Die deutsch-kanadischen Tanzbeziehungen
Tanz ist für Deutschland und Kanada ein kultureller Exportschlager. Von allen Kunstformen gibt es beim zeitgenössischen Tanz die meisten Berührungspunkte zwischen beiden Ländern.
Gastspiele deutscher Kompanien werden von Publikum und Kritik in Kanada begeistert aufgenommen. Kompanien gastieren regelmäßig bei deutschen Festivals und in ausgewiesenen Tanzzentren. Mehrere kanadische Choreografen haben in Residenzen in Deutschland Stücke entwickelt. Deutsche Tänzer wie Berit Jentzsch tanzen in kanadischen Kompanien und kanadische Tänzer wie Laurie Young oder Luc Dunberry tanzen in Deutschland. Es gibt sogar deutsch-kanadische Choreografien wie „White Trash“ von Benoît Lachambre und Isabelle Schad.
In Kanada ist der zeitgenössische Tanz vor allem in Vancouver, Toronto und Montreal vertreten. Allein in Quebec gibt es 50 Tanzkompanien, die teilweise öffentliche Zuschüsse erhalten. Triumphe in Deutschland feierten in den letzten Jahren Edouard Lock mit LaLaLa Human Steps, Ginette Laurin mit O Vertigo, die Kompanie Marie Chouinard, die Choreografen Benoît Lachambre, Dave St. Pierre, Daniel Leveillé – alle aus Montreal – sowie Chrystal Pite und Sarah Chase aus British Columbia.
Für den Austausch sind Residenzprogramme von besonderer Bedeutung. Auf deutscher Seite ist vor allem der Tanzplan der Bundeskulturstiftung wichtig. 12.5 Millionen Euro stellt die Bundesregierung bis 2012 insgesamt neun Städten zur Verfügung, die ihrerseits noch einmal genau so viel zusammen aufbringen. Neben den Institutionen des Tanzplans, wie Mousonturm in Frankfurt, PACT Zollverein in Essen oder Fabrik Potsdam bieten weitere Einrichtungen Residenzen für ausländische Choreografen. Kanadische Künstler erhalten in vielen Fällen Reisekostenunterstützung durch das Canada Arts Council, die Kulturförderungsprogramme der Provinzen oder die Vertretungen von Kanada und Quebec in Berlin.
Das Goethe-Institut Montreal lädt seit 2007 jedes Jahr einen Choreografen aus Deutschland ein, ein Stück zu entwickeln, das im Jahr darauf in Kanada präsentiert wird. Während der Residenz gibt es öffentliche Proben und Werkstattgespräche. Fachleute und Publikum können den Entstehungsprozess eines neuen Werkes verfolgen. Umgekehrt profitieren die Künstler aus Deutschland von dem fremden Blick auf ihre Arbeit und den Anregungen. Im Dezember 2007 entwickelte Antje Pfundtner zusammen mit dem Komponisten Sven Kacirek im Rahmen der ersten Residenz des Goethe-Instituts in Montreal das Stück „Res(e)t“. Ihr folgte im Frühjahr 2008 Luc Dunberry mit dem Komponisten Peter Göhler und dem Videokünstler Karl Wedemeyer mit dem Stück „Mi-un ni d’eux“.
Mit diesem dreisprachigen Webportal möchten wir Sie über aktuelle Tendenzen, über Gastspiele deutscher Kompanien in Kanada und umgekehrt sowie über Residenzen informieren. Es soll eine Informationsquelle sein für Tänzer, Choreografen, Journalisten und nicht zuletzt das Tanzpublikum. Das Portal bündelt praktische Informationen und gibt mit zwei dynamischen Rubriken persönliche Eindrücke von Tanzexperten aus beiden Ländern über den Tanz im jeweils anderen Land wieder. Wir laden Sie ein, die deutsch-kanadischen Tanzbeziehungen zu entdecken!


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