Episoden des Südens



EPISODEN DES SÜDENS – NEUE SICHTWEISEN

Das Projekt des Goethe-Instituts umfasst Debatten, Forschungsarbeiten, Austauschprogramme, künstlerische und wissenschaftliche Produktionen mit neuen Sicht- und Denkweisen über Deutschland, Europa und die Welt. Mehr...


    10.6.2017



    „Neue Diasporas“ untersucht die Süd-Süd-(Im)migration mit dem Fokus auf Senegal

    Das Projekt des Goethe-Instituts sucht die Reflexion über Migrationsbewegungen zwischen den Ländern der Südhalbkugel

    Im Rahmen eines verstärkten Nachdenkens über die in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Migrationen zwischen Ländern der Südhalbkugel wirft das Projekt Neue Diasporas in seiner neuen Ausgabe 2017 einen vertiefenden Blick auf den Senegal.

    Die senegalesische Einwanderung nach Brasilien ist neu. Obwohl es im Senegal, anders als in vielen afrikanischen Ländern, keine Binnenkonflikte gibt, ist es eines der ärmsten Länder der Welt (nach dem Human Development Index unter den letzten 25), was viele Senegalesen dazu bewegt, ihr Land auf der Suche nach einem besseren Leben zu verlassen. Brasilien ist mit zunehmender Wahrnehmung im Ausland ab den 2000er Jahren für Senegalesen zu einem attraktiven Einwanderungsziel geworden. Sie machen heute nach den Haitianern die zweitgrößte ethnische Gruppe unter den Asylbewerbern in Brasilien aus.

    Das Projekt Neue Diásporas: Episode Senegal beinhaltet eine Forschungsreise des Künstlers Daniel Lima (Frente 3 de Fevereiro) und der Produzentin Raquel Borges nach Dakar sowie eine Videowerkstatt mit einer Gruppe Senegalesen. Als Ergebnis der Recherchen wird es am 10. Juni von 16 Uhr an im Goethe-Institut (Rua Lisboa, 974 - Pinheiros) eine offene Veranstaltung geben mit Musik, landestypischer Gastronomie, audiovisuellen Vorführungen und Performances. Sowohl an den Vorstellungen als auch an den Diskussionen werden sich Protagonisten der Migration beteiligen.

    Die erste Episode des Projekts Neue Diasporas des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit Invisíveis Produções und mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung beschäftigte sich im Juni 2016 mit Haiti. Das Projekt ist Teil des Projekts Episoden des Südens, das sich dem Nachdenken über andere Arten der Betrachtung von Kunst, Wissenschaft und Kultur unter nicht-eurozentristischen Gesichtspunkten widmet.

    NEUE DIASPORAS: EPISODE SENEGAL
    10. Juni 2017 (Samstag)
    16 bis 22 Uhr
    Goethe-Institut São Paulo - Rua Lisboa, 974 – Pinheiros
    Eintritt frei
    Keine Anmeldung erforderlich.



    Durchführung: Goethe-Institut | In Kooperation mit: Invisíveis Produções

      12.05.2017



      Gespräch über Ernesto Netos „A Sacred Place“: Huni Kuin: Existenz als Kunstwerk?

      Das Goethe-Institut freut sich, am 12. Mai, 12 Uhr, im Arsenale, auf der Eröffnungswoche der 57. Internationalen Kunstausstellung La Biennale di Venezia, Teil des Kunstwerks „A Sacred Place“ von Ernesto Neto zu sein. Der brasilianische Künstler Ernesto Neto und sechs Txanas der indigenen Huni Kuin begegnen Experten, Projektpartnern der Episoden des Südens und dem Publikum. Es wird unter anderem um den Status der modernen Kunst, Exotismus, Appropriation und Kommerzialisierung indigener Kulturen und Praktiken, die komplexe Fusion von Leben und Kunst und die Überschneidung von Ritual und Performance gehen.

      Kann Existenz an sich und aus sich selbst Kunstwerk sein? Diese Frage stellt sich in der Arbeit von Ernesto Neto. In Zusammenarbeit mit dem indigenen Volk Huni Kuin bringt der brasilianische Künstler ein indigenes Ritual aus der Amazonasregion auf die 57. Internationale Kunstausstellung La Biennale di Venezia. Das Werk, ein hybrider Mix aus Installation, Skulptur und Performance, versucht die Kraft einer in magischem Denken verankerten Ontologie und Epistemologie ins Hier und Jetzt, Zeit und Raum der Ausstellung zu bringen.

      Seit den Anfängen der modernen Kunst pflegt westliche Kunst eine Faszination für das Primitive. Nun, in der postmodernen Zeit, scheint zeitgenössische Kunst sich der Notwendigkeit bewusst geworden zu sein, ihre eigenen Rahmenbedingungen über Paradigmen anderer Erkenntnissysteme zu hinterfragen, die ebenfalls zeitgenössisch sind, insofern als sie auch Teil unserer Zeit sind. Dialog und/oder die Unmöglichkeit des Dialogs zwischen solch unterschiedlichen Ontologien und Epistemologien durchziehen Ernesto Netos Œuvre und das Leben der Huni Kuin. Das wirft viele Fragen auf: Mit welchen Maßstäben ist es zu konfrontieren? Wie lässt es sich jenseits von Stereotypen und ohne die Angst vor unvermeidlichen Missverständnissen verstehen? In welchem Maß ist das Werk Teil des Systems Kunst? Wie ist es ästhetisch zu beurteilen? Wie „löst“ das Kunstwerk das Paradox, dass es weder als Ausdrucksform autonom existiert, noch getrennt von dem Leben der Huni Kuin? Können wir es als einzigartigen Beitrag des Südens betrachten?

      Aus dem Arsenale heraus fordert Ernesto Neto sein Publikum heraus. Indem er die Huni Kuin „ausstellt“, ihre traditionelle Kultur, ihre einzigartige Beziehung zum Regenwald, scheint der Künstler ihre Existenzweise in die Kategorie Kunst zu übertragen. Es ist an uns, diese Herausforderung anzunehmen.

      Wo?
      57. Internationale Kunstausstellung La Biennale di Venezia, Arsenale, Venedig, Italien
      Wann?
      12. Mai, 12 Uhr

        04.05.2017



        Konversationen mit Objekten
        Museo de Arte Precolombino Casa del Alabado

        Die Veranstaltung lädt Stimmen aus verschiedenen Bereichen ein, anhand eines Überraschungsobjekts über Kunstgeschichte und materielle Kultur nachzudenken.

        Warum muss die Kunstgeschichte immer aus einem eurozentristischen Blickwinkel erzählt werden? Wie sähe eine Kunstgeschichte aus, die zum Beispiel von den afrikanischen oder den brasilianischen Kulturen erzählt würde?

        Um auf dem Gebiet der Kunstgeschichte andere Diskurse anzuregen und die symbolischen Beziehungen zu untersuchen, die wir zur materiellen Kultur aufbauen, organisiert das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Museo Casa del Alabado die fünfte Ausgabe der Begegnung „Konversationen mit Objekten“.

        Personen aus verschiedenen Feldern, Disziplinen und Wissensbereichen sind dazu eingeladen, über ein Exponat nichtwestlicher Kunst zu sprechen. Ziel ist es, dieses für andere Lesarten und Reflexionen zu öffnen. Das behandelte Objekt gehört zur Sammlung des Museo del Alabado und wird bis zur Veranstaltung nicht verraten.

        Die Besonderheit des Gesprächs liegt in dem Überraschungsmoment in der Begegnung mit dem Objekt: Ohne Vorbereitung sind Teilnehmer und Publikum eingeladen, denselben Stellung als Produzenten von Wissen über das Exponat einzunehmen, und demontieren auf diese Weise die Hierarchie des kunstgeschichtlichen Diskurses.

        Das Format der Veranstaltung sucht auch den Aufbruch: Stühle werden kreisförmig um den Gegenstand gestellt, damit das anwesende Publikum den Platz des „Experten“ einnehmen kann.

        Diese fünfte Ausgabe der Konversationen mit Objekten findet am Donnerstag, den 4. Mai, um 18.00 Uhr, im Teatro Prometeo de la Casa de la Cultura Ecuatoriana (Avenida 6 de Diciembre y Tarqui) in Quito, statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei und offen für das allgemeine Publikum.

        Die Teilnehmer des von Claudia Mattos Avolese, Professorin für Kunstgeschichte an der Universidade Estatal de Campinas (Brasilien), kuratierten Projekts sind Juana Paillalef C., Direktorin des Museo Mapuche de Cañete (Chile), Pablo Lafuente, unabhängiger Kurator (Spanien), Susana Torres, bildende Künstlerin, künstlerische Leiterin und Mitglied des Micromuseo (Peru) und Patricia Von Buchwald Hanze, Keramikkünstlerin und Anführerin der spirituellen Organisation Fuego Sagrado de Itzachilatlan (Ecuador).

        Konversationen mit Objekten ist Teil des vom Goethe-Institut konzipierten Projekts Episoden des Südens, das Debatten, Forschungsarbeiten und Austauschprogramme umfasst, sowie künstlerische und wissenschaftliche Produktionen mit neuen Sicht- und Denkweisen für die Perspektiven und Beiträge des Südens in der Kunst, der Wissenschaft und der Kultur im Kontext zunehmender Globalisierung.
        www.goethe.de/brasil/episodios

        Das Museo Casa del Alabado beherbergt eine Sammlung von Museumstücken, die aus den meisten prähispanischen Gesellschaften auf dem heutigen ecuadorianischem Staatsgebiet stammen. Das Museum verfolgt einen innovativen museologischen Ansatz, der den ästhetischen Reichtum der Exponate und deren spirituelle Dimension hervorhebt, die das Gesellschaftsleben der uralten Kulturen artikuliert.

        Teilnehmer*innen:

        Juana Paillalef C.
        Museumdirektorin

        Paillalef C., Mapuche-Mutter und Großmutter, stammt aus dem Gebiet Maquehue, Región de la Araucanía, der heute Comuna de Padre las Casas heißt. Sie absolvierte einen Master in Interkultureller Bildung an der Universidad San Simón in Cochabamba, Bolivien. Danach übernahm sie die Leitung des Museo Mapuche de Cañete (MMC), in dem sie mit Museumskundespezialisten etwa zum Thema der Mapuche zusammenarbeitet. Es ist ihr gelungen, bei der Modernisierung und Entkolonisierung des MMC die konkrete Geschichte des indigenen Territoriums neu zu interpretieren.

        Pablo Lafuente
        Kurator

        Lafuente stieß 2014 zum Kuratorenteams der 31. Biennale von São Paulo. Zuvor war er Herausgeber des Afterall Journal und der Exhibition Histories Series (Verlag Afterall). Zurzeit lebt er in São Paulo und Porto Seguro, Brasilien, wo er Gastdozent an der Universidade Federal do Sul da Bahia ist. Von 2008 bis 2013 war er Co-Kurator des Office for Contemporary Art Norway in Oslo. Lafuente ist einer der Teilnehmer am Projekt Museale Episode, einem Bestandteil der Episoden des Südens.

        Susana Torres
        Kuratorin, Kunsthistorikerin

        Torres ist Dozentin für den Studiengang Artdirektor an der Universidad Peruana de Ciencias Aplicadas (UPC). Sie studierte Kunstgeschichte an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos, sowie Ästhetik und Kosmetologie in Toulouse und Modedesign in Lima. Torres hat sich bei ihrer Arbeit für Micromuseo auf die Konzeption und Kuratierung von Kunstausstellungen spezialisiert. Micromuseo ist ein Projekt alternativer Musealisierung, an dem sie auch selbst teilnimmt. Von ihren Arbeiten sticht ihr Museo Neo Inka hervor, eine alternative Sammlung von Alltags- und Konsumgegenständen, die auf das Inkaische Erbe in der Aktualität verweisen.

        Patricia Von Buchwald Hanze
        Psychologin, Museumswissenschaftlerin

        Von Buchwald Hanze hat an der Escuela de Bellas Artes Juan José Plaza in Guayaquil Kunst studiert. Sie leitete Museen und Kulturzentren in Quito und war Dozentin für Museumswissenschaft der Universidad Tecnológica Equinoccial und für Kunstgeschichte an der Universidad de las Américas. Danach studierte sie die traditionellen Wissenschaften und humanistische Psychologie und näherte sich persönlich den Traditionen der Urbevölkerung Amerikas an.

        Konversationen mit Objekten
        4. Mai | Donnerstag | 18.00 Uhr
        Teatro Prometeo CCE
        Avenida 6 de Diciembre y Tarqui
        Eintritt frei | Offen für das allgemeine Publikum
        Veranstalter | Goethe-Institut São Paulo y Museo Casa del Alabado
        Ünterstützt von | Teatro Prometeo y Asociación Casa Humboldt


        Mehr Informationen unter:

        Luisa Ambrosi educacion@alabado.org
        02-2280940 ext. 19