Deutsch lehren

„Die Förderung der Mehrsprachigkeit ist die beste Werbung für Deutsch“

Matthias Makowski,
Copyright: Goethe-Institut/Foto: Marion VogelWeltweit wird Deutsch als Fremdsprache gelehrt und gelernt – und zwar mit guten Gründen. Wir haben mit Matthias Makowski, dem Leiter der Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, über die Möglichkeiten gesprochen, das Interesse an Deutsch weiter zu fördern.

Herr Makowski, was bewegt die Menschen in aller Welt, Deutsch zu lernen?

Deutsch klingt schön und ist nützlich. Jede Fremdsprache, die man mehr spricht, ist ein Plus für die persönliche Karriere. Deutsch ist aber nicht nur im Sinne von beruflicher Perspektive nützlich, sondern auch, weil es die Persönlichkeit erweitert. Deutsch ist die Sprache, in der große, wichtige Gedanken, die die Welt bewegt haben, gedacht worden sind. In dieser Sprache ist auch Weltliteratur geschrieben worden.

Wie attraktiv ist die deutsche Sprache im Ausland?

Deutsch ist in der Europäischen Union die meist gesprochene Muttersprache und nach wie vor eine der bedeutendsten Fremdsprachen. Ihre Bedeutung geht aber weit über die einer nur regionalen Fremdsprache hinaus. Auch außerhalb Europas wird Deutsch nach wie vor stark nachgefragt. In Vietnam und Indonesien gibt es etwa traditionell und historisch begründet hohe Deutschlernerzahlen. Und zum Beispiel in Indien zeichnet sich gerade das Interesse ab, Deutsch im Schulsystem anzubieten.

Welche Rolle kann das Goethe-Institut dabei spielen, das Interesse an Deutsch zu fördern?

Das Goethe-Institut leistet hier in vielen Bereichen wichtige Arbeit. Wir tun das mit unserem Angebot an Sprachkursen und unseren international anerkannten Sprachprüfungen. Damit stellen wir eine wichtige Grundversorgung für den Bedarf an DaF im Ausland sicher.
Darüber hinaus leistet das Goethe-Institut Hilfestellung bei der Positionierung von Deutsch in der Schule und in der Hochschule. Wir wirken bei der Lehreraus- und -fortbildung sowie bei der Entwicklung von aktuellen Materialien und Lehrwerken für den Unterricht mit. In immer mehr Ländern werden wir auch darum gebeten, die Gestaltung der schulischen Curricula fachlich zu begleiten. Daneben gibt es viele Schülerprojekte wie große Wettbewerbe. Und wenn wir etwa Theater, Literatur und Musik in die Schulen bringen, dann weckt das immer auch Interesse für Deutsch.

Wie beurteilen Sie die Initiative des Bundesaußenministers „Schulen: Partner der Zukunft“?

Franz Beckenbauer unterstützt PASCH-Initiative
Copyright: obs/Goethe-InstitutDas ist bestimmt das wichtigste neuere Projekt, das einen Beitrag zur Stärkung von Deutsch im Ausland leistet. Das Auswärtige Amt nennt es mittlerweile ein Generationenprojekt, was alle Partner natürlich sehr beruhigt. Das Goethe-Institut hat im Rahmen dieser Initiative 500 Schulen gefunden, die bislang noch keine besondere Beziehung zu Deutschland hatten. So versuchen wir, das Netz der Sympathieträger für Deutschland und die deutsche Sprache zu erweitern – in enger Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort, mit der Zentralstelle für das Auslandschulwesen, mit dem DAAD und dem Pädagogischen Austauschdienst.

Welche Rolle spielt das Goethe-Institut im Bereich der Integrationssprachkurse?

Das Goethe-Institut ist davon überzeugt, dass Sprachkenntnisse einen Schlüssel für die Integration von ausländischen Mitbürgern in die deutsche Gesellschaft darstellen. Wir freuen uns, dass diese Überzeugung mittlerweile auch in der gesetzlichen Regelung umgesetzt ist.
Seit 2007 gibt es die Integrationskursverordnung, der zufolge Ausländer, die in Deutschland leben, sprachlich bis zum Niveau B1 auf dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen qualifiziert werden sollen. Das Goethe-Institut war an der Entwicklung des Curriculums für diese Kurse zentral beteiligt und hat zusammen mit TELC den Deutsch-Test für Zuwanderinnen und Zuwanderer entwickelt.
Das Goethe-Institut bietet in vielfältiger Form Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte in Integrationskursen an. Aber es versucht seine Expertise auch für Erzieher an Kindertagesstätten und Lehrkräfte an Grundschulen bereitzustellen. Und die Goethe-Institute im Inland führen auch selbst Integrationskurse durch.

Es wird viel über den Bedeutungsverlust von Deutsch als Wissenschaftssprache geredet …

Für mich ist hier eher die Frage, warum die Relevanz der deutschen Wissenschaft gesunken ist. Deutschland ist im wissenschaftlichen Geschäft nicht mehr der „Zwölfender“, der er in der Vergangenheit gewesen ist. Und dort, wo deutsche Wissenschaftler etwas zu sagen haben, da tun sie es oft ohne Not nicht mehr auf Deutsch. Ich meine, dass wir das Beste für die deutsche Sprache tun, wenn wir auch in der Wissenschaft Mehrsprachigkeit fördern und gegen das Primat nur einer Vermittlungssprache auftreten.

Deutschland gilt, was die Sprachpolitik angeht, ja als sehr zurückhaltend. Würden Sie sich mehr Entschlossenheit wünschen?

Ich kann mit der jetzigen Situation gut leben. Warum wir im deutschen Sprachraum – anders als viele unserer Nachbarn – keine zentrale und gesetzliche Instanz für alle Fragen der Muttersprache haben, hat nicht nur mit dem vielbeschworenen politischen Föderalismus zu tun. Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann hat davon gesprochen, wie die deutsche Sprache im Grunde selbst als Konsens entstanden ist, der Föderalismus ist der Sprache gewissermaßen in die Wiege gelegt. Und deshalb wäre es auch unangemessen, eine alle Fragen regelnde und Verstöße sanktionierende Akademie zu schaffen oder dem Schutz der deutschen Sprache Verfassungsrang einzuräumen.
Ich glaube aber, dass jeder Muttersprachler eine Verantwortung für das Kulturgut deutsche Sprache hat. Diese Verantwortung wird nicht immer wahrgenommen.

Der europäische Referenzrahmen ist ein wichtiges Instrument, um die Mehrsprachigkeit in Europa zu fördern. Was hilft noch?

Das Wichtigste ist die Entscheidung des Europarats, dass in den Schulen mindestens zwei Fremdsprachen obligatorisch zur Allgemeinbildung gehören. Jede Maßnahme, die in diesem Prozess verankert ist, unterstützt eine Entwicklung, an deren Ende Mehrsprachigkeit der Normalfall ist.

Was wäre Ihrer Meinung nach die beste Werbung für Deutsch als Fremdsprache?

Wenn ich das wüsste ... Ich habe da kein Patentrezept. In Polen läuft gerade die große „Deutsch-Wagen-Tour“. Fünf Autos steuern dort Bildungsstätten, aber auch öffentliche Plätze an. Wo der Wagen hält, passiert ganz viel, was mit Deutsch zu tun. Die Kampagne zeigt, welche Chancen sich eröffnen, wenn man es wagt, auf die Nachbarsprache Deutsch zu setzen. In anderen Ländern – wie zum Beispiel Russland – wäre die beste Werbung für Deutsch, die Entscheidungsträger zu motivieren, in den Schulen eine zweite Fremdsprache ins Angebot aufzunehmen.
Jedes Land braucht seine eigene Antwort auf die Frage, womit man erfolgreich Werbung für Deutsch machen kann. Zum Glück bietet aber auch jedes Land eine Fülle von Ansatzpunkten.

Logo „Deutsch-Wagen-Tour“,
Copyright: Goethe-Institut
Das Gespräch führte Dagmar Giersberg. Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Juni 2009

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