Episoden



Indigene Kunst

Diskussion über Schaffung, Produktion und Verbreitung indigener Kultur

Die wachsende Nachfrage durch Museen und Kunstinstitutionen in Brasilien und der Welt nach dem Erwerb oder dem Ausstellen von „indigener Kunst” stellt uns vor ein Problem mit ästhetischen, ethischen und politischen Implikationen. Die Überbetonung der westlichen Sicht von Kunst, in der sich der Schaffensprozess als eine eigene, von den übrigen Lebensbereichen des Alltags getrennte Tätigkeit darstellt, steht im Gegensatz zu der Praxis in den verschiedenen indigenen Völkern. Die Mechanismen der Produktion und Verbreitung des Systems Kunst sowie ihr Beharren auf der Prädominanz des Objekts befassen sich wenig mit Fragen von Vermittlung und Kollektivität, Sprachen und Dringlichkeiten oder Rhythmen und Produktionsbedingungen, die sich von denen unterscheiden, an die das Establishment bereits gewohnt ist.

Angesichts dieser Situation trifft sich anlässlich der Begegnung im Goethe-Institut São Paulo am 1. und 2. Dezember 2017 eine Gruppe Indigener, die sich mit Fragen der Schaffung, Produktion und Verbreitung von Kultur befassen, mit Nicht-Indigenen, die an der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik tätig sind, insbesondere in Operationen des Systems Kunst, die politische Macht künstlerischer Praktiken und ihre Ansteckungsfähigkeit neutralisieren, sowie in künstlerischen Operationen des Widerstands gegen diese Instrumentalisierung.

Öffentliches Gespräch am 1. November, 12 bis 18 Uhr. Teilnehmer: Ailton Krenak, Sandra Benites, Pablo Lafuente, Suely Rolnik und Ticio Escobar.
Zweck der Begegnung ist ein Gespräch anzustoßen über den Zustand indigener Schaffungsprozesse in Brasilien heute und ihre möglichen Kontakte, Spannungen, Konfrontationen und Schnittstellen mit institutionellen Kontexten der Kunst. Es sollen Verbindungen geschaffen werden, mit der Aussicht auf baldige Ausweitung - nicht nur nach Brasilien, sondern auf den gesamten amerikanischen Kontinent - und, wenn möglich, das Entstehen einer Plattform zur kollektiven Beurteilung der unterschiedlichen, sich in diesem Zusammenhang darstellenden Situationen und der Möglichkeit, sich ihnen gegenüber verhalten zu können.

Geschlossene Veranstaltung unter Beteiligung einer Gruppe Indigener, die sich mit Fragen der Schaffung, Produktion und Verbreitung von Kultur befassen, mit einer Gruppe Nicht-Indigener, die an der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik arbeiten und unterschiedliche Arbeitserfahrungen mit indigenen Fragen mitbringen.

Öffentliches Gespräch am 1. November, 12 bis 18 Uhr. Teilnehmer: Ailton Krenak, Sandra Benites, Pablo Lafuente, Suely Rolnik und Ticio Escobar.



Pablo Lafuente

Schriftsteller, Forscher und Kurator

Brasilien

Lafuente stieß 2014 zum Kuratorenteam der 31. Kunstbiennale von São Paulo. Zuvor war er Herausgeber des Afterall Journal und der Exhibition Histories Series (Verlag Afterall) sowie Dozent am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Von 2008 bis 2013 war er Ko-Kurator des Büros für zeitgenössische Kunst in Oslo, Norwegen. Lafuente ist einer der Teilnehmer am Projekt Museale Episode.


Sandra Benites

Pädagogin

Brasilien

Nach der Ausbildung im Programm Licenciatura Intercultural Indígena do Sul da Mata Atlântica wurde sie von der Guarani-Gemeinschaft von Rio de Janeiro zur pädagogischen Koordinatorin des Bildungsdezernats im Landkreis Maricá (Bundesstaat Rio de Janeiro) bestimmt. Derzeit ist sie Masterstudentin.


Daiara Tukano

Dozentin, Künstlerin, indigene, feministische Aktivistin

Brasilien

Verteidigerin der Menschenrechte vom indigenen Volk der Tukano aus Amazonien ist zurzeit politische Korrespondentin für Rádio Yandé, das erste indigene Radio Brasiliens. Sie forscht am Masterstudiengang Menschenrechte über das Recht auf Wahrheit und indigene Geschichte im brasilianischen Bildungssystem. Sie lebt in Brasilia.


Arissana Pataxó

Bildende Künstlerin

Brasilien

Die Absolventin der Kunsthochschule Escola das Belas Artes ist Master der Ethnologie und Afrikanistik der Universidade Federal von Bahia. Die gebürtige Pataxó aus Porto Seguro arbeitet mit Fotografie, Malerei und anderen Techniken über indigene Völker.


Jaider Esbell

Künstler, Schriftsteller und Kulturproduzen

Brasilien

Der Angehörige des Volks der Makuxi wurde in Normandia im Bundesstaat Roraima geboren und lebte bis zum 18. Lebensjahr dort, wo heute das indigene Territorium Raposa - Serra do Sol ist. Sein Atelier „Galerie für zeitgenössische indigene Kunst“ steht der Gemeinschaft und für kulturelle Dienstleistungen offen. 2016 war Jaider Esbell für den wichtigsten brasilianischen Kunstpreis, den Prêmio PIPA, nominiert.


Denilson Baniwa

Visueller Künstler, Designer und Illustrator

Brasilien

Geboren am Rio Negro im Landesinneren des Bundesstaats Amazonas gehört er dem indigenen Volk der Baniwa an. Seine Tätigkeit basiert auf einem Diskurs der Verknüpfung des Zeitgenössischen mit dem Traditionellen und verbindet seine traditionelle Erfahrung mit westlichen Bildern als eine Form der Vermittlung des indigenen Kampfs. Er arbeitet auf Leinwand, mit Installation und digitalen Mitteln.


Ticio Escobar

Rechtsanwalt, Kurator, Professor, Kunstkritiker und Kulturveranstalter

Paraguay

1947 in Assunción, der paraguayischen Hauptstadt, geboren, Autor eines Dutzends Bücher über Kunst und Kultur seines Landes und Lateinamerikas, mit besonderem Schwerpunkt auf indigene und Volkskultur und wurde bereits mehrfach international ausgezeichnet. Er war Präsident der Vereinigung zur Unterstützung der indigenen Gemeinschaften von Paraguay ACIP und ist heute Direktor des Zentrums für visuelle Künste Museo del Barro.



Veranstaltungsort: Goethe-Institut São Paulo