Togo

Leseförderung in Togo

Das Lesen ist eine Quelle des Wissens. Es formt die Ausdrucksfähigkeit und bildet eine Grundvoraussetzung des Lernens. In Togo wird die Leseförderung von verschiedenen öffentlichen und privaten Organisationen vorangetrieben. Was bedeutet Leseförderung in dem Land und welche Herausforderungen sind in diesem dritten Jahrtausend zu meistern, das so stark von der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) geprägt ist??

Die Bedeutsamkeit des Lesens macht sich vor allem in der Schule, aber auch bei der allgemeinen Bevölkerung bemerkbar. Diese Bedeutsamkeit wird heute jedoch durch die Auswirkungen und die Macht der neuen Medien, besonders den Platz des Fernsehens im häuslichen Bereich und den Einfluss von Filmen, immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

Angesichts dieser Bedrohung gewinnt die Leseförderung sowohl in den städtischen als auch den ländlichen Gebieten Togos zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Institutionen bemühen sich bereits, die Bevölkerung, besonders Kinder und Jugendliche, an das Lesen heranzuführen, doch es bleibt noch viel zu tun.

Das Ministerium für Kunst und Kultur hat daher im Rahmen der nationalen Kulturpolitik, die am 30. März 2011 per Gesetz Nr. 2011-046/PR verabschiedet wurde, eine nationale Buch- und Lesepolitik ausgearbeitet.

Damit einhergehend wurde aus der „Direktion des Buchs“ per Gesetz Nr. 2012-006/PR vom 7. März 2012 zur Organisation der Ministerialabteilungen die „Direktion der Bibliotheken und der Literaturförderung“. Neben dieser Direktion gibt es in Togo weitere Institutionen, die sich mit dem Bereich Buch und Lesen befassen, wie die Direktion der Bibliothek und der Landesarchive, die öffentlichen und assoziierten Bibliotheken sowie alle Akteure der Buchkette. Hierzu sei bemerkt, dass die 1969 gegründete Nationalbibliothek der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht und dem Ministerium für höhere Bildung und Forschung angehört.

Dem nationalen Leiter der Bibliotheken und der Literaturförderung, Herrn Robert Kokou Azankpé, zufolge verfügt Togo über ein Netzwerk von 65 öffentlichen Lesebibliotheken, davon 34 institutionelle Bibliotheken und 31 sogenannte „assoziierte“ Bibliotheken, die auf Initiativen von Privatleuten, Vereinen und Kirchen zurückgehen.

Zudem existiert ein Netzwerk von 11 Centres de Lecture et d’Animation Culturelle (CLAC) in 11 togolesischen Städten und Dörfern. Diese CLAC werden mit Unterstützung der Organisation Internationale de la Francophonie (OIF) ausgestattet und betrieben. Sie sollen die Bedürfnisse der Schüler, aber auch der übrigen Bevölkerung berücksichtigen. Laut Herrn Cyriaque Kodjo Noussouglo, dem nationalen Koordinator besagten Netzwerks, gab es 2011 in den CLAC 350 000 Leser, doch 2013 sank diese Zahl auf 225 000 Leser. „2015 wollen wir 500 000 Leser erreichen“, beschreibt er das Ziel.

Die öffentlichen Lesebibliotheken (BLP) und die Lesezentren arbeiten vorbildlich zusammen und machen einander in Togo keine Konkurrenz, betont Herr Azankpé. Zum ersten Mal in einem frankophonen Land, fügt er hinzu, starten die beiden Teams in denselben Örtlichkeiten gemeinsam Aktionen.

Nach Meinung der Leseförderer wird auf dem Land mehr gelesen als in der Stadt. Dies erklärt sich durch den Einfluss der neuen Medien auf die städtische Bevölkerung, während das Lesen auf dem Land die wichtigste Möglichkeit der Information, der sinnvollen Freizeitgestaltung und der Unterhaltung darstellt.

Bezüglich der Anzahl der Initiativen lässt sich feststellen, dass auf dem gesamten Gebiet öffentliche Lesebibliotheken bestehen. Literaturvereine, -festivals und -sendungen, Buchclubs und Lesecafés vermehren sich und breiten sich in alle Regionen aus.

Diese Initiativen zur Leseförderung werden ebenso von öffentlichen wie privaten Organisationen unternommen. Neben den staatlichen Institutionen sind Kirchen-, Verbands-, Schul- und Universitätsbibliotheken sowie Dokumentationszentren zu nennen. In den Universitäten gibt es eine zentrale Bibliothek mit Büchern zu den einzelnen Fachbereichen, sowie in jeder Fakultät eine eigene Bibliothek, in der forschende Professoren und Studenten Dokumente für Hausarbeiten, Forschungspublikationen etc. finden.

Im April 2014 fand die erste Buchmesse namens „Livre en Fête“ statt, die vom Verein Berceau d’Avenir und dem togolesischen Schriftstellerverband in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kommunikation, Kunst, Kultur und staatsbürgerliche Bildung organisiert wurde. Eine weitere Buchmesse wird seit 10 Jahren von der Buchhandlung Star in Zusammenarbeit mit dem Verband Le Français en Partage in Lomé abgehalten und fördert das Lesen durch den Verkauf von Büchern zu reduzierten Preisen. Diese Messe ist bei Bücherfreunden aller sozialen Schichten sehr beliebt.

2013 organisierte der Verlag Graines de Pensées in der öffentlichen Bibliothek von Aného die Aktion „Bücherweihnacht“, die von Gervais Djondo gesponsert wurde. Er schenkte den Schülern aus dem öffentlichen Lesenetzwerk der Préfecture des Lacs knapp tausend Bücher togolesischer Autoren – ein wahres Bücherfest, bei dem die Kinder sich über Märchenbücher, Geschichtensammlungen, Bilderbücher und Comics freuen konnten.

Auch das Festival Filbleu, eines der wenigen in Westafrika, feiert das Buch und das Lesen, indem es Autoren nicht nur zu Konferenzen und Schreibwerkstätten, sondern auch in schulische Einrichtungen einlädt. Seit 2013 organisieren der Verband Communication et Développement Intégral und das Centre Ilérama jedes Jahr eine „Lesewoche“, um die Öffentlichkeit für die Bedeutsamkeit des Lesens zu sensibilisieren.

Die Maison de Quartier der NGO Sainte Thérèse de l’Enfant Jésus (STEJ) in der Vorstadt von Lomé bietet Straßenbibliotheken, Märchenabende und verschiedene Wettbewerbe zur Lese- und Kulturförderung an. In Assahoun wurde kürzlich vom Verein Le Cénacle, der sich für die Förderung der Poesie einsetzt, eine Bibliothek namens „Bibliothèque Edem Kodjo“ eröffnet. Sie erhielt bei ihrer Einweihung 513 Werke, davon 213 Werke togolesischer Autoren.

Geschriebenes zu verstehen, ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig – und zwar auf allen Gebieten und in allen Bereichen eines Landes, das zahlreiche Ethnien und mehrere Dutzend Sprachen vereint. Der Einfluss der englischen Sprache, betont Herr Azankpé, ist unbestreitbar und rührt vom Wachstum der anglophonen Nachbarn Ghana und Nigeria her. Er bemerkt zudem, dass es einen starken Bezug zur deutschen Sprache gibt, der unterstützt wird durch die Vertretung des Goethe-Instituts in Lomé, Deutsch-AGs in den Gymnasien und an der Universität und nicht zu vergessen eine große togolesische Diaspora in Deutschland. Ebenfalls zu nennen sind die Bibliotheken der bekannten kulturbotschaftlichen Zentren in Togo wie des Institut Français oder des amerikanischen Kulturzentrums.

Mit der Unterstützung von Partnern werden zahlreiche Werke in verschiedene Sprachen des Landes übersetzt, unter anderem Éwé, Kabyè, Mina, Moba, Tem und Ifè. Das jüngste Beispiel ist der erste Roman des togolesischen Schriftstellers Sami Tchak mit dem Titel Femme infidèle, der auf Tem und Mina erschien.

Die Alphabetisierung fällt nicht direkt in den Kompetenzbereich der öffentlichen Institutionen zur Leseförderung, wird jedoch vom Ministerium für Soziales, Frauenförderung und Alphabetisierung vorangetrieben. Im Bereich der Leseförderung, aber vor allem beim Schreibunterricht, sind weitere private und assoziative Initiativen zu nennen.

Es bleibt aber allgemein festzustellen, dass die Aktionen zur Leseförderung, unabhängig von den Lesezentren und Bibliotheken, die Vielsprachigkeit nicht ausreichend berücksichtigen.

Die Strukturen der Leseförderung kommen der Land- und Stadtbevölkerung zugute, vor allem Jugendlichen, die Statistiken zufolge 85 % der Leserschaft darstellen. Dort, wo es keine Schulbibliotheken gibt, erfüllt das Netz der öffentlichen Lesebibliotheken die Bedürfnisse jener Schüler, für die Bücher und gute Lesebedingungen anders nicht zugänglich wären.

Die Buch- und Leseförderer sind abschließend der Meinung, dass eine Partnerschaft mit dem Bildungssystem und den Verbänden die wahre pädagogische Mission der Bibliothek umsetzen kann.

Dorothée BROOHM

Lesen in Deutschland

Lesen in Deutschland sammelt und dokumentiert online verfügbare Informationen zum Thema Leseförderung, bereitet diese zielgruppenorientiert auf und bietet für Eltern, Großeltern, Lehrer, Erzieher, Bibliothekare und Experten sowie an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte Anregungen und Unterstüzung.

Lesen weltweit

Das Portal bietet Informationen über erfolgreiche Projekte zur Leseförderung aus aller Welt. Sie werden als Ideenmodule zum Mitmachen und Nachahmen präsentiert und durch Berichte, Beiträge aus der Forschung sowie Interviews ergänzt.

LifelongReaders

Europäische Plattform zum Thema Leseförderung mit zahlreichen Artikeln zu Leseförderungs- aktivitäten, Fortbildungs- und Evaluationsprogrammen. [Gefördert im Rahmen des EU-Programms "Lebenslanges Lernen]