Projekt



    Episoden des Südens – neue Sichtweisen

    Das Projekt des Goethe-Instituts umfasst Debatten, Forschungsarbeiten, Austauschprogramme, künstlerische und wissenschaftliche Produktionen mit neuen Sicht- und Denkweisen über Deutschland, Europa und die Welt.

    „Wir müssen Bedingungen schaffen für die Rückkehr des „wissenden Körpers” – ihn immun werden lassen gegen die Folgen des kolonialen Traumas, das ihn betäubt. Dies wird zur unumgänglichen Aufgabe des Widerstands gegen den aktuellen Zustand.
    Es handelt sich nicht um Futurologie: Zeichen dieser Rückkehr deuten sich im sogenannten „globalen Süden” bereits an; ein Süden, der viele ist, und dessen Umrisse sich nicht geografisch bestimmen lassen.
    Es handelt sich nicht um Futurologie: Zeichen dieser Rückkehr deuten sich im sogenannten „globalen Süden” bereits an; ein Süden, der viele ist, und dessen Umrisse sich nicht geografisch bestimmen lassen. Liegt nicht gerade hier das ihr eigene, politische Potenzial der Kunst?“, fragt die Forscherin und Kulturkritikerin Suely Rolnik.

    In der europäischen antiken Vorstellung bestand die Erde aus drei großen, um das Mittelmeer gruppierten Erdteilen. Das, was im Süden lag, war terra incognita und wurde immer mit der Sonne in Verbindung gebracht. Kartografische Konventionen, nach denen Europa immer im oberen Bereich der Weltkarten dargestellt wurde, haben den Blick auf den Süden von oben herab verengt. Die Dominanz des Nordens kann man auch in anderen Bereichen ablesen, wie der Wirtschaft, Politik und in den Künsten.

    Mit seiner auf den Kopf gestellten Landkarte erkannte der uruguayische Modernist Joaquín Torres-García schon 1935 dieses kolonial geprägte, strukturelle Ungleichgewicht in der Kunst und gründete die Escuela del Sur. Seitdem gibt es kontinuierliche Bestrebungen eine eigene Sicht des Südens zu suchen. Sei es anhand der Versuche die Welt auf den Kopf zu stellen, oder mit Provokationen wie die des Philosophen Achille Mbembe aus Kamerun: „The World is catching up with Africa not the other way around.”



    Neue Architektur der globalen Kultur

    Auch der Anthropologe Arjun Appadurai schlägt statt einer Theorie des Südens, die traditionell nördliche Denkansätze gebiert, ein „Südlich der Theorie“ vor, wo eine andere Architektur der globalen Kultur entstehen soll. Mit den Episoden des Südens versucht das Goethe-Institut eine Desorientierung, wo Geografien sich verflüssigen und sich Achsen wie Ost/West und Nord/Süd auflösen.

    Gibt es eine globale Kunstgeschichte? Wie können wir unser Gedankengut dekolonisieren? Welche künstlerischen Zukunftsvisionen entstehen in Afrika? Welche Utopien kann man im Regenwald (er)finden? Wie sieht das Museum der Zukunft aus? Wie verhandelt man auf einem informellen Markt des Südens? Wie sieht eine Episode des Südens in der „Wolke” aus?
    Die Formate des auf drei Jahre angelegten Projekts umfassen Debatten, Forschungsarbeiten, Austauschprogramme, künstlerische und wissenschaftliche Produktionen.
    Wie sind die neuen Wege der Erkenntnisgewinnung und der Erkenntnisvermittlung? Wie rhythmisch protestiert die Masse? Welche Effekte hat dies jenseits des Südens? Dabei sollen neue Sichtweisen von Kunst und Kultur ausprobiert werden, die anhand der „Untugenden“ des Südens, das Potenzial der Querdenker nutzen und neue Wegrichtungen von Süden zu Süden ans Licht bringen.

    Die Formate des auf drei Jahre angelegten Projekts umfassen Debatten, Forschungsarbeiten, Austauschprogramme, künstlerische und wissenschaftliche Produktionen. Jede Episode widmet sich einer konkreten Fragestellung und ist mit anderen Episoden verknüpft. Als Goethe-Institut wagen wir neue Sicht- und Denkweisen über Deutschland, über Europa und die Welt, auch wenn oder sogar weil sie noch unbekannt sind.
    Copyright: Goethe-Institut Brasilien
    Februar 2015

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