Kunst

Musiker und Fußballfans: Die Toten Hosen

Tote Hosen. Foto: Matias Corral
Tote Hosen. Foto: Matias Corral
Die im Punk der 80er Jahre sozialisierte Rockband hält Fortuna Düsseldorf die Treue. Gitarrist Breiti hegt außerdem schon lange eine große Begeisterung für den brasilianischen Fußball.

Ein Fußball-Turnier ohne Fangesänge, ohne Hymnen zum Anfeuern und Feiern ist schwer vorstellbar. Musik verleiht den Emotionen Ausdruck – beim Mitfiebern, beim Jubeln und bei der Trauer, wenn das eigene Team verliert. Besonders leidenschaftlich leben den Fußball-Enthusiasmus auch die Toten Hosen. Den Abschluss ihrer Tour Der Krach der Republik feierte die im Punk der Achtziger sozialisierte Rockband mit zwei ausverkauften Konzerten im Stadion ihres geliebten Clubs Fortuna Düsseldorf.

„Eine besondere Intensität, so ähnlich wie bei den letzten entscheidenden Spielen einer erfolgreichen Saison“, sagt Hosen-Gitarrist Breiti rückblickend. Und weiter: „Dadurch, dass man zwei Tage lang dort zu Hause ist und man alle Gänge und Nebenräume kennenlernt, wird es noch mehr zu einem persönlichen Ort.“ Mit über einer Million Besuchern in den Jahren 2012 und 2013 zählt die Tournee zu den größten Konzertreihen im deutschsprachigen Raum.

Liverpool: „Einzigartige Stimmung“

Natürlich war auch You'll never walk alone, die Hymne des FC Liverpool, fester Bestandteil der Setlist. „Für uns als Band sicher das wichtigste Lied, das es im Zusammenhang mit Fußball gibt“, sagt Breiti. Zu dem britischen Verein haben die Hosen, neben ihrer Begeisterung für Fortuna Düsseldorf, seit jeher eine besondere Beziehung, schätzen die als besonders enthusiastisch bekannten Fans. Breiti: „Die Stimmung dort ist in Europa immer noch einzigartig“.

Ebenfalls auf dem Live-Programm stand Tage wie diese. Seit der Europameisterschaft 2012 hat der Titel Hymnenstatus bei Fußballfans. Sogar Anhänger des FC Bayern, dem wohl bekanntesten deutschen Club und sportlichen Feindbild der Hosen, stimmen den Song an. Breitis Erklärung: „Das Lied gibt eine Stimmung wieder, die sehr gut zu dem Gefühl passt, das sich in einem Stadion nach einem aufregenden und erfolgreichen Spiel ausbreitet“.

Aber wie kam es eigentlich im Jahr 2000 zu dem berüchtigten Schmählied gegen den FC Bayern? Breiti gibt sich zunächst gelassen: „Wir haben das als Anhänger eines Clubs geschrieben, der damals in der dritten Liga war, deswegen haben wir uns ein wenig über die aufgeregten Reaktionen der Bayern gewundert.“ Als einen Auslöser für den Titel Bayern führt der Gitarrist an, dass der Verein damals mit „großer Arroganz gegenüber dem Rest der Liga“ aufgetreten sei.

„Den Verein vor der Pleite bewahren“


 
Das waren die Zeiten, als es für die Toten Hosen als Fortuna-Fans nicht so gut lief. Nach dem Abstieg in die dritte Liga ging es für den Club später dann sogar noch eine Etage tiefer, bis in die vierte Liga – der Abschied vom Profi-Niveau. Für die Band ein klarer Weckruf zu handeln. Nicht ohne Stolz berichtet Breiti, dass sich die Toten Hosen in der schwierigen Phase zwei Jahre als Trikotsponsor engagierten und so mithelfen konnten, „den Verein vor der Pleite zu bewahren“.

Im Gegenzug gab es für die Hosen die Ehrenmitgliedschaft im Club. Gegen weitergehende Einflussnahme verwahrt sich die Band indes. „Aus der Vereinspolitik haben wir uns immer herausgehalten“, so Breiti. Derzeit spielt Fortuna Düsseldorf, nach einer Saison in der Ersten Bundesliga, wieder in Liga Nummer zwei.

Begeisterung für den brasilianischen Fußball

Neben der Fan-Treue für die Fortuna hegt Breiti außerdem schon lange eine große Begeisterung für den brasilianischen Fußball. Schlüsselerlebnis war die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien, bei der sich Brasilien letztendlich im entscheidenden Gruppenspiel Italien geschlagen geben musste. Es war die Zeit von Spielern wie Sócrates, Falcão und Zico, die mit Leidenschaft und attraktivem Stil zu beeindrucken wussten.

„Dadurch wurde auch mein Interesse an Brasilien als Land geweckt, nicht nur an seinem Fußball“, erzählt Breiti. Seitdem ist der Gitarrist immer wieder nach Brasilien gereist und hat vor allem Rio lieben gelernt. Dort trafen sich die Toten Hosen Anfang der neunziger Jahre auch mit dem legendären Posträuber Ronald Biggs, um mit ihm gemeinsam den Titel Carnival In Rio (Punk Was) aufzunehmen.

Bei der WM 2014 ist Brasilien für Breiti auf jeden Fall der „Top-Favorit“. „Wenn die Mannschaft es schafft, mit dem großen Druck und der immensen Erwartungshaltung im eigenen Land klarzukommen, wird sie kaum zu schlagen sein“, glaubt er. Deutschland sieht er, unter anderem wegen mehrerer verletzter Spieler, „nur im erweiterten Favoritenkreis“. Ganz im Geiste des Punkrockers, dessen Herz für die Underdogs schlägt, würde er sich aber besonders über einen Newcomer-Sieg freuen – Ghana oder Chile beispielsweise.

Thorsten Steer
hat in Eichstätt, Curitiba und Hamburg Journalistik studiert. Er ist als freier Autor tätig und lebt in München.

.Copyright: Goethe-Institut Brasilien
Juni 2014

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    Beilage der taz zur WM in Brasilien

    Essays von Luiz Ruffato, Torero und Rogério Pereira.

    Dribles Literários

    Broschüre (PDF, 3,1 MB)
    Flyer (PDF, 1,5 MB)

    Grüsse an die Fans in Brasilien

    Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viel Brasilien in uns steckt.