Kunst

Cinefoot und 11MM – eine Festivalpartnerschaft zwischen Brasilien und Deutschland

Antonio Leal: realizador do Festival Cinefoot Antonio Leal, Begründer und Direktor des Cinefoot, eines in São Paulo und Rio de Janeiro stattfindenden Festivals über Fußballfilme, spricht im Interview über den Erfolg von Filmen dieses Genres und erzählt über die Partnerschaft mit dem internationalen Fußballfilmfestival in Berlin, dem 11MM.

Wie ist das Cinefoot entstanden und in welcher Beziehung steht es zum Filmpanorama über den Fußball?

Als wir die erste Ausgabe des Cinefoot veranstalteten, schafften wir einen bisher nicht dagewesenen Raum für die Ausstrahlung von Filmen über Fußball in Brasilien. Zu dieser Zeit hatte sich eine große Anzahl an Filmen zu diesem Thema aufgestaut, ohne dass man an Festivals oder dem Marktkreislauf hätte teilnehmen können. Dies geschah zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und somit war der Zeitpunkt für den Start des Cinefoot besonders günstig. Heute verzeichnet das Festival eine große Anzahl an Beiträgen (62 Filme für das Jahr 2012), und überdies leisten wir als Kuratorium eine immense Arbeit auf der Suche nach Fußballfilmen auf verschiedenen Festivals weltweit.

Nach der Veranstaltung des dritten Festivals haben wir ein starkes Anwachsen der weltweiten Fußballfilmproduktion festgestellt, vor allem in Deutschland und Spanien. In Brasilien machte sich der Anstieg besonders bei den Kurzfilmen bemerkbar. Dabei muss gerade im Bereich der Spielfilme noch mehr geschehen. Ein Land, das die Fußballweltmeisterschaft ausrichten wird, muss Anreize zur Förderung von Produktionen über die größte nationale Leidenschaft setzen und den Tausenden von Gästen etwas bieten können, die ins Land kommen, begierig, den Fußball live auf dem Feld zu sehen, die aber auch Interesse daran haben, unsere Fußballgeschichten auf der Leinwand kennenzulernen.


Welche Rolle spielt ein Festival wie das Cinefoot für die Entwicklung dieses Panoramas?


Die Veranstaltung eines Festivals, das in Brasilien und Lateinamerika einzigartig ist, trägt in besonders hohem Maße zur Verbreitung, Förderung und Reflexion über Fußballfilme bei. Die Verwirklichung des Cinefoot in drei aufeinanderfolgenden Jahren zieht allmählich die Aufmerksamkeit brasilianischer sowie internationaler Produzenten auf sich. Wir arbeiten daran, Anreize zur Fußballfilmproduktion zu schaffen, indem wir Diskussionen und Zusammenkünfte unter der Teilnahme von öffentlichen und privaten Kulturmanagern zu eben diesem Zweck unterstützen.

Als Besonderheit haben wir zusammen mit der FIFA 2012 einen runden Tisch organisiert, zu dem wir brasilianische Produzenten eingeladen haben, ihre Multimedia-Projekte vorzustellen. Das Festival, das keinen Eintritt kostete, diente dazu, ein Publikum zu schaffen und neue Zuschauer anzuziehen. Es fand sowohl in Rio de Janeiro als auch in São Paulo statt, aber für 2013 planen wir eine Ausweitung auf andere Städte. Dieser vergrößerte Aktionsradius des Cinefoot wird neue Zuschauer und neue Produktionen anlocken.

Weltweit tendieren die Filme über Fußball eher in Richtung Fiktion. Gilt das auch für brasilianische Produktionen?

Obwohl wir ein wachsendes Angebot an fiktionalen Filmen über Fußball auf der Welt verzeichnen konnten, überwiegt in Brasilien noch die Gattung des Dokumentarfilms. Von den 31 brasilianischen Filmen, die auf dem Cinefoot 2012 gezeigt wurden, waren 26 Dokumentar-, drei Spiel- und zwei Animationsfilme. Ich glaube, dass diese Tendenz noch lange anhalten wird. Nichtsdestotrotz möchte ich hervorheben, dass eine der berührendsten Vorführungen des Festivals der brasilianische Spielfilm Meninos de Kichute von Luca Amberg war.



2013 wird der Schwerpunkt des Cinefoot auf Deutschland liegen. Wie können wir uns diese Hommage vorstellen?


Es besteht eine sehr wichtige Partnerschaft mit dem Fußballfilmfestival in Berlin, dem 11MM, schon seit unserer ersten Ausgabe. Und wir haben vor, unsere Kooperation im kommenden Jahr auszubauen. Umgekehrt wird 2014 der Schwerpunkt des 11MM-Festivals dann Brasilien sein. In unserem Programm werden wir spezielle Vorführungen zum deutschen Fußballfilm machen, Filmemacher und Produzenten aus Deutschland nach Brasilien holen und Zusammenkünfte mit an Fußballkultur- und Multimediaprojekten beteiligten deutschen und brasilianischen Kulturmanagern organisieren. Der Deutsche Fußballbund (DFB) besitzt eine Stiftung zur Förderung kultureller Initiativen, die mit Fußball zu tun haben. Wir möchten diese Förderungsform kennenlernen, damit sie auch in Brasilien eingeführt werden kann.

André Dib
ist Journalist, Forscher und Filmkritiker.
Er lebt und arbeitet in Recife.

Übersetzung: Anna-Katharina Elstermann

Copyright: Goethe-Institut Brasilien
Dezember 2012

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    Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viel Brasilien in uns steckt.