischer Palästinenser und Vertreter der „Bewegung Palästina für alle“ (MOP@AT).

                                            „Urgências! / Dringlichkeiten“ ist Teil des Programms Episoden des Südens“ über andere Sichtweisen in Kunst, Wissenschaft und Kultur unter nicht-eurozentristischen Perspektiven.

                                            
11. März 2017 (Samstag)
                                            
10h bis 18h
                                            
Kostenlose Anmeldung:cultura@saopaulo.goethe.org
                                            60 Plätze
                                            
Organisation: P.A.C.A. / Amilcar Packer

                                            Über P.A.C.A. PROGRAMA DE AÇÕES CULTURAIS AUTÔNOMAS:
                                            
P.A.C.A. – Programm autonomer Kulturaktionen äußert sich durch regelmäßige, öffentliche und kostenlose Veranstaltungen, offene Seminare, Textproduktion, Gruppenarbeiten und andere Formate der Darstellung sowie kollektive Dynamiken der Diskussion und Produktion. Es ist der Versuch, zur Verschiebung und zum Abbau kolonialer und hegemonischer kapitalistischer Kartografien beizutragen, sowie zur Entkolonisierung des Lebens mit Blick auf den Aufbau öffentlicher und performatischer Diskussionssituationen.