Stimmen



Pablo Lafuente

Schriftsteller, Forscher und Kurator

Brasilien




Welches sind aus Ihrer Sicht die Hauptfragen und Problematiken des Globalen Südens?

Es ist nicht leicht zu bestimmen, was der Globale Süden ist, aber vielleicht lässt sich dieser Süden dadurch definieren, dass einige (nicht ausschließlich geografische) Orte Logiken annehmen und produzieren, die dem Projekt der Moderne und seinem kolonialen Impuls, entgleiten. Und das nicht immer, weil sie ihm bewusst entkommen wollen, sondern auch, weil es in ihrer eigenen Logik liegt, nicht abhängig zu sein. Also wäre eine Fragestellung, wie man auf diese Logiken aufmerksam machen, sie unterstützen oder beschützen kann, auch in dem Wissen, dass es manchmal am besten ist, nicht einzugreifen.

Wo sind die Lücken im Süd-Süd-Dialog? ?

Natürlich kann es manchmal recht produktiv sein, diese Logiken zu teilen und zu kombinieren, doch es gibt kaum materielle Bedingungen, dies zu tun. Es müssen Plattformen, Dynamiken und Mittel für diesen Austausch geschaffen werden.

Wie positioniert sich die Episode „Konversationen mit Objekten“, an der sie sich beteiligt haben, zu diesen Lücken und Problematiken?

Im Zentrum der Erfahrung der „Konversationen mit Objekten“ stehen Materialien und Vorgehensweisen, die das Narrativ der modernen Kunst nur als einzuverleibendes Material begreifen kann. Das erste, was diese Erfahrungen zeigen, ist, dass diese Einverleibung nur unter Gewalt möglich ist. Doch wenn diese Objekte an Raum gewinnen, um eigenes Verhalten zu entwickeln, zeigen sie auch Alternativen und Wege, die gangbar sind.

Pablo Lafuente stieß 2014 zum Kuratorenteam der 31. Kunstbiennale von São Paulo. Zuvor war er Herausgeber des Afterall Journal und der Exhibition Histories Series (Verlag Afterall) sowie Dozent am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Von 2008 bis 2013 war er Ko-Kurator des Büros für zeitgenössische Kunst in Oslo, Norwegen. Heute lebt er im Süden des Bundeslands Bahia. Lafuente ist einer der Teilnehmer am Projekt Museale Episode.