Jagoda Marinić, recipient of the 2008 MUNK-Goethe Writers Residency: Watch the Gap
Ort: Ontario
Ereignis: Die deutsche Autorin Jagoda Marinić, 2008 Gast der MUNK-Goethe Writers Residency in Toronto, über den Einfluss, den fremde Orte auf ihr Erzählen haben.
[...] Zehn Jahre lang lebte und schrieb ich in Heidelberg. Von Heidelberg aus bereiste ich Kroatien, Rumänien, Spanien, Italien, Kanada und die nordamerikanische Ostküste. Immer kam ich zurück. In Split, Zagreb und New York blieb ich etwas länger. Heidelberg wurde meine große Konstante, dort führte ich das Gesehene, Gedachte und Erlebte an meinem Schreibtisch zusammen. [...]Heidelberg gibt sich dem Dichter hin. Diese Illusion ermöglicht es, auf zauberhafte Art entlang des Neckars in die eigenen Gedanken und Geschichten und somit letztlich ins eigene Schreiben zu spazieren. [...] Nach Berlin zu kommen bedeutete für mich, einem wirbelartigen Sog nachzugeben. [...]Durch Berlin zu gehen bedeutet, mit Berlin befasst zu sein, ohne eintauchen zu dürfen: Die schönen Ecken verlangen absolute Aufmerksamkeit, der Seltenheit wegen, das Hässliche drängt sich auf, der Maßlosigkeit wegen, die sozialen Probleme dieses Landes fordern mich ein, der Dringlichkeit wegen. Doch ich brauche eine Leerstelle, die mich aufnimmt, um einen Satz zu denken, um ihn in diese Leerstelle setzen zu können. In diesem Sinn war ganz Heidelberg eine Leerstelle. Eine der schönsten, die ich kenne. [...]
Ereignis: Die deutsche Autorin Jagoda Marinić, 2008 Gast der MUNK-Goethe Writers Residency in Toronto, über den Einfluss, den fremde Orte auf ihr Erzählen haben.
[...] Zehn Jahre lang lebte und schrieb ich in Heidelberg. Von Heidelberg aus bereiste ich Kroatien, Rumänien, Spanien, Italien, Kanada und die nordamerikanische Ostküste. Immer kam ich zurück. In Split, Zagreb und New York blieb ich etwas länger. Heidelberg wurde meine große Konstante, dort führte ich das Gesehene, Gedachte und Erlebte an meinem Schreibtisch zusammen. [...]Heidelberg gibt sich dem Dichter hin. Diese Illusion ermöglicht es, auf zauberhafte Art entlang des Neckars in die eigenen Gedanken und Geschichten und somit letztlich ins eigene Schreiben zu spazieren. [...] Nach Berlin zu kommen bedeutete für mich, einem wirbelartigen Sog nachzugeben. [...]Durch Berlin zu gehen bedeutet, mit Berlin befasst zu sein, ohne eintauchen zu dürfen: Die schönen Ecken verlangen absolute Aufmerksamkeit, der Seltenheit wegen, das Hässliche drängt sich auf, der Maßlosigkeit wegen, die sozialen Probleme dieses Landes fordern mich ein, der Dringlichkeit wegen. Doch ich brauche eine Leerstelle, die mich aufnimmt, um einen Satz zu denken, um ihn in diese Leerstelle setzen zu können. In diesem Sinn war ganz Heidelberg eine Leerstelle. Eine der schönsten, die ich kenne. [...]
von Jagoda Marinić, taz – die tageszeitung, 21 February 2009














