T-Shirt, Mensch und Bild – Urberlin

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Urberlin – die Vorsilbe ist ein Versprechen, das der Begründer der Modemarke auch zu halten gedenkt: Die T-Shirts des Berliner Labels sind nicht nur berlinerisch, sondern: urberlinerisch, direkt aus dem Herzen des echten, von Geschichte und Graffiti gezeichneten Berlin.
Fatih Alasalvaroglu, Berliner und Deutscher mit türkischen Wurzeln, Schauspieler und Student der Kommunikationswissenschaften, gründete das Label im November 2010. Die Idee dazu entstand aus der Erkenntnis, dass eine der wirklichen Besonderheiten dieser Stadt ihre auf dem zuweilen tristen Mauerwerk festgehaltenen Bilder und Graffiti sind – Berliner Streetart, in der sich die Befindlichkeiten und Welten seiner Bewohner spiegeln. Fatih Alasalvaroglu fühlt mit Berlin, mit der Stadt, die ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist. Er nennt sie einen Diamanten, dessen Erscheinungsform im Auge des Betrachters liegt: kantig und hässlich im rohen Zustand, aufregend und inspirierend, authentisch und freidenkerisch, wenn er denn poliert wird. Berlin auf der HautDie Besonderheit der Stadt, ihre urbanen Bildwelten, wollte Fathi Alasalvaroglu in Bewegung setzen, abgelöst von den unbeweglichen Mauern und der Illegalität der Sprayerszene. Als tragbare Kunst sollten sie sich selbstständig unters Berliner Volk mischen. Diese Mode – realisiert von Berliner Szene-Künstlern, die Motive der Berliner Streetart isolieren oder ausarbeiten und auf T-Shirts drucken – wird immer in limitierter Auflage und mit einer Umsatzbeteiligung des Künstlers umgesetzt. Nema One, Stohead, Prinz Buntstift oder Goldkinder nennen sich die Künstler oder |
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Künstler-Kollektive, die dafür sorgen, dass die Kunst Berlins auf Urberlin-T-Shirts in den Straßen zu sehen ist. Berliner Bilder für die Menschen der Stadt, die hier zu wandelnden Ausstellungsstücken, zu Medien einer urberliner Botschaft werden, die den öffentlichen Raum erobert, fernab von White-Cube-Ausstellungsräumen und Galerien.
Der Slogan dieses neuen Mode-Genres – Berliner Street-Couture – liest sich fast wie ein Gedicht: „Berlin ist urban“ „Urberlin ist Stadt auf der Haut“ „Urberlin B-ist Du“ Berlin, Berlin – mitten hinein ins Urige. Gerade schien dieses wohlige Gefühl lokaler Zugehörigkeiten überwunden. Gab es nicht ein neues Ziel – Weltbürger zu sein, Global Player, die überall und nirgends zu Hause sind, immer bereit, den Anker zu lichten? Sind die Metropolen im großen Treiben globalisierter Vernetzung nicht ununterscheidbar geworden? – Die Sozialwissenschaften lehren, die Gegenbilder der Globalisierung ernst zu nehmen und sie nicht abgetrennt von den Globalisierungsprozessen zu beurteilen. Demnach gehört der neue Trend zur Relokalisierung, die Hinwendung zum ganz spezifisch Eigenen des Ortes untrennbar zum Globalisierungsprozess mit dazu. Urberlin hat damit genau den Geist der Zeit getroffen – ein Phänomen, das den Erfolg des Labels erklärt. Lokale SuperidentitätDie Stadt, die Bilder, die sie produziert – alle Teil des Mythos der Metropole Berlin – und die Körper, |
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als Träger dieser Stadtbilder, werden aufeinander eingeschworen, miteinander aufs Engste verbunden.
Hier geht es nicht nur um T-Shirts, sondern auch um das Erzeugen einer Identität. Mensch und Bild fließen wieder in einer Figur zusammen: Du bist Berlin. Auf der Haut ihrer Bewohner durchziehen die Bilder ihre Stadt: Die Stadt vervielfältigt sich in ihren Bewohnern. Urberlin ist kultig, jung und urban und das Markenzeichen Berlins ist ja gerade seine Weltoffenheit und Multikulturalität. Trotzdem können die Urberlin-T-Shirt-Träger – egal aus welcher Ecke der Welt sie kommen – sich hier die lokale Superidentität Urberlin aneignen, sich in ihr zuhause fühlen, mit dem Ort verbunden über Bilder, Haut und Körper – schon seit Urzeiten die sensiblen Stellen, an denen Identität konstruiert wird. „From the Street – for the street!“Urberlin ist mit seinen T-Shirt-Kollektionen unter anderem auf der Berliner Fashion Week vertreten und seit 2102 Mitglied der Bright Trade Show in Berlin. Auch für den Rückfluss ist bereits gesorgt. So ist es Teil des Konzepts von Urberlin, einen Anteil der erwirtschafteten Erträge wieder der „Straße“ zugutekommen zu lassen. Die Gelder fließen in soziale Stadtprojekte und fördern so insbesondere sozial schwache Kinder und Jugendliche. „From the Street – for the street!“ ist hier das Motto.Natalie Göltenboth,
promovierte Ethnologin, ist freie Redakteurin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion Februar 2013 Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns! internet-redaktion@goethe.de |
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